5. Juni 2014
Juni 201405

Dies & Das

5. Juni 2014

TTIP: Neues Instrument zur Unterwanderung der Demokratie geplant

Es ist schon länger bekannt, daß durch TTIP sogenannte Schiedsgerichte eingerichtet werden sollen, die Unternehmen erlauben, Staaten auf millionen- oder gar milliardenschweren Schadenersatz für fiktive Gewinne zu verklagen, wenn neue Gesetzgebungen (zum Beispiel zum Umwelt- oder Verbraucherschutz) die »Business-Modelle« durchkreuzen. Das Problematische daran ist – neben der potentiellen Willkür, Staatsferne und Industrienähe dieser Schiedsgerichte –, daß sich Staaten in ihrer Souveränität und Demokratie beschneiden lassen, in dem sie von vorneherein auf Gesetzesinitiativen verzichten, die mit einem gewissen Klagerisiko verbunden sein könnten.

Das reicht den Leuten, die hinter TTIP stehen, offenbar nicht, wie die Zeit jetzt berichtet.

Demnach soll mit TTIP ein sogenanntes »Regulatory Cooperation Council« (RCC), zu deutsch »Rat zur regulatorischen Kooperation«, eingeführt werden. Diesem aus Wirtschaftsvertretern (d.h. Lobbyisten) bestehenden Gremium sollen nicht nur Gesetzesinitiativen der EU und der US-amerikanischen Regierung vorgelegt werden, nein, sie sollen sogar mit ihnen abgestimmt werden. Und das, bevor irgendein Abgeordneter überhaupt Details erfährt – seien es Abgeordnete von der EU, den nationalen europäischen Parlamenten, oder – in den USA – vom Kongreß oder denen der Bundesstaaten. Die Zeit betitelt das zu recht als Demokratie-Outsourcing und gibt ein Beispiel:

Würde in der EU etwa an einem europaweiten Gesetz zum Verbot von Fracking gearbeitet, könnte sich der neue Rat früh einschalten und die entsprechenden Wirtschaftsvertreter informieren. Noch bevor ein Parlament den Gesetzesvorschlag sähe, könnten im Kooperationsrat RCC die Auswirkungen auf Industrie und Handel besprochen und mögliche Änderungswünsche beschlossen werden.

Was für eine Sauerei, oder?

29. Mai 2014
Mai 201429

Dies & Das – alles muß raus!

Ich muß mal ein bißchen aufräumen. Darum sind auch ein paar nicht mehr so ganz taufrische Meldungen dabei. Die hatten es bislang noch nicht in den Blog geschafft, aber ich wollte sie andererseits auch nicht einfach wegschmeißen.

NSA – Snowden

In den USA ist gestern ein Interview des Senders NBC mit Edward Snowden ausgestrahlt worden. Der FAZ-Artikel zeigt das blamable Verhalten der US-amerikanischen Regierung in dieser Sache auf.

NSA – deutsche Aufarbeitung

NSA – China

Wie schon berichtet, haben die USA fünf Mitarbeiter chinesischer Geheimdienste wegen Spionage angeklagt. Wie vermutet, lassen die Chinesen nicht unbeantwortet. Zuerst forderten sie die Rücknahme der Anklagen, dann erließen sie Sanktionen gegen US-Firmen und jüngst warfen sie den USA Menschenrechtsverletzungen und Förderung von Feindseligkeiten im Internet vor.

Anderes zu Internet und Datenschutz

Sonstiges

26. Mai 2014
26

Wahl-Nachlese

24. Mai 2014
24

EU: Bitte nicht wählen!

Nein, ich meine natürlich nicht, nicht zur Wahl zu gehen. Solange die Wahl als solche eine echte ist, sollte man wählen gehen. Auch wenn man – wie ich – die Organisation dahinter ablehnt. Da in den allermeisten Wahlverfahren die Nichtwähler nicht berücksichtigt werden (außer evtl. für ein notwendiges Quorum), gilt: Wer nicht wählt, stimmt nicht dagegen, sondern unterstützt den Wahlsieger.

Was ich meine: Bitte nicht CDU, CSU oder SPD wählen!

Denn wer CDU/CSU wählt, der sollte wissen, für was sie stehen:

Und wer die SPD wählt, der bekommt:

Die Grünen sind übrigens auch nicht wesentlich besser, ich wollte jetzt aber für die nicht eine explizite Nichtwahl-Empfehlung abgeben. Sie würden am liebsten die Bundesrepublik auflösen und sich ganz in die Arme der EU ergeben – etwas, was wohl keine andere Partei in irgendeinem EU-Land will, nebenbei bemerkt. Wenigstens bei der Gentechnik und Bürgerrechten haben sie ein bißchen mehr zu bieten.

22. Mai 2014
22

Endspurt zur Wahl des sog. EU-Parlaments

Wohl in der Angst, die EU-kritischen Parteien könnten Unruhe in das wohlige Geflecht aus Geben und Nehmen zwischen den Medien und etablierten Parteien bringen, wird hier und da die Propaganda-Maschinerie nochmal auf Hochtouren gebracht.

So zum Beispiel beim Stern. Der bemüht sich zu erklären, daß die bösen Vorschriften doch gar nicht von der EU kämen. Das stimmt natürlich hinten und vorne nicht! Es mag zwar sein, daß das total bescheuerte Glühlampenverbot von dem dicken Gabriel der EU vorgeschlagen wurde, nachdem er das von den auf dem Kopf stehenden Australiern abgeschaut hatte (ein Grund mehr, nicht die SPD zu wählen), oder daß die Gurkenverordnung von der Industrie gewünscht wurde. Dadurch aber, daß die EU das aber mit Mehrheiten beschlossen und umgesetzt hat, muß sie sich diesen Mist anrechnen lassen. Von wem dann die Idee ursprünglich stammte, ist letztendlich völlig egal!

Und daß das Ölkännchenverbot nicht gekommen ist, ist ja kein Verdienst des Europaparlaments, denn ohne den massiven öffentlichen Druck dagegen hätten sie es natürlich durchgewinkt. Ebenso muß sie die wahnsinnige Regelungswut anrechnen lassen. Wieviel millionstel Prozent des Gesamtverbrauchs an Energie werden denn durch das neue Verbot von Kaffeemaschinen, die die Warmhaltefunktion nicht zeitlich beschränken, gespart? Hat die EU für diesen Beschluß nicht selber schon mehr Energie verbraucht, als damit in tausend Jahren eingespart wird?

Auch die FAZ macht bei dem Spielchen mit. In einem langen Artikel versucht sie zu erklären, wie die EU-Bürokratie funktioniert, wie toll sie doch ist und mit welch schwierigen Problemen sie zu kämpfen habe. Zum Abschluß folgt dann noch die Aussage, daß mit der Wahl von EU-kritischen Parteien ja alles noch viel schlimmer werde. Mir kommen die Tränen!

Natürlich wollen die Politiker sich selber und ihren Brötchengeber auch noch ins rechte Licht rücken. So zum Beispiel der EU-Handelskommissar Karel De Gucht, der seitens der EU die TTIP-Verhandlungen leitet. In der Zeit heuchelt er herum und versucht, Nebelkerzen zu werfen.

Ebenso will Merkel noch schnell in der rechten Ecke auf Stimmenfang gehen und macht den Seehofer nach.

Auf der anderen Seite gibt es aber auch weiterhin kritische Artikel. So beleuchtet der Focus, wie sich der Sozialisten-Kandidat Schulz sich die Taschen vollstopft.

Ein weiterer Artikel des Focus bespricht ein Buch mit dem Titel »Grüne Lügen«, das sich mit der Umweltpolitik der Grünen beschäftigt. Die These ist, daß die Grünen aus parteitaktischen Gründen die falschen Ziele verfolgen und damit der Umwelt mehr schaden als helfen. Zwar hat der Artikel nichts mit der EU als solches zu tun, erscheint aber bestimmt nicht zufällig jetzt gerade.

Der von mir nicht sonderlich geliebte Jan Fleischhauer hinterfragt im Spiegel, was das noch viel mit Demokratie zu tun hat, wenn Juncker und Schulz mehr oder weniger die gleichen Positionen vertreten. Nun ja, wir Deutsche kennen das ja schon mit CDU und SPD im allgemeinen und bezüglich EU-Politik gibt es seit Jahrzehnten schon das Kartell aus CDU, CSU, SPD, FDP und Grünen. Also alles nichts neues.

19. Mai 2014
19

Dies & Das

16. Mai 2014
16

Dies & Das

15. Mai 2014
15

Firefox unterstützt DRM

Schlechte Nachrichten für alle Freunde des offenen Internets: Mozilla hat sich dazu entschlossen, wie alle anderen Browser-Hersteller auch, den neuen Standard des ebenfalls umgefallenen W3C zur Integration von DRM-Technologien in HTML 5 im Firefox umzusetzen. (Original-Meldung Mozilla/technische Beschreibung, Ars Technica, Heise.de)

Mozilla versucht, bei der Implementierung die ganze DRM-Scheiße aus dem eigentlichen Browser herauszuhalten: Einerseits will sie die DRM-Software aus dem Browser auslagern und in einer sogenannten Sandbox laufen lassen, die diese Software von Firefox und auch vom Betriebsystem trennt. Andererseits will sie die Entwicklung der DRM-Software nicht selber durchführen, sondern es Adobe überlassen, die auf diesem Gebiet ja auch sehr aktiv sind. Letzteres muß sie auch, denn DRM-Software läßt sich konzeptionell nicht als Open-Source-Software entwickeln (da sie zwangsweise mit Geheimnissen arbeiten muß). Auch solle die DRM-Software standardmäßig nicht mitinstalliert werden, sondern Firefox würde sie erst bei Bedarf und nach Benutzerbestätigung von Adobe herunterladen und installieren.

Mozilla glaubt, das machen zu müssen, weil sonst ihr Browser vom Markt gedrängt werden würde: Video-Streaming von DRM-geschützten Hollywood-Müll sei die Internet-Anwendung der Zeit schlechthin geworden, und wenn der Dumm-User das nicht anschauen könne, dann würde er zu anderen Browsern wechseln und nicht mehr zurückkommen.

Falsche Signale

Die Art und Weise, wie Mozilla den DRM-Müll integrieren will und damit sicherstellen will, daß Firefox weiterhin Open Source sein kann, mag zwar ehrenhaft sein, aber das kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die DRM-Unterstützung falsche Signale aussendet:

Erstens ist das ein Signal an die Content-Industrie, daß sie gewonnen haben, daß DRM etabliert ist, daß der Nutzer letztendlich DRM und alle damit verbundenen Nachteile akzeptiert habe, daß man Leute und Firmen von Alternativlosigkeiten, die so garnicht bestehen, überzeugen kann und ihnen das Zepter aus der Hand reißen kann (keiner will es, aber alle machen es, weil es angeblich alle machen).

Zweitens ist das ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die Firefox gerade deshalb nutzen, weil er bislang für ein Internet der offenen Standards und der Freiheit der Information stand. Wenn das für Mozilla nun jetzt nur noch zweitrangig ist und die Unterstützung des kruden Geschäftsmodells hinter DRM vorrangig ist, dann fällt für die nun ein gewichtiges Alleinstellungsmerkmal weg, warum sie ihn weiter nutzen sollten. Er ist dann nur noch ein Browser unter vielen, und Googles Chrome, Apples Safari oder Microsofts Internet Explorer sind technisch und vom Komfort nicht unbedingt schlechtere Browser. Ob sich letztendlich mit der Entscheidung die Nutzerzahlen halten oder gar verbessern lassen, ist daher fraglich.

Es wäre schön, wenn sich im Internet ein Momentum aufbaut, um Mozilla von dieser Idee wieder abzubringen und sie an die Werte, denen sich Mozilla einst verpflichtet fühlte, zu erinnern. Bei der Angelegenheit um Mozillas CEO Brendan Eich hatte es funktioniert. Allerdings habe ich meine Zweifel, daß von den Massen die Offenheit des Internets genauso hoch geschätzt wird wie anscheinend das grenzenlose Ausleben sexueller Orientierungen.

Lesenswerte Kritik zu dem Thema:

13. Mai 2014
13

Dies & Das