7. Juli 2014
Juli 201407

Maut: Mit der CSU zurück ins Mittelalter

Da sind sie nun, die Pläne zur Maut. Seehofers unterwürfigster Diener Dobrindt hat heute geliefert. Dabei sind zwei neue Konzepte ans Tageslicht getreten, die bislang so nicht bekannt waren:

  1. Die Maut soll für alle Straßen gelten, also nicht nur für Autobahnen, und

  2. die Regelung ist in zwei Teile aufgeteilt, zum einen die Maut selber, zum anderen die Neuregelung der Kraftfahrzeugsteuer.

Beides sind Katastrophen, wobei ich für mich noch nicht entschieden habe, welche die größere dabei ist.

Daß die Maut für alle Straßen gelten soll, hat weitreichende Implikationen. Ziel war angeblich gewesen, daß sich kein Ausländer der Maut entziehen können soll, also zum Beispiel auf Bundesstraßen ausweichen kann. Was für den Durchreiseverkehr und den Verkehr tief nach Deutschland hinein irgendwo verständlich sein mag (wenn man von dem generellen Unsinn einer Maut mal absieht), wirft aber natürlich massive Probleme für den sogenannten »kleinen Grenzverkehr« auf. Ausländer aus Nachbargemeinden jenseits der Grenze, die mal kurz in den deutschen Baumarkt, Bäcker, Fleischer, Supermarkt wollen, brauchen plötzlich eine Eintrittskarte für Deutschland. Mit mindestens 10€ wird aus einer Spontanentscheidung eine wohlüberlegte Aktion – oder eben auch nicht.

Dadurch, daß Kommunal- und Landesstraßen nicht dem Bund gehören, wollen die Länder und Kommunen ihren Obulus verlangen. Der eh schon mickrige Topf müßte also viele Mäuler stopfen. Hinzu kommt wohl, daß der Bund den Ländern nicht vorschreiben darf, wie diese Gelder zu nutzen seien. Daß das an die Länder ausgezahlte Geld dann tatsächlich im Straßenbau landet, ist nicht gesichert und meiner bescheidenen Meinung nach – bei den ewig klammen Kassen – eher unwahrscheinlich. Damit wird aber auch gleich das Versprechen gebrochen, daß das Geld ausschließlich für den Straßenbau verwendet werden würde. Wobei dieses Versprechen sowieso nur Blendwerk ist, da der Bund leicht den geringen Anteil, der aus der Mineralöl- und Kfz-Steuer (fast 50 Milliarden Euro laut Bund der Steuerzahler!!!) in den Straßenbau fließt, weiter nach unten anpassen kann, sodaß selbst im Idealfall unterm Strich nicht mehr für die Straßen herauskommen könnte. Außerdem wird die Maut von Dobrindt jetzt als Infrastrukturabgabe bezeichnet. Nun, zur Infrastruktur gehören aber natürlich auch das Schienennetz, die Wasserstraßen und Flughäfen. Wenn der Begriff auch als Verwendungszweck so im Gesetz landen sollte, dann ist der mißbräuchlichen Verwendung Tür und Tor geöffnet – vielleicht für Stuttgart 21, den Berliner Flughafen oder den neuen Bahnhof in Hamburg…

Zuletzt schafft eine für alle Straßen geltende Maut einen Präzedenzfall. Soweit mir bekannt gibt es das in Europa und auch sonst auf der Welt nicht. Neben Maut für Autobahnen gibt es zwar noch welche für besondere Brücken und Tunnel, auch einige Städte (z.B. London) haben eine Maut eingeführt, um des Verkehrskollaps Herr zu werden, aber das hat wohl jeder als Sonderfälle betrachtet. Die vorgeschlagene Maut senkt die Hemmschwelle für neue Mautideen. Warum sollten nicht nur Staaten eine Maut einführen? Warum nicht einzelne Bundesländer, Regionen, Kreise oder Städte? Es ist der Anfang vom Rückfall ins Mittelalter, eine Wiederauflage der Wegelagerei. Das ist irgendwie diametral zu dem, was immer als Vision von einem freien und offenen Europa gepriesen wird, oder nicht?

Die Aufteilung in zwei Gesetze kann man als geschickten politischen Schachzug, ja, fast schon Gabelzug betrachten, zum Leidwesen der Bundesbürger. Das ganze ist ja ein Konstrukt, um einerseits dem Versprechen gegenüber den kleinkarierten, kindlich-naiven CSU-Wählern gerecht zu werden, daß nur Ausländer von der Maut betroffen sein würden, und andererseits der EU Genüge zu leisten, die eine Diskriminierung von Ausländern verbietet. Vorgeblich sind die beiden Gesetze voneinander unabhängig. Solle die EU – die ja nicht zu blöd ist zu erkennen, was da gespielt wird – dem aus irgendeinem Kalkül heraus dennoch zustimmen, so wäre die Bundesregierung später in der glücklichen Lage, das Mautgesetz zu ändern und die Maut zu erhöhen, die Kfz-Steuer aber unverändert zu belassen. Da diese – mit dem Segen der EU – ja bezugsfrei zur Maut wäre (bzw. sein müßte), dürfte es keinen Automatismus geben, welcher die Steuer weiter nach unten korrigiert und das Versprechen somit aufrecht läßt. Der deutsche Autofahrer zahlt damit auch mehr.

Sollte andererseits die EU den Zeigefinger in die Höhe reißen und Njet sagen, dann wäre vermutlich nur die Neuregelung der Kfz-Steuer betroffen, nicht aber das Gesetz für die Maut. Die Maut würde also weiter laufen, die Kompensation wäre dahin. Die Bundesregierung könnte dann auch noch so dreist sein und mit dem Finger auf die EU zeigen, und damit versuchen, den Zorn der Autofahrer dorthin zu lenken. Und so, wie ich die Deutschen mittlerweile einschätze, würde ihr das auch gelingen.

Also wenn die Maut mit diesem Doppelgesetz verabschiedet wird, kann die Bundesregierung gar nicht verlieren.

Heute sind ungewöhnlich viele Artikel dazu publiziert worden, deshalb liste ich sie mal einfach (fast) ohne Kommentar auf:

Spiegel

Frankfurter Allgemeine Zeitung

Süddeutsche Zeitung

Die Zeit

Stern

Beim Thema Verursachen und Gebühren ist noch viel Luft nach oben. Was dem Bund recht ist, sollte Kommunen billig sein. Warum nicht gleich auch noch eine Hamburg-, Stuttgart- und Berlin-Vignette? Und warum bei Kraftfahrzeugen stehen bleiben? Die öffentlichen Wege werden schließlich auch von Radfahrern und Fußgängern genutzt, ohne daß die einen Cent zum Erhalt beitragen?

Focus

3. Juli 2014
03

Dies & Das

Überwachung

Sonstige Politik

Gesellschaft und anderes

28. Juni 2014
Juni 201428

Dies & Das

26. Juni 2014
26

NSA hat doch Daten aus Deutschland abgezogen

Und zwar mit Hilfe des Bundesnachrichtendienstes. Die haben über Jahre Daten aus einem Internet-Verteilknoten in Frankfurt (höchstwahrscheinlich DE-CIX) abgeleitet und nahezu ungefiltert und in Rohform an die NSA weitergeleitet.

Preisfrage: Wer hat das damals genehmigt? Gehard Schröder und Frank-Walter Steinmeier. Wer hat uns verraten – Sozialdemokraten! Ich fordere hiermit den sofortigen Rücktritt von Steinmeier, diesem subversiven Element! Und für Schröder die Streichung sämtlicher Apanagen.

24. Juni 2014
24

Dies & Das

24. Juni 2014

Neues zu Snowden

Snowden und sein deutscher Anwalt haben erst einmal die Notbremse gezogen und dem Wunsch des Untersuchungsausschuß nach einem »informellen« Gespräch in Moskau eine Absage erteilt (Netzpolitik.org hat hierzu den Wortlaut des Schreibens).

Das ist meiner bescheidenen Meinung nach zwar eine schlechte Lösung, aber die bessere. Denn während dieses informelle Gespräch in Moskau als Vorgespräch angekündigt war, kann ich mir gut vorstellen, daß dahinter ein Plan stand, der weder im Interesse von Snowden noch im Interesse von uns Bürgern war – zum Beispiel, ihn in irgendeiner Form zu diskreditieren oder Gründe zu erfinden, warum eine offizielle Befragung nicht durchzuführen sei. Es bliebe vermutlich bei dieser Alibi-Veranstaltung.

Hinzu kommt, daß der Ausschuß und die Bundesregierung offenbar zu keinerlei Gegenleistung bereit sind. Das ist natürlich entlarvend, denn wären sie wirklich an einer Aufklärung interessiert, dann würde man sich auch etwas einfallen lassen.

In einem anderen Kontext äußerte Snowden auch seine Verwunderung über das Verhalten Deutschlands. Ihm ist offenbar noch nicht klar, daß die Niedertracht der deutschen Politiker der der amerikanischen in nichts nachsteht. Bitter muß für ihn wohl auch sein, daß sich seine Erwartungen nicht erfüllt haben:

»Ich war felsenfest der Überzeugung, daß, wenn die Öffentlichkeit davon erfährt, die Programme nicht fortbestehen würden. Diese waren nicht nur ungesetzlich, sondern auch unmoralisch. Selbst wenn sie in wenigen Fällen wirksam wären, würden sie trotzdem abgelehnt, so, wie wir Folter ablehnen.«

Ich bin immer noch unentschieden, was am Ende herauskommen wird. Es gärt unter der Oberfläche, aber der Druck der Gesellschaften weltweit ist bislang noch nicht groß genug gewesen, um diesem Spuk ein Ende zu bereiten. Der Überwachungsskandal alleine würde auch im Sande verlaufen. Aber es gibt ja noch viele andere Angelegenheiten, die die Bürger immer weniger bereit sind zu tolerieren. Da fallen mir spontan die völlig verfehlte Geldpolitik in Europa, die Entdemokratisierung und Zentralisierung durch den EU-Apparat, die Entrechtung durch Abkommen wie TTIP, CETA oder TISA oder die Zerstörung der Lebensgrundlagen durch »grüne« Gentechnik oder Fracking ein. Vielleicht kocht der Topf doch mal über…

19. Juni 2014
19

Dies & Das

Überwachung

Netzneutralität

Politik

Sonstiges

15. Juni 2014
15

Dies & Das

Datenschutz/Überwachung/Snowden

Anderes

12. Juni 2014
12

Die EU fest im Griff der Gen-Food-Lobby

Der Spiegel hat heute zwei Artikel zu den Gen-Food in der EU veröffentlicht. Bei dem ersten Artikel geht es um Pläne, den Mitgliedsstaaten den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen leichter verbieten zu lassen, eine Art Opt-Out. Das klingt erst einmal gut, ist es aber nicht. Denn die geplante Regelung hat zwei gewaltige Pferdefüße:

Erstens gibt die Neuregelung dem verbietenden Mitgliedsstaat keinerlei Rechtssicherheit, zumindest aus Sicht der Kritiker. Das Gentechnik-Unternehmen, sagen wir mal Monsanto, kann also eventuell dagegen vorgehen. Zudem sei noch eine Regelung in der Diskussion, nach der die Gentechnik-Firmen dem Verbot zustimmen müßten! Das erinnert mich an das geplante Abstimmungsrecht beim TTIP.

Zweitens soll ein Land, das von dem Verbotsrecht Gebrauch macht, das Recht verlieren, in der EU gegen die generelle Zulassung einer gentechnisch veränderten Pflanzenart zu votieren! Beim Schach würde man das jetzt Gabelzug nennen – egal, wie sich ein Land entschiede, die Gentechnik-Firmen gewönnen immer.

Ein zweiter Artikel beleuchtet die Lobbystrategie der Gentechnik-Firmen und kommt zu dem erschreckenden Erkenntnis, daß die Eurokraten nahezu genau das machen, was die Lobbyisten von ihnen wollen. Es geht denen also am Allerwertesten vorbei, was die europäischen Bürger wollen – halt die beste Regierung, die man für Geld kaufen kann.

Bei Greenpeace finden sich auch noch Informationen dazu.

Daß das noch schlimmer geht, zeigt die USA. Ich bin darauf gestoßen, als ich einen Kommentar im Spiegel-Forum fand. Eine kleine Recherche läßt zwar vermuten, daß bei dem Autor das etwas durcheinander geraten ist, nichtsdestotrotz ist die Geschichte erwähnenswert:

Obama hatte im Mai 2013 ein Gesetz unterzeichnet, das spöttisch als Monsanto Protection Act bezeichnet wurde. Damit hätten die Gentechnik-Firmen selbst dann ihren Gen-Müll weiter produzieren und verkaufen dürfen, wenn wissenschaftlich der Nachweis erbracht worden wäre, daß das Zeug zu Krankheiten, Krebs, Erbgutschädigungen usw. beim Menschen führt. Eingebracht wurde das Gesetz von einem Senator namens Roy Blunt, der nachweislich Spendengelder in fünfstelliger Höhe von Monsanto erhalten hat.

Dies ging jedoch selbst den Amerikanern zu weit. Bei Radio Utopie fand ich einen Artikel, daß sich ein massiver Protest in den USA aufgebaut hatte, sodaß bei der notwendigen Verlängerung des Gesetzes der Senat die Zustimmung verweigerte (im Gegensatz zu uns werden in den USA häufig Gesetze mit beschränkter Laufzeit verabschiedet, die dann regelmäßig verlängert werden).

Diese Geschichte sollte doch auch dem letzten die Augen öffnen, wieviel kriminelle Energie und Morallosigkeit diese verabscheuungswürdige Gentechnik-Bande hat.

9. Juni 2014
09

Dies & Das

Snowden

Was ich bei dieser Gelegenheit mal loswerden muß: Ich finde die Arroganz der Politiker zum Kotzen: Ich lese immer wieder: Snowden oder Greenwood werden vorgeladen, es werden diverse Forderungen gestellt (wie in dem Interview auch), man erwartet usw. Bitte, was ist Eure Gegenleistung, Ihr Drecksäcke? Ein feuchter Händedruck? Die sind Euch nichts schuldig, nein, Ihr seid denen (und uns) etwas schuldig.

Anderes