7. Februar 2014
Februar 201407

Frei nach Sarazin: Das Bundesverfassungsgericht schafft sich ab

Für die noch ausstehende Entscheidung im Prozeß um den ESM (der ja als solcher durchgewunken wurde), bei der es um die Kompetenzen der Europäischen Zentralbank (EZB) geht, hat das Bundesverfassungsgericht einen Verkündungstermin veröffentlicht (hier Meldung der FAZ). Der eigentliche Hammer ist jedoch, daß das Gericht den Europäischen Gerichtshof anrufen will. Damit zieht das Bundesverfassungsgericht endgültig den Schwanz ein und definiert sich weg. Ich habe noch so große Sprüche im Ohr, daß sich das Gericht als letzte Instanz sieht und als letzte Bastion des Grundgesetzes. Pustekuchen, das war jetzt einmal.

Die Kommentare dazu in der FAZ, »Die Angst der Verfassungsrichter«, und in der Zeit, »Karlsruhe drückt sich« sind entsprechend, natürlich auch von den Klägern, »Das Verfassungsgericht hat de facto abgedankt«.

Besonders kritisiert wird, daß zwar das Bundesverfassungsgericht eine negative Bewertung getroffen hat, diese aber durch die Weitergabe des Verfahrens an den EuGH praktisch bedeutungs- und wirkungslos ist, da alle davon ausgehen, daß der EuGH das wie üblich völlig anders sehen wird: der EuGH wird ja als gnadenlose Triebfeder der sog. »europäischen Integration« betrachtet, frei nach dem Motto »EU geht vor«.

Ähnlich schlimm sind die Mindermeinungen zweier Richter: die Klage hätte abgewiesen werden müssen, da das Gericht im Erfolgsfall der Regierung bzw. dem Bundestag »positive Handlungspflichten« aufzuerlegen hätte. Das geht in unserer sogenannten »Demokratie« natürlich gar nicht. Der gemeine Bürger müsse sich mit dem zufrieden geben, was Bundestag und -regierung für richtig halten.

7. Februar 2014

Dies & Das

6. Februar 2014
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5. Februar 2014
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Die Politik zeigt mal wieder ihre wahre Fratze

Man hat’s geahnt, es wäre ja auch mal eine Überraschung gewesen. Natürlich hat die Bundesregierung auf taub gestellt und jeglichen Protest, zum Beispiel die 175.000 Unterschriften, die Campact in zwei Tagen gesammelt hat, ignoriert, und entschieden, sich bei der EU-Gen-Mais-Abstimmung zu enthalten, was faktisch einer Zustimmung entspricht. (Meldungen z.B. bei Campact, BUND, Zeit, Spiegel).

Sie haben nicht nur die 80% der Bürger ignoriert, sie haben auch ihren eigenen Koalitionsvertrag verraten, in dem sie versprachen, eben genau diese 80% nicht zu ignorieren.

Antidemokraten bei CDU/CSU

Dabei ist keine Partei besser als die andere. Bei der CDU/CSU herrscht, so wie ich das mal gelesen habe, mehrheitlich die Ansicht, daß mit der Wahl die Souveränität vom Bürger auf den Abgeordneten übergeht (es gibt wohl eine umstrittene Staatsrechtstheorie dazu). Deshalb haben die auch keine Probleme damit, etwas anderes zu machen, als sie vorher versprochen haben; sie fühlen sich nicht rechenschaftspflichtig. So kann man sich auch ziemlich unbeschwert nach den Lobbyisten oder den »amerikanischen Freunden« ausrichten und den Wählern den blanken Hintern zeigen.

Umfaller-/Verräterpartei SPD

Wie die SPD es mit der Souveränität hält, weiß ich nicht. Auf jeden Fall fährt sie ihre übliche Verräterstrategie. Bis kurz vor knapp wird behauptet, man sei ja voll dagegen, und man wird dafür sorgen, daß auch so entschieden wird. Und dann kommt die 180°-Wende und sie fallen ihren Wählern in den Rücken. Natürlich werden hinterher irgendwelche gewichtigen Scheinargumente gebracht, warum es so sein mußte. So hat zum Beispiel der Abgeordnete Stefan Zierke bei der letzten Bundestagsentscheidung für den Gen-Mais abgestimmt, obwohl er ein nach eigener Aussage ein Gegner sei. Die Begründung ist, daß ihm der Koalitionsfriede wichtiger sei!!! Zitat:

Im Gegensatz zu den Unionsparteien, hat die SPD bei den Koalitionsverhandlungen auf eine klare Linie im Umgang mit Grüner Gentechnik gepocht, da wir die enormen Vorbehalte der Bevölkerung kennen und auch selbst teilen.

Ja, ganz toll, und, was hat es genutzt, Du Dummschwätzer?

Mein Abstimmungsverhalten steht für den verantwortungsvollen Umgang zwischen Koalitionspartnern. Dazu gehört auch, daß Anträge und Gesetzentwürfe gemeinsam entwickelt und nach außen dokumentiert werden. Davon kann sich auch die SPD als Regierungskoalition nicht vollständig lösen.

Um dennoch meine persönliche Haltung zum Einsatz von Gentechnik in der Landwirtschaft zum Ausdruck zu bringen, habe ich zusammen mit 70 weiteren SPD-Abgeordneten eine persönliche Erklärung unterschrieben, in der ich festhalte, daß ich den Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut weder für notwendig, noch für sinnvoll halte.

Meine Fresse, der Kerl sitzt nicht im Bundestag, um sein Gewissen in persönlichen Erklärungen zu formulieren, sondern entsprechend bei Entscheidungen abzustimmen!

Dümmer geht’s immer

Mindestens genauso blöd ist auch die Aussage eines Sprechers des CSU-geführten Bundeslandwirtschaftsministeriums (siehe Zeit-Artikel), daß ein »Nein« auch nichts an der EU-Entscheidung ändern würde. Ja, wenn es denn so wäre, wieso ist es dann ein Problem, mit »Nein« abzustimmen?

Das ist doch alles nur noch eine Farce, oder nicht?

4. Februar 2014
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3. Februar 2014
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Eilt: Campact-Aktion gegen Gen-Mais

Der Einfachheit halber zitiere ich Campact:

im Koalitionsvertrag steht: »Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik an.« Doch schon diesen Mittwoch droht die Regierung wortbrüchig zu werden: In Brüssel entscheidet sie mit darüber, ob der Gen-Mais 1507 von DuPont-Pioneer zugelassen wird – und damit Gentechnik wieder auf unsere Felder zurückkehren kann. Doch statt mit Nein zu stimmen, überlegt Schwarz-Rot sich zu enthalten – und das wirkt wie eine Ja-Stimme. Wenn Deutschland nicht mit Nein stimmt, ist die Zulassung des Gen-Mais 1507 in Brüssel nicht mehr aufzuhalten.

Bitte mitmachen! Danke!

Nachtrag: Am letzten Donnerstag hat offenbar der Bundestag mit Stimmen der CDU/CSU/SPD eine von den Grünen eingebrachte Empfehlung an die Bundesregierung, mit »Nein« zu stimmen, abgelehnt, wie hier berichtet wird. Da kann man also sehen, was so ein Spruch »wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik an« im Koalitionsvertrag wert ist – absolut nichts (und soll mir niemand erzählen, daß sei eine Gewissensentscheidung gewesen und kein Fraktionszwang).

2. Februar 2014
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31. Januar 2014
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TTIP: Das Märchen vom Jobmotor

Ausnahmsweise mal ein Lob von mir: ARD-Monitor hat einen wunderbaren, sehenswerten Beitrag (hier auf YouTube, via netzpolitik.org) gemacht über die Hauptlügen des Transatlantischen Handelsabkommens (TTIP), nämlich neue Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum, zusammen mit allen bisher bekannten Nebenwirkungen, oder besser gesagt, Angriffen, auf unsere Gesundheit, Wahlfreiheit, Rechte und Souveränität.

Die Sprachlosigkeit von EU-Kommissar de Gucht bei der Konfrontation mit Fakten hat schon fast epischen Charakter! Wobei ich die Überraschung als echt empfand. Ich frage mich nur, wovon er überrascht wurde. Beim Lügen oder dabei, daß er Lügen aufgesessen ist? Letzteres könnte ja noch Denkprozesse auslösen…

Generell frage ich mich, was ihn oder auch die Merkel dazu bringt, soetwas zu unterstützen. Was haben die davon, es ist doch letztendlich auch eine Selbstentmachtung?

Bei all meiner Geringschätzung für diese Leute kann ich mir kaum vorstellen, daß die sich mit Geld bestechen lassen. Wird Druck auf sie ausgeübt, und wenn ja, wie? Oder sind sie tatsächlich so manipuliert, daß sie nicht mehr realisieren, was wirklich passiert? Schaukelt sich eine dumme Idee bei den Protagonisten so hoch, daß am Ende nichts mehr hinterfragt wird? Wenn ja, warum? Aus Eitelkeiten, aus Konkurrenzkampf zwischen den Parteien, aus Aktionismus oder anderer primitiver Emotionen wie Angst vor dem Gesichtsverlust? Sind sie so von ihrer Macht berauscht, daß sie agieren müssen, um diesen Rauschzustand aufrecht zu erhalten – egal, was am Ende herauskommt, Hauptsache, sie reisen von Gipfel zu Gipfel, inklusive der finalen Zeremonie, bei der sie dann irgendetwas ganz großes unterschreiben? Ich glaube, ich werde das nie begreifen.

31. Januar 2014

EU-Innenausschuß will permanente Überwachung der Autos durch eCall

Die EU lernt aus dem NSA-Skandal, nur auf die falsche Art und Weise. Weiterer massiver Angriff auf die Privatsphäre geplant!

Wurde diese Woche das eCall-System auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag ziemlich kritisch hinterfragt und die negativen Auswirkungen für die Autofahrer beleuchtet, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, und es somit zarte Hoffnungen gab, daß alles nicht so schlimm wird wie befürchtet, kam heute der große Hammer:

Der Innenausschuß des Europäischen Parlaments hat heute Änderungswünsche an dem Kommissionsvorschlag mit der Mehrheiten der Überwachungsfanatikern Konservativen und Sozialdemokraten beschlossen. Insbesonders soll der Absatz des Kommissionsvorschlags mit der Regelung, daß »[…] müssen Hersteller gewährleisten, daß mit einem bordeigenen eCall-System ausgerüstete Fahrzeuge im Normalbetrieb aufgrund des eCall-Notrufs nicht verfolgbar sind.« (Artikel 6, Absatz 1) gestrichen werden. Stattdessen soll das eCall-System permanent aktiv sein, und somit die kontinuierliche Aufzeichnung des Standorts erlauben. Die Nutzer sollen weiterhin nicht in der Lage sein, das eCall-System abzuschalten. Dies schreibt heise.de unter Berufung auf eine Pressemitteilung von EP-Mitglied Jan Philipp Albrecht, der für die Grünen in dem Ausschuß sitzt.

Noch ist nicht alles verloren, denn das ist letztlich nur eine Empfehlung an das EU-Parlament, und selbst die Kommission könnte wohl die Änderungen ablehnen (wobei da eher die Hölle zufriert). Nichtsdestotrotz müssen jetzt die Bürgerrechtsorganisationen enormen Druck machen, damit diese Totalüberwachung nicht kommt.

Ich glaube, ich muß entweder mein jetziges Auto gut pflegen oder mir schnell noch ein neues kaufen – möglichst ohne irgendwelche Vorläufertechnik. Die neuen Modelle meiner aktuellen Automarke haben bereits so einen Müll drin, der sich bei der Bestellung auch nicht wegkonfigurieren läßt.

31. Januar 2014

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