TTIP/CETA-Demos: Ein großer Erfolg – oder auch nicht…
Ich war in Köln, und es war großartig. Während die Veranstalter bei der Anmeldung der Demo von 30.000 Demonstranten ausgingen, kamen wohl 55.000! Teilweise kamen im Osten und München wegen des schlechten Wetters weniger, aber in Summe laut Angaben der Veranstalter über 320.000 – also eine deutliche Steigerung gegenüber den 250.000 letztes Jahr in Berlin!
Aber die Berichterstattung in den Medien war unter aller Sau. Ich hatte heute sowohl die Tagesschau und die Tagesthemen im Propaganda-Sender Eins gesehen und habe vor Wut geschnaubt. Während die Tagesschau noch eine Gesamtzahl nannte (die weit unter den 320.000 lag), sprach Thomas Roth bei den Tagesthemen nur noch von Zehntausenden. Und während von den Gegnern nur ein paar Demonstranten zu Wort kamen, durften in beiden Sendungen professionelle Vertreter der Befürworter ihre Wischi-Waschi-Blend-Statements ablassen. Auch wurde seitens der Nachrichtenredaktion die Handelsabkommen wieder auf das Chlorhühnchen & Co. reduziert. Zu der massiven Unterwanderung der Demokratie durch Regulierungsgremien aus Industrievertretern, zur nachträglichen Änderbarkeit von CETA ohne parlamentarische Zustimmung durch die Parlamente, zur die Abschaffung des Vorsorgeprinzips – kein Sterbenswörtchen. Dagegen wurde ein Werbefuzzi zur Kampagne der Gegnerorganisationen befragt, und die Antwort suggerierte, daß die Demonstranten auf eine perfekt inszenierte Gegenkampagne hereinfallen würden! Soll das objektive Berichterstattung sein? Niemals!
Auch bei vielen Online-Medien sind die Meldungen zu den Demos gegen Mitternacht nur noch schwer zu finden, und vielfach wurde geschrieben, daß angeblich deutlich weniger als erwartet gekommen wären. Meist bezogen sich die Zahlen auf Schätzungen vom Mittag, während die Züge erst gegen 13 Uhr begannen.
Und daß zeitgleich in fünf Städten im kleinen Österreich gegen TTIP und CETA mit immerhin auch 25.000 Teilnehmern demonstriert wurde, findet nirgendwo Erwähnung in der deutschen Nachrichtenwelt.