1984 ist jetzt
Der Anfang des Romans beschreibt ja einerseits das Neusprech, also eine vereinfachte Sprache, aus der alle kritischen Begriffe nach und nach entfernt werden, andererseits, wie ständig Artikel überarbeitet werden, um sie dem politischen Zeitgeist und Narrativ anzupassen. In unserer Realität trifft dies aber hauptsächlich auf Bücher zu, vornehmlich Kinderbücher von Autoren, die bereits gestorben sind und sich daher nicht wehren können. Wir hatten ja schon den Fall mit Pippi Langstrumpf von Astrid Lindgren, deren Vater nun nicht mehr Negerkönig sein darf und wo es auch keine Zigeuner mehr gibt. Ich hatte gerade nochmal im Internet gesucht und per Zufall diese Seite von einem Gutmenschen gefunden, der sogar noch berichtet, daß die Autorin sich zu ihren Lebzeiten schon gegen Änderungen ausgesprochen hatte! Wie das mit dem Urheberrecht zusammengeht, würde mich auch mal interessieren. Thematisiert habe ich das noch nirgendwo gesehen. In Deutschland währt das Urheberrecht 70 Jahre lang nach dem Tod, bei Lindgren wäre das also 2071. Ja, der Verlag dürfte wohl Vervielfältigungsrechte besitzen, aber daß damit das Recht der Textveränderung einherginge, würde mich schon wundern.
Aber warum ich überhaupt darauf komme, ist ein Artikel in der NZZ. Die berichtet von einem neuen derartigen Fall, nämlich, daß Kinderbücher des bekannten Autors Roald Dahl dem Zeitgeist angepaßt werden. Die »Qualität« dieser Änderungen übertrifft bei weitem die der Änderungen an Pippi Langstrumpf. Es darf keine Dicken geben, stereotypische Verhaltensmuster von Männern und Frauen werden glattgebügelt, ebenso Begriffe wie Mutter und Vater.
Im Vergleich zu 1984 sind Zeitungen zur Zeit noch tabu, aber ich bin der Überzeugung, daß sich auch das noch ändern wird, speziell, da die gedruckte Form ein Auslaufmodell ist und dann nur noch alles digital verfügbar ist. Und dank immer besser werdender KI wie das momentan populäre ChatGPT wird sich da niemand hinsetzen müssen und die Artikel manuell durchsehen. Die KI wird im Fluge beim Aufruf des Artikels alle gewünschten Änderungen durchführen. Und bei dem jetzigen Transgender-Wahn wird die erste Anwendung die Anpassung von Vornamen und Ursprungs-»Geschlecht« von Personen sein, die ins andere Geschlecht »herübergemacht« haben. Dem Leser soll glaubhaft gemacht werden, daß die Person nie ein anderes Geschlecht gehabt habe. Darum werden ja auch heute schon Dokumente wie Zeugnisse und Geburtsurkunden »im Namen des Guten«™ gefälscht und Geschichtsklitterung betrieben.