7. April 2014
April 201407

Bundesregierung will Demokratie unterwandern

Wer ein bißchen in der Schule aufgepaßt hat, weiß, daß die repräsentative Demokratie nicht allein aus dem aktiven und passiven Wahlrecht besteht, sondern daß auch die Gewaltenteilung ein wesentliches Merkmal ist. Die Macht soll geteilt sein, die legislative, judikative und exekutive Gewalt sollen sich gegenseitig in Schranken halten und somit dafür sorgen, daß die Demokratie auch eine Demokratie bleibt. Im Englischen gibt es dazu den schönen Begriff Checks and Balances.

Wer glaubt, in unserer Regierung gäbe es nur lupenreine Demokraten (nicht nach Schröders Definition), der sollte sowieso mal zum Doktor gehen, aber für den gibt es jetzt mal wieder eine Möglichkeit zur Selbstdiagnose:

Die Zwangsdemokraten de Maizière und Schäuble – sicher mit Rückendeckung der Staatsratsvorsitzenden Merkel – haben sich laut FAZ mit Staatsrechtlern getroffen, um dem dank EU-Verträgen eh schon schwächelnden Bundesverfassungsgericht den Garaus zu machen. Anlaß sind die Urteile zu der Hürde für Parteien bei der EU-Parlamentswahl, bei dem die Regierung und das Parlament in ihre Schranken gewiesen wurden. Diesen in ihren Augen Affront wollen die Regierigen nicht so einfach hinnehmen und die Einflußnahme für die Zukunft am liebsten eliminieren.

In diesem Zusammenhang bin ich übrigens auf eine interessante Bemerkung bei Wikipedia gestoßen. Demnach sind wir jetzt schon lange von dem Ideal der Gewaltenteilung entfernt.

2. April 2014
02

Toleranz ist keine Einbahnstraße

Mozilla, der Entwickler des Open-Source-Browsers Firefox, sieht sich gerade im Shitstorm der Gender-Politisch-Korrekten. Hintergrund ist, daß die Meute herausgefunden hat, daß der Erfinder von JavaScript, langjährige Mitarbeiter und neugewählte CEO von Mozilla, Brandon Eich, vor ein paar Jahren zweimal 1000 Dollar an die Organisatoren einer Volksabstimmung gegen die gleichgeschlechtliche Ehe in Kalifornien gespendet hat. Daraus baut man jetzt einen Homophobie-Vorwurf und verlangt die Absetzung. Das ist doch sehr an den Haaren herbeigezogen. Was, bitteschön, hat denn eine Ablehnung der Homo-Ehe mit einer Angst vor Homosexuellen zu tun, was seine private Meinung, die er offenbar für sich behalten hat, mit dem Unternehmen?

Ich finde es schon sehr bedenklich, daß hier eine kleine Minderheit (ich habe mal von Schätzungen von maximal 5% Homosexueller in der Bevölkerung gelesen) für sich Toleranz über allem Maße in Anspruch nimmt, selber aber zusammen mit all den heterosexuellen Gutmenschen mittels ihrer Meinungsdiktatur die Soziale Todesstrafe über jeden verhängt, der ihnen nicht in allen Punkten zustimmt. Damit sind sie in ihrem Verhalten gar nicht so weit weg von den Islamisten, die jeden Vorteil unserer Demokratie und unseres Sozialstaats ausnutzen wollen, aber gleichzeitig jeden »Ungläubigen« wegbomben möchten.

Statt den Herauswurf von Eich zu fordern, sollte die Meute lieber Unterschriften für den Herauswurf von dem Mozilla-Mitarbeiter Eric Rescoria sammeln. Der hat in seinem früheren Job bei RSA dafür gesorgt, daß in einem Verschlüsselungsalgorithmus im Auftrag der NSA eine Hintertür eingebaut wurde. Das besonders Schlimme dabei ist, daß er auch bei Mozilla noch für Verschlüsselungsalgorithmen (im Bereich SSL/TLS) zuständig ist. DAS ist unhaltbar!

Ergänzung (4.4.2014): Die Meute hat gewonnen, Brandon Eich ist zurückgetreten.

Ergänzung (7.4.2014): Gerade mal 10 von rund 1000 Mozilla-Entwicklern haben sich negativ zu Eich geäußert, wobei keiner von ihnen ihn persönlich kennt. Auch ist herausgekommen, daß einer der Gründer der Dating-Plattform, die den Protest gegen Eich initiiert und gefördert hat, selbst $500 an einen erzkonservativen und bekannt homosexuellen-hassenden republikanischen Abgeordneten gespendet hat…

2. April 2014

Auf der nach unten offenen Skala

Wenn man glaubte, man habe schon das unterste Niveau in Sachen USA-Geheimdienste erreicht, dann kommt bestimmt eine Meldung, die das Niveau noch unterbietet.

Vor ein paar Wochen war entdeckt worden, daß die CIA einen Ausschuß des US-Senats bespitzelte, der gerade einen Bericht über sie anfertigte. Jetzt ist ans Tageslicht gekommen, was in diesem Bericht drinsteht. Wie Spiegel und Heise berichten, hat die CIA die amerikanische Regierung massiv über das Folterprogramm belogen. Erfolge wurden übertrieben, das Ausmaß und Art und Weise der Folterungen untertrieben.

Ähnlich mußte die NSA nun zugeben, daß sie natürlich auch gezielt US-amerikanische Bürger ohne richterlichen Beschluß ausgeschnüffelt haben. Siehe dazu Slashdot und Heise. Interessant ist auch die im Heise-Artikel erwähnte Argumentationslinie: Das Sammeln von Daten ist deren Meinung noch keine Überwachung, und daher legal. Aber wenn das Sammeln legal ist, dann muß doch auch das Suchen darin legal sein.

Überrascht? Nicht wirklich. Die amerikanischen Geheimdienste glauben, über allem zu stehen. Deshalb sind auch die Rechtfertigungen so dürftig.

Unter diesem Gesichtspunkt ist es natürlich höchstgradig naiv zu glauben, daß das Terrornetzwerk NSA in Erwägung ziehen könnte, den Fragenkatalog der Bundesregierung zu beantworten. Da passiert absolut nichts (Heise & Netzpolitik.org). Na ja, so wirklich scheint zumindest die Große Koalition auch nicht interessiert zu sein. Im frisch gegründeten Untersuchungsausschuß bremst sie erst einmal aus, wie die Süddeutsche Zeitung gerade berichtet.

1. April 2014
01

EU will April-Scherze verbieten

Eine zehnköpfige Arbeitsgruppe der europäischen Statistikbehörde Eurostat ist nach einer dreimonatigen Studie zu dem Ergebnis gekommen, daß die in Europa weitverbreiteten Scherze am 1. April jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden zuletzt von rund 530 Millionen Euro verursachten, Tendenz steigend. Einerseits investierten viele Firmen, insbesonders Medien wie Zeitungen, Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen erhebliche Ressourcen in die Erstellung von April-Scherzen, andererseits seien am 1. April viele Arbeitnehmer von ihrer Arbeit abgelenkt, da sie im Internet, Zeitschriften und Zeitungen nach Scherzen suchten, oder, falls gefunden, diese mit ihren Kollegen austauschten. Dies führe auch zu einem meßbaren Anstieg des Unfallrisikos an diesem Tag – die durch die krankheitsbedingten Ausfälle und durch Heilung entstehenden Kosten seien mit in die Berechnungen eingeflossen. Weitere Kosten entstünden bei den Opfern der April-Scherze, z.B. durch Nachfragen von Personen, die die Scherze als solche nicht erkannten.

Dies nimmt nun die Europäische Kommission zum Anlaß, Mittel und Wege zu finden, dieses kostspielige Brauchtum abzuschaffen, das auch durch seine häufige Subversivität bei den Mächtigen in der Kritik steht. Die Kommissare für Inneres, Cecilia Malmström, für Unternehmen und Industrie, Antonio Tajani, sowie für Beschäftigung, soziale Angelegenheiten und Chancengleichheit, László Andor, planen dazu eine neue Richtlinie. Sie soll die EU-Mitgliedsländer bereits ab 2015 dazu verpflichten, eine Vergnügungssteuer von anfangs 10 Cent pro potentiellen Rezipienten zu erheben, zu zahlen von den Initiatoren und Verbreitern der April-Scherze. Bis 2025 soll diese Steuer schrittweise auf 4€ angehoben werden. Damit soll, ähnlich wie beim Tabakkonsum, ein Abgewöhnungseffekt eintreten. Für das Internet sei auch eine Überwachung von Webseiten und des E-Mail-Verkehrs vorgesehen, so Malmström, damit die April-Scherze nicht in den digitalen Untergrund abwandern könnten. Datenschutzrechtliche Bedenken gebe es nicht, die Kommissarin für Justiz und Grundrechte, Viviane Reding, habe auch schon ihr Placet dazu gegeben.

29. März 2014
März 201429

Constantin Film

Wo bleiben der Shit Storm und die Boykottaufrufe, wenn man sie braucht? Constantin Film, also das deutsche Unternehmen, das die treibende Kraft hinter dem EuGH-Urteil ist, welches Internetsperren bei Urheberrechtsverletzungen ermöglicht (wie hier im Blog berichtet), will laut einem Golem-Bericht das Thema jetzt durch die deutschen Gerichte treiben, damit in Deutschland nicht nur theoretisch das Sperren möglich ist, sondern damit wir auch tatsächlich eine Zensur-Infrastruktur bekommen. Was sind das eigentlich für widerliche Parasiten? Das Gebaren solch eines Unternehmens erinnert mich an die Unterstützung Hitlers durch die deutsche Großindustrie: Man geht über Leichen, wenn es nur einem nutzt; Grundideen der freien Gesellschaft werden torpediert, weil man den Rachen einfach nicht vollkriegen kann.

27. März 2014
27

Dies & Das

Also was ist de wahre Grund? Als Verschwörungstheoretiker kenne ich die Antwort: Nach dem Recht auf ein Bankkonto kommt die Pflicht, dann folgt die Abschaffung des Bargelds, und wir Bürger sind endgültig in den Klauen der Banken sowie des Überwachungs- und Enteignungsstaats.

Hier gibt es übrigens eine Übersicht über die verschiedenen Klagen gegen die Rundfunkabgabe.

27. März 2014

EU: Grundstein zur Internet-Zensur gelegt

Ja, was regen sich die Welt und insbesonders die Europäer über Erdoğan auf, weil er erst Twitter und jetzt YouTube sperrt. Und was macht der sogenannte Europäische Gerichtshof, dieses Pseudogericht und Rechtfertigungsinstrument der EU-Diktatoren? Er erlaubt im Prinzip genau das: Internet-Zugangsprovider können gezwungen werden, den Zugriff auf bestimmte Inhalte zu verhindern (weitere Quellen: Heise, Golem, Zeit).

Noch allerdings gibt es qualitative Unterschiede: Es geht nicht um politische Themen, nicht um (beschränkte) moralische Vorstellungen, nicht um Sex, Drogen und Pornographie, sondern »nur« um Urheberrechtsverletzungen, also um Schäden der Wirtschaft – das goldene Kalb der EU, dem sich alles andere unterzuordnen hat. Auch wurden einige Hürden gesetzt – es dürfe keine Kollateralschäden geben, die Sperrmethode müsse verhältnismäßig sein. Die Höhen dieser Hürden liegen aber im Auge des Betrachters, oder besser, im Auge des Richters, der darüber zu entscheiden hat. Und hat erstmal ein Richter eine Sperrmethode für akzeptabel gefunden (vermutlich ohne Verstand der dahinterstehenden Technik) und alle nennenswerten Provider verpflichtet, diese einzuführen, ist die Zensurinfrastruktur da.

Es wird dann nur eine Frage von Wochen sein, bis die erzkonservativen Saubermänner die Fährte aufnehmen und sich von so einem Urteil in ihren Zensurphantasien beflügeln lassen, ob nun in den Bereichen Kinderpornographie, Antisemitismus, politischer und religiöser Extremismus (wie umfangreich der dann auch immer definiert wird), Kinder- und Jugendschutz (da gibt es zur Zeit ja auch wider neue Bemühungen, wie berichtet) bis hin zu Persönlichkeitsrechten von Promis und Politikern (wo wir dann wieder bei Erdoğan wären) und so weiter und so fort.

Die ganze Mühe, die die Verfechter des freien Internets in die Überzeugung der Politiker von dem Ansatz »Löschen statt Sperren«, der ja nicht nur bei Kinderpornographie Wirkung zeigt, gesteckt haben, ist also dahin. Was kann man machen? Vieles, z.B. das, was im verlinkten Artikel steht, auf die Demos gehen (z.B. am 12. April in Köln), nicht die CDU/CSU/SPD/FDP bei der EP-Wahl wählen, sondern besser Grüne/Piraten/AfD. Bringt es etwas? Eher nicht, aber mehr, als sich mit seinem Schicksal abzufinden.

23. März 2014
23

Dies & Das

20. März 2014
20

Dies & Das

Überwachung

Ernährung

Der Spiegel berichtet, daß viele Geflügelzüchter, speziell aber Wiesenhof und Rothkötter, aufgrund des Preiskampfes ihr Geflügel nur noch mit billigem Gen-Soja füttern wollen. Der zugehörige Verband argumentiert laut den Kritikern mit falschen Gründen – es gäbe auf dem Markt zu wenig gentechnikfreies Soja und dieses sei zudem zu stark mit Gen-Soja verunreinigt.

TTIP

Das Attac-Netzwerk hat eine Unterschriftenaktion gegen TTIP gestartet und dazu ein tolles Aufklärungsvideo produziert. Anschauen, mitmachen, verbreiten!

Der nicht zuordbare Rest…

18. März 2014
18

Dies & Das