Die Große Koalition plant das Ende des Bargelds!
So schaut es zumindest im Moment aus.
Letzte Woche sickerten zwei Bestrebungen aus Regierungs- und EZB-Kreisen durch, die das Bargeld betreffen – einerseits die Einführung einer Obergrenze für Barzahlungen von 5.000€, andererseits die Abschaffung der 500€-Banknote. Das Ganze hat das Gschmäckle einer konzertierten Aktion, mit der die Bundesregierung testen wollte, wie denn das so bei dem Bürger ankommt.
Auch wenn nicht bestritten wurde, daß man diesen beiden Bestrebungen positiv gegenübersteht, wurde dennoch versucht, das mehr als Gedankenspiel darzustellen als ein konkretes Regierungsziel. Das stellt sich aber mittlerweile als Blendwerk der Regierung dar, denn wie bekannt wurde, versucht die Bundesregierung massiv auf die EU einzuwirken, daß diese eine EU-weite Obergrenze einführt.
Dies wäre dann mal wieder das typische Spiel über Bande, das die Bundesregierung und auch andere europäische Regierungen mittlerweile aus dem Effeff beherrschen: Am Ende heben sie die abweisende Hände und behaupten, sie hätten das nicht gewollt, oder zumindest nicht so.
Wenn die Bundesregierung ein Feedback haben wollte, dann hat sie es auch bekommen: Das Medienecho war erheblich, und zwar fast einhellig negativ. Auch Umfragen zeigen eine breite Ablehnung in der Bevölkerung. Die von den Befürwortern dargebrachten Argumente – Geldwäsche, Diebstahl, Falschgeld, Schwarzarbeit, Terrorfinanzierung, Bestechung – haben nicht überzeugt. Selbst Fachleute (jenseits der Ermittlungsbehörden) sehen die Maßnahmen nicht als wirksam in der Bekämpfung dieser Taten an. Außerdem gehen ja Kriminelle auch mit der Zeit und haben schon vielfach gezeigt, daß elektronisches Geld nicht wirklich sicherer als Bargeld ist.
Daher ist zu befürchten, daß diese beiden Maßnahmen nur ein Auftakt für die letztendliche Abschaffung des Bargelds sein könnte. Warum sollte die Regierung das wollen? Zum einen zur totalen Überwachung des Bürgers, denn die Spur des Geldes sagt mindestens soviel aus wie die Kommunikationsspuren, wie sie zum Beispiel durch die Vorratsdatenspeicherung erfaßt werden. Zweitens könnte man die Bürger kinderleicht enteignen, die Bürger könnten sich nicht mehr dagegen wehren, indem sie ihre Ersparnisse im Safe lagern. Beides wären natürlich harte Einschnitte in die Freiheits- und Eigentumsrechte der Bürger, und schon die beiden angedrohten Maßnahmen sehen Juristen und Bürgerrechtler bereits als verfassungswidrig.
Grüne, FDP und AfD haben schon sich klar dagegen positioniert. Auch einige CDU/CSU-Abgeordnete haben sich ablehnend geäußert. Von SPD- und Linken-Politikern habe ich jetzt keine Kritik gelesen – vielleicht habe ich das aber auch nur übersehen.
Interessanterweise kommt auch Kritik aus Bankenkreisen, obwohl die ja bei elektronischen Transaktionen mitverdienen – im Gegensatz zu Bargeldgeschäften. Allerdings könnte die Ablehnung auch andere Gründe haben, wie Hans-Werner-Sinn vermutet: Ohne 500€-Schein könnten die Banken dann nicht mehr soviel Geld bunkern und müßten Negativzinsen bei der EZB zahlen. (Artikel siehe unten)
Meldungen und öffentliche Kritik
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Focus: Regierung erwägt Obergrenze: Dürfen bestimmte Rechnungen bald nicht mehr bar gezahlt werden?
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Süddeutsche Zeitung: Bundesregierung erwägt offenbar Bargeld-Obergrenze von 5000 Euro: »Als Grund gelten der Kampf gegen den internationalen Terrorismus. Handel und Datenschützer sind empört.«
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FAZ: Bar zahlen künftig nur noch bis 5000 Euro: »Die Bundesregierung dringt auf ein gemeinsames Limit für Bargeldzahlungen in Europa. Andernfalls erwägt Berlin eine Bargeldgrenze in Deutschland. Ist das der Anfang vom Ende des Bargelds?«
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Spiegel: 5000 Euro: Bundesregierung erwägt Obergrenze für Barzahlungen: »Juweliere und Möbelhändler sind dagegen.«
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Heise: »Krieg gegen Bargeld«: Datenschützer kritisieren Pläne für Obergrenze bei Barzahlung (Zitiert eine Reihe von Politikern)
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FAZ: Transparency International: Bargeld-Obergrenze von 5000 Euro noch zu hoch
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FAZ: Die Bargeld-Bremse sorgt für Streit : »Der Präsident der Bundesbank warnt vor einem ›fatalen Eindruck‹ in der Bevölkerung. Auch der Deutsche Richterbund ist skeptisch ob der Pläne der Regierung – und in der Schattenwelt wird herzlich gelacht.«
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Focus (Video): »Bundesregierung will ablenken«: Sarrazin kritisiert Plan für Bargeld-Obergrenze
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FAZ: Sind Bargeldbegrenzungen verfassungswidrig? Siehe auch Zeit: Obergrenze für Bargeldzahlungen könnte verfassungswidrig sein und Süddeutsche Zeitung: Ex-Präsident des Verfassungsgerichts hält Bargeld-Grenze für verfassungswidrig.
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Heise: Bundesregierung will bei anderen EU-Staaten für Bargeld-Limit werben: »Trotz Gegenwinds hält die Bundesregierung offenbar am Plan einer Bargeldobergrenze fest und will sich für eine Lösung auf EU-Ebene einsetzen.«
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FAZ: Gegen Obergrenze: Bundesbank warnt vor Bargeld-Einschränkung: »Die Bundesregierung möchte das Bargeld einschränken, die EZB den 500-Euro-Schein abschaffen. Die Bundesbank warnt abermals davor – aus mehreren Gründen.«
Von Schäuble kommen noch weitergehende Forderungen – wie Heise berichtet: Darunter sind Bankkontenregister für die gesamte EU mit Abrufmöglichkeiten, wie wir sie schon haben, sowie Bitcoin-Kontrolle und Kontrolle und Beschränkung anderer anonymer Zahlungsprodukte wie Prepaid-Karten. Die EU nimmt diese Steilvorlage dankend an.
Kommentare/Hintergrund/Analysen
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Ingo Mainert (Allianz Global Investors): Bargeld ist Freiheit: Schafft Scheine und Münzen bloß nicht ab!
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Sascha Lobo: Bargeld kann man nicht überwachen
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Manfred Schäfers (FAZ): Im Kampf gegen das Schwarzgeld sollen alle büßen
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Axel Kannberg (Heise): Die Schlacht um die finanzielle Privatsphäre ist eröffnet
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Holger Steltzner (FAZ): Bargeld ist Freiheit
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Hans-Werner Sinn: Wie sich der Einzug des 500-Euro-Scheins rechnet
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Süddeutsche Zeitung: Wer würde vom Ende des Bargelds profitieren?
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Spiegel: Bargeld-Obergrenzen im Ausland: Die Scheinlösung: »Obergrenzen für Bargeldzahlungen sind in Deutschland heftig umstritten, in anderen EU-Ländern längst Gesetz. Gegen Geldwäsche und Schattenwirtschaft helfen sie jedoch wenig.«
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Marc Beise (Süddeutsche Zeitung): Bargeld ist geprägte Freiheit
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Süddeutsche Zeitung: Geld hat etwas von Hexerei
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Patrick Beuth (Zeit): Bargeldobergrenze: So sinnlos wie die Vorratsdatenspeicherung: »Außerhalb des Finanzministeriums glaubt kaum jemand, daß eine Beschränkung von Bargeldzahlungen im Kampf gegen Geldwäsche, Schwarzarbeit und Terror hilft.«