18. Oktober 2015
Oktober 201518

Dies & Das

Vorratsdatenspeicherung: When will they learn?

Tja, es wäre ein Wunder gewesen, wäre die Entscheidung am Freitag im Bundestag anders ausgefallen. Immerhin haben nicht alle SPDler, im Gegensatz zu den CDU- und CSU-Abgeordneten, ihr Hirn an der Pforte abgegeben: 50 haben mit Nein abgestimmt oder sich enthalten. Eine Ohrfeige für Gabriel und Maas, aber halt nicht ausreichend.

Natürlich wurde im Bundestag »debattiert«, aber die Verfechter der Vorratsdatenspeicherung haben natürlich nur wieder ihre üblichen Lügen aufgetischt. Wer sich das antun will, kann sich den Live-Blog von Netzpolitik durchlesen. Für einen Befürworter aus den Reihen der SPD mußte selbst das Charlie-Hebdo-Attentat herhalten, das sicherlich vieles belegen kann, aber mit Sicherheit nicht den Nutzen der Vorratsdatenspeicherung (zur Erinnerung: die Täter waren bekannt und wurden wegen ihres Verhaltens bereits total abgehört – und selbst das hat kein einziges Leben gerettet. Und zur Aufklärung wurden die bei der Totalüberwachung aufgezeichneten Daten verwendet und nicht irgendwelche Vorratsdaten).

Nun muß halt die Vorratsdatenspeicherung wieder vor das Bundesverfassungsgericht. Mindestens drei Klagen sind in Arbeit: Eine vom AK-Vorrat, digital courage und anderen Bürgerrechtsorganisationen (man kann hier mitzeichnen, aber der Server hat evtl. noch Lastprobleme). Zudem wollen die Grünen klagen sowie Wolfgang Kubiki von der FDP. Bei letzterer Klage könnte ich mir vorstellen, daß da auch noch ein paar FDP-Kollegen (Baum? Leutheusser-Schnarrenberger?) mitwirken, aber nicht die FDP als Partei. Laut einem Heise-Artikel ist sie wohl immer noch auf der Suche nach einer Position in Sachen VDS, die Parteiführung ist sich da wohl nicht einig. Verwunderlich ist das ja nicht, waren die Bürgerrechte bei den Liberalen schon in der letzten Legislaturperiode mehr Verhandlungsmasse als inhärenter Bestandteil der Parteigrundsätze.

Bis auf polizeinahe Kreise, denen die nun beschlossene Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug geht, wird die Entscheidung massiv kritisiert. Heise faßt Stimmen zusammen.

Weitere Meldung:

EU-Netzneutralität kommt … nicht

Datenschützer sprechen schon von einem Schwarzen Oktober für die Bürgerrechte. Nach dem Beschluß zur Vorratsdatenspeicherung steht am 27. Oktober auf EU-Ebene ein Beschluß bevor zur Netzneutralität – oder auch nicht. Laut Aktivisten ist der Entwurf durch die lobbygetriebene Kommission und Abgeordneten soweit verwässert worden, daß von der Neutralität nicht mehr viel übrigbleibt. Mittels vieler Schlupflöcher und absichtlicher Unklarheiten kann die finanzielle Ausbeutung des Kunden und des Diensteanbieters (YouTube, Facebook usw.) durch die Netzbetreiber beginnen. Auch durch die Nichtanrechnung der eigenen Dienste auf die Datenmenge kann ein Telekommunikationsunternehmen die eigenen Dienste bevorzugen.

Außerdem legalisiert der Entwurf Internetsperren, die nicht einmal durch Gesetz oder Gericht festgelegt sein müssen. Das öffnet den Weg nicht nur zu Porno-Sperren wie in Großbritannien, sondern erlaubt nach meinem Verständnis auch die Sperrung von Download-Sites auf Zuruf der Content-Industrie. Vielleicht versteht die EU das unter einem »offenen Internet«…

Wer sich informieren will oder auch noch aktiv werden will, der sollte unbedingt »Save the Internet« besuchen. Dort gibt es auch ein tolles Video (auch direkt bei YouTube zu sehen), das die Problematik sehr schön erklärt. Titel des Videos ist übrigens »Netzneutralität tötet«. Das ist ein u.a. vom EU-Kommissar Oettinger vorgebrachtes Argument, das sich bei näherer Betrachtung nicht unerwartet als völlig abstrus herausstellt.

Hintergrund-Artikel gibt es auch bei Futurezone, Golem und Heise.

TTIP

Sonstiges aus dem Internet