23. Juni 2015
Juni 201523

Dies & Das

EU: Netzneutralität adé

Man mag es kaum glauben: Das Land Nummer eins in Sachen Raubtierkapitalismus und lobbygetriebener Politik, die vereinigten Staaten von Amerika, bekommt die Netzneutralität hin. Und die EU? Natürlich nicht!

Wie Netzpolitik und Heise berichten, wurde der erste Entwurf zur Neuregelung des digitalen Binnenmarktes, der sowieso schon als löchrig hinsichtlich der Netzneutralität angesehen wurde, im zweiten Entwurf praktisch ad absurdum zusammengestrichen. Sogar der Begriff Netzneutralität taucht nicht mehr auf und ist durch ein undefiniertes und damit beliebig dehnbares »offene Internet« ersetzt worden. Das ist genau der gleiche »Trick« wie bei der Einschränkung der Privatsphäre und der informationellen Selbstbestimmung, wo neuerdings euphemistisch von einem »modernen Datenschutz« gesprochen wird (z.B. bei der Vorratsdatenspeicherung oder auf EU-Ebene das neue Daten»schutz«abkommen, wie berichtet).

Netzneutralität zu verhindern ist dabei nicht das einzige negative Ziel: Deep Packet Inspection soll nun erlaubt werden, genauso wie der Einsatz von bevormundenen Filtern, wie sie z.B. zur Zeit in Großbritannien in Form der sogenannten »Porno-Filter« zum angeblichen Schutz der Jugend appliziert werden. Das Tor zu all dem Unfug, der schon zu Zensursulas Zeiten in den Köpfen der Feinde der Freiheit herumgeisterte, wird nun wieder ein deutlich weiter aufgestoßen.

Und damit der dumme Bürger das nicht merkt, wedelt man im Vordergrund mit dem Fähnchen des Verbots inner-eu-licher Roaming-Gebühren, von dem 99% der Bürger, wenn sie nicht gerade auf Malle im Urlaub sind, eh nichts haben.

Wenn ich das wieder lese, zusammen mit der Datenschutzneuregelung und dem ganzen Griechenland-Rettungs-Scheiß, wünsche ich mir sehnlich, daß diese verdammte Europäische Union endlich in sich zusammenfällt.

Nachtrag: Hierzu paßt gut der Artikel über die Lobby-Empfänglichkeit von Günther Oettinger, der für den digitalen Binnenmarkt zuständige EU-Kommissar und ausgewiesener Gegner der Netzneutralität, der sich zudem nicht schämt, Terrorvergleiche (»talibanartig«) gegen die Verfechter zu nutzen. (Siehe auch Heise, Lobby-Bericht von Transparency International (PDF)).

Freiheit im Netz

Maut

Nachdem die EU offiziell ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen der Ausländer-PKW-Maut eingeleitet hat, verschiebt Doofbrindt die Maut erstmal um ein Jahr. Die Kommentatoren (z.B. Spiegel, SZ und nochmal SZ) sind sich nicht klar darüber, warum er so darauf reagiert. Vermutet wird u.a., daß er die Umsetzung der Maut (mit Ausschreibung usw.) bis 1.1.2016 garnicht geschafft hätte und ihm das gelegen kam. Davon abgesehen tritt Doofbrindt aber öffentlich noch ein bißchen nach, wohl um die eigene Klientel zu befriedigen.

Sonstiges