Morddrohungen
Ich lese gerade in der Online-Ausgabe des lokalen Fischblatts über Morddrohungen, die an Lokalpolitiker gerichtet sind. Diese sollen aus den Reihen der Impfpflichtgegner kommen, und natürlich wird das sofort auf die »Spaziergänger« ausgedehnt, die montags hier im Ort seit einigen Wochen durch die Stadt laufen und die auch nicht mehr sogenannte Spaziergänger sind, sondern echte Demonstranten, da nach meinem Kenntnisstand regelmäßig für diese Unternehmung eine Demonstration angemeldet ist. Impliziert wird in dem Artikel, daß alle Teilnehmer die Denkweise des Bedrohers teilen würden.
Hintergrund ist, daß die Person, die unter Klarnamen(!) auf Facebook(!) einem Politiker gedroht haben soll, auch Mitglied einer Telegram-Chatgruppe sei, in der Informationen über den wöchentlichen Lauf durch die Stadt ausgetauscht werden. Es ist aber davon auszugehen, daß es sich hier nur um einen Mitleser handelt und nicht um jemanden, der wesentlich an der Organisation beteiligt ist – andernfalls hätten wir das mit Sicherheit in dem Fischblatt schon lesen können.
In einem neulichen Artikel des Fischblatts stand zudem, daß diese Person genau dem gleichen Politiker schon einmal derart gedroht hat, daß dieser ihn angezeigt hat. Da das vor einem Jahr stattfand, kann das wohl nicht mit einer Impfpflicht und somit mit den Montagsdemonstrationen in Verbindung stehen. Offenbar hat die Person wohl schon länger ein »Problem« mit diesem Politiker. Um diese Schwachsinnslogik deutlich zu machen, bediene ich mich gerne eines einfachen Beispiels:
Man stelle sich vor, ein Massenmörder, Schlächter, Hannibal-Lecter-Typ erklärt öffentlich, er liebe Schokolade wahnsinnig. Macht mich als Liebhaber eben dieser Schokolade das dann auch zum (potentiellen) Massenmörder? Müßte ich deshalb mich von der Schokolade distanzieren, wäre es moralisch unvertretbar, sie weiter zu konsumieren? Wohl kaum.
Das Fischblatt schreibt weiter, der Politiker (von den Piraten übrigens, die scheint es tatsächlich noch zu geben…) würde pro Tag rund zehn »Haßnachrichten« bekommen, pro Woche zwei bis drei mit konkreten Bedrohungen. Das sind also rund 3.500 pro Jahr, mit mehr als 100 konkreten Bedrohungen. Und davon picken er und die Zeitung sich jetzt eine heraus und reiten darauf herum? War jetzt endlich mal eine passende dabei?
Da es ja nicht sein kann, daß nur die anderen Opfer sind, springen weiterer Politiker auf den Zug auf. Ein Politiker der »Partei« (diese Partei des mißlungenen Spaßes und der gepflegten Hetze gibt es offenbar auch noch) erklärt, auch er würde Morddrohungen bekommen, und die lokale SPD-Größe erklärt sich zum Anwalt der anderen beiden, hetzt gegen die Montagsdemonstranten in der Stadt und instrumentalisiert das auch noch gegen den relativ frisch und überraschend gewählten CDU-Bürgermeister – er würde keine Solidarität zeigen, er solle doch auf der Gegendemonstration auftreten (ob er das aufgrund der Neutralitätspflicht überhaupt darf, stelle ich mal hier in den Raum).
Bei der Gelegenheit fällt mir ein: Hat denn mal ein SPD-Politiker Solidarität mit einem AfD-Politiker gezeigt, dessen Auto abgefackelt wurde oder der von der Antifa krankenhausreif geschlagen wurde? Ich kann mich nicht erinnern. Und hat das Fischblatt mal bei den lokalen AfD-Politikern nachgefragt, was die denn so an Nachrichten bekommen? Das sind bestimmt nicht weniger in dieser Art, halt nur von einer anderen Klientel.
Und noch zu Morddrohungen: Irgendwo empfinde ich die Aufrufe zu einer Impfpflicht auch als Morddrohung. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer Zwangsimpfung plötzlich zwei Meter unter der Erdoberfläche zu liegen, sehe ich für mich höher, als daß einer dieser Politiker durch solch einen Volltrottel mit seiner großen Fresse das Zeitliche segnet.