Dies & Das
Lanz und kein Ende
Die ganze Geschichte nimmt langsam bizarre Züge an: Die Zahl von 200.000 Unterschriften bei der Petition ist überschritten worden. Und was macht Lanz bei der Sendung »Wetten, daß…«? Er gießt auch noch Öl ins Feuer, wie der Spiegel berichtet. Auf diese Art bekommt er die Kuh bestimmt nicht vom Eis.
Und neue Fronten werden eröffnet: Der beim Wagenknecht-Bashing mitwirkende Stern-Journalist Jörges fühlte sich zwischenzeitlich genötigt, Lanz beizustehen, und brachte auf der Stern-Homepage einen »Video-Zwischenruf«. Damit zog er jetzt den Zorn auch auf sich, wie der Stern selber berichtet. Unter anderem wurde auch gegen ihn eine Online-Petition auf dem gleichen Portal gestartet, mit schon fast 1.000 Mitzeichnern.
Oberflächlich könnte man meinen, dieser ganze Hick-Hack sei doch mehr ein Thema für die Yellow Press. Ich bin aber, wie viele andere auch, der Meinung, daß das ein Symptom eines viel größeren Problems ist, nämlich das eines äußerst arroganten Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks, der schon lange seine Aufgabe der unabhängigen, kritischen Berichterstattung aufgegeben hat (falls er das jemals getan hat), und uns stattdessen mit regierungs- und EU-konformen Dummquatsch einzulullen versucht.
Dennoch darf man sich bei der Angelegenheit auch ein bißchen amüsieren. So müssen Lanz’ Moderationsfähigkeiten schon früher einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben, wie zum Beispiel das Lanz-Trinkspiel zeigt.
Terror-Netzwerk NSA/Snowden-Affäre
Hier gibt es einiges neues. Edward Snowden gab ein Twitter-Interview (hier von seiner Unterstützergruppe in englisch, beim Spiegel eine Art Protokoll mit teilweisen Übersetzungen). Ich bin noch nicht dazu gekommen, es ganz durchzulesen. Soweit jedoch: Er glaubt nicht, daß er in den USA ein faires Verfahren bekommen würde. Ich glaube das auch nicht. Einen Blick auf eine mögliche Rückkehr Snowdens in die USA nimmt auch die Süddeutsche Zeitung in einem Artikel.
Daneben hat er auch ein Interview mit der ARD/NDR gemacht, mit dem jetzt die ARD hausiert. Sonntag abend soll es ausgestrahlt werden. Viel hat die ARD noch nicht aus dem Sack gelassen, außer daß die NSA natürlich auch Wirtschaftsspionage betreibt, wie alle es schon vermutet haben. Wenn jetzt von Greenwald & Co. zeitnah noch ein paar Slides auf den Tisch kommen, wird vielleicht die deutsche Industrie mal ein bißchen Druck machen, daß die Regierung aus ihrer eid-verletzenden Starre herauskommt. Aber ich zweifele, daß das wirklich passieren würde, denn ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung zeigt auf, daß die USA die Bundesregierung mindestens zwei mal ganz klar belogen hat, was die Überwachung der deutschen Regierung betrifft, und trotzdem tut sich nichts. Der Verschwörungstheoretiker in mir sagt, daß die Amerikaner gewichtiges Erpressungsmaterial in der Tasche haben müssen.
An anderer Front gibt es leicht positive Nachrichten: Das Verfahren gegen die GCHQ wegen ihrer Abschnorchelei in Europa vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wird zum Schnellverfahren, wie netzpolitik.org berichtet. Man sieht dort offenbar dringenderen Handlungsbedarf.
Derweil beschäftigt sich ein juristischer Artikel auf der Technik-Magazin Golem.de mit der theoretischen Frage, ob Notwehr gegen Spionage aufgrund der Untätigkeit unserer Regierung rechtmäßig sei. Interessantes Ergebnis: JA.
Sonstiges
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Nach der Entdeckung eines Briten, daß Smart-TVs von LG nach hause (zum Hersteller) telefonieren, hat sich die c’t vom Heise-Verlag des Themas angenommen. Und was stellen sie fest? Die Fernseher aller Hersteller machen das. Und noch mehr: Mit Hilfe eines web-basierten TV-Guides (HbbTV) bekommen die Sender mit, wenn ein Zuschauer ihr Programm einschaltet, und wohl unter Umständen auch, wann er es wieder verläßt. Durch Cookies kann zudem ein Gerät eindeutig identifiziert werden. Nach meinem Verständnis des Artikels handelt es sich hierbei mehr um einen Mißbrauch einer Funktion des HbbTV als um ein inhärentes Verhalten dieses Dienstes. Befragte Datenschutzexperten halten das für gesetzeswidrig. Und wer macht da natürlich auch mit? Der Öffentlich-Rechtliche Rundfunk.
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Die Polizei, Dein Freund und Helfer. Die Bewachung vor Merkels Wohnhaus läßt einen Einbrecher passieren, der räumt die Nachbarwohnung auf der selben Etage aus und klaut auch noch das Auto.