3. September 2015
September 201503

Der Wahnsinn im Quadrat

Ist die Welt sowieso schon verrückt, dann potenziert sich das in diesen Tagen…

Meinungsdiktatur

Es ist wieder soweit: War letztens jeder, der nicht uneingeschränkt den Euro und Griechenland retten wollte, ein Anti-Europäer und ein Nationalist, so findet im Moment die gleiche Schwarz-Weiß-Malerei in der Flüchtlingsdebatte statt. Das fängt damit an, daß die Politik und die Medien sich an ihrer selbsterklärten »Willkommenskultur« für die nach Deutschland einströmenden Ausländer hochziehen – ja, ich möchte schon fast sagen – aufgeilen: Ach, was sind wir bloß für gute Menschen!

Damit ihr Hochgefühl nicht getrübt wird, werden die Leute, die das in irgendeiner Form kritisch sehen, marginalisiert und stigmatisiert.

Zweit- und drittklassige Politiker, Musiker und Stars wie Sigmar Gabriel, Campino, Til Schweiger, Joko und Klaas und Oliver Kalkofe packen alle Kritiker, vom Facebook-Kommentierer bis zum Steinewerfer und Brandstifter, in einen Topf und beschimpfen sie mit einem ähnlichen Haß, wie der, den sie diesen Leuten vorwerfen. Und genauso, wie jeder glaubte, an der Ice Bucket Challange mitmachen oder »Je Suis Charlie« twittern zu müssen, so rufen sie heute »Refugees welcome« in die Kamera oder ins Mikrofon.

In einem Tagesschau-Kommentar, den ich mit ansehen mußte, wurde völlig ohne Beleg behauptet, die schweigende Mehrheit würde das Fallen der letzten Schranken, das Aufheben des Dublin-Abkommens, die faktische Einladung an die Welt, nach Deutschland zu kommen, uneingeschränkt unterstützen (eingebettet war das in ein Loblied über Merkel, das eine nordkoreanische Nachrichtensprecherin vor Neid erblassen ließe).

Aber irgendwie findet hier eine massive Realitätsverzerrung statt. Ein nur bedingt kritischer Kommentar in der FAZ von Jasper von Altenbockum zu Merkels »wir schaffen das«-Blabla zum Beispiel wird von den Lesern heftig kommentiert. In den mittlerweile hunderten Leser-Kommentaren stellt sich eine Meinung dar, die diametral zu der öffentlich verbreiteten steht. Ich kann wirklich nur empfehlen, da ein bißchen herumzulesen! Ähnliche Realitätsverzerrungen gab es wohl auch in der »Hart aber fair«-Sendung zu diesem Thema.

In vielen Kommentaren werden interessante Fragen gestellt. Zum Beispiel, wie das mit der Demokratie vereinbar ist, daß die Deutschen keine Möglichkeit haben, zu entscheiden, was passiert, dafür eine fremde Menschenmenge uns ihren Willen aufdrängt. Oder die Frage, wer denn die kaputten Länder, aus denen die Menschen zu uns kommen, wieder aufbauen sollen, wenn die »Fachkräfte« dauerhaft in Deutschland bleiben. Viele sind auch überzeugt, daß das erstmal die Vorhut ist – Ehefrauen, Kinder, Geschwister und Eltern warten nur darauf, irgendwie nachzukommen. Daß dies keine unbegründete Furcht ist, wird auch immer wieder in den Interviews deutlich, die die Presse bringt, z.B. hier. Da kann sich die Zahl leicht vervielfachen. Viele Deutsche fühlen sich auch als Bürger zweiter Klasse. Schulen verkommen seit vielen Jahren, aber mit den Flüchtlingen ist plötzlich Geld da. Viele sehen eine massive Diskrepanz zwischen dem, was behauptet wird und was sie selber mit den Flüchtlingen erleben. Die Leute fühlen sich von den etablierten Parteien im Stich gelassen, was der neuen AfD Freude bringen könnte.

Hier noch weitere Artikel:

Integrationsfähigkeit islamischer Flüchtlinge

Ich frage mich, ob es zuviel verlangt ist, daß jemand, der eine Gastfreundschaft annimmt, sich auch wie ein Gast benimmt, also lokale Sitten und Gebräuche akzeptiert – und bei einem permanenten Aufenthalt, sich auch integriert, also diese Sitten und Gebräuche auch praktiziert. Für Deutschland gehört dazu, das Grundgesetz und auch die Freiheit eines jeden (auch der Frauen) uneingeschränkt anzuerkennen und seinen Glauben hinten anzustellen.

In eigener Sache

Ich bin froh, daß ich in meinem Blog keine Kommentarfunktion habe. Selbst wenn man mich nicht beschimpfen und in die rechte Ecke stellen würde, denke ich, mir würde man zumindest Herzlosigkeit vorwerfen. Aber ich halte es einfach für falsch, was da gerade passiert. Die Menschen müssen ihre Konflikte selber lösen und nicht in die Welt tragen. Und Europa und die anderen Großmächte müssen helfen – nicht nur mit Millionen- und Milliarden-Beträgen, Nahrung und Medizin für die Flüchtlinge vor Ort, sondern auch generell mit einer Wirtschaftspolitik, die den Menschen das Leben in ihren Ländern ermöglicht und die Entwicklung einer prosperierenden Wirtschaft und einer Zivilisationskultur in ihren Ländern erlaubt. Dazu gehört beispielsweise, in Afrika die lokalen Nahrungsmittelproduzenten nicht länger mit billigen europäischen Produkten kaputtzumachen, das Abfischen vor den afrikanischen Küsten zu unterlassen und die unverarbeiteten Ressourcen (Erze, Öl, Kaffee, Kakao usw.) nicht unfair billig abzukaufen. Und sollten unter den Flüchtlingen tatsächlich Fachkräfte sein, wie immer behauptet wird, werden die in ihren Ländern gebraucht, um sie (wieder) aufzubauen. Der sonst stattfindende »Brain Drain« wäre nur eine weitere Facette des desaströsen Neo-Kaptialismus, der für viele Flüchtlingsgeschichten ursächlich ist.