EU will April-Scherze verbieten
Eine zehnköpfige Arbeitsgruppe der europäischen Statistikbehörde Eurostat ist nach einer dreimonatigen Studie zu dem Ergebnis gekommen, daß die in Europa weitverbreiteten Scherze am 1. April jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden zuletzt von rund 530 Millionen Euro verursachten, Tendenz steigend. Einerseits investierten viele Firmen, insbesonders Medien wie Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen erhebliche Ressourcen in die Erstellung von April-Scherzen, andererseits seien am 1. April viele Arbeitnehmer von ihrer Arbeit abgelenkt, da sie im Internet, Zeitschriften und Zeitungen nach Scherzen suchten, oder, falls gefunden, diese mit ihren Kollegen austauschten. Dies führe auch zu einem meßbaren Anstieg des Unfallrisikos an diesem Tag – die durch die krankheitsbedingten Ausfälle und durch Heilung entstehenden Kosten seien mit in die Berechnungen eingeflossen. Weitere Kosten entstünden bei den Opfern der April-Scherze, z.B. durch Nachfragen von Personen, die die Scherze als solche nicht erkannten.
Dies nimmt nun die Europäische Kommission zum Anlaß, Mittel und Wege zu finden, dieses kostspielige Brauchtum abzuschaffen, das auch durch seine häufige Subversivität bei den Mächtigen in der Kritik steht. Die Kommissare für Inneres, Cecilia Malmström, für Unternehmen und Industrie, Antonio Tajani, sowie für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit, László Andor, planen dazu eine neue Richtlinie. Sie soll die EU-Mitgliedsländer bereits ab 2015 dazu verpflichten, eine Vergnügungssteuer von anfangs 10 Cent pro potentiellen Rezipienten zu erheben, zu zahlen von den Initiatoren und Verbreitern der April-Scherze. Bis 2025 soll diese Steuer schrittweise auf 4€ angehoben werden. Damit soll, ähnlich wie beim Tabakkonsum, ein Abgewöhnungseffekt eintreten. Für das Internet sei auch eine Überwachung von Webseiten und des E-Mail-Verkehrs vorgesehen, so Malmström, damit die April-Scherze nicht in den digitalen Untergrund abwandern könnten. Datenschutzrechtliche Bedenken gebe es nicht, die Kommissarin für Justiz und Grundrechte, Viviane Reding, habe auch schon ihr Placet dazu gegeben.