3. Februar 2014
Februar 201403

Eilt: Campact-Aktion gegen Gen-Mais

Der Einfachheit halber zitiere ich Campact:

im Koalitionsvertrag steht: »Wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik an.« Doch schon diesen Mittwoch droht die Regierung wortbrüchig zu werden: In Brüssel entscheidet sie mit darüber, ob der Gen-Mais 1507 von DuPont-Pioneer zugelassen wird – und damit Gentechnik wieder auf unsere Felder zurückkehren kann. Doch statt mit Nein zu stimmen, überlegt Schwarz-Rot sich zu enthalten – und das wirkt wie eine Ja-Stimme. Wenn Deutschland nicht mit Nein stimmt, ist die Zulassung des Gen-Mais 1507 in Brüssel nicht mehr aufzuhalten.

Bitte mitmachen! Danke!

Nachtrag: Am letzten Donnerstag hat offenbar der Bundestag mit Stimmen der CDU/CSU/SPD eine von den Grünen eingebrachte Empfehlung an die Bundesregierung, mit »Nein« zu stimmen, abgelehnt, wie hier berichtet wird. Da kann man also sehen, was so ein Spruch »wir erkennen die Vorbehalte des Großteils der Bevölkerung gegenüber der grünen Gentechnik an« im Koalitionsvertrag wert ist – absolut nichts (und soll mir niemand erzählen, daß sei eine Gewissensentscheidung gewesen und kein Fraktionszwang).

2. Februar 2014
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Dies & Das

31. Januar 2014
Januar 201431

TTIP: Das Märchen vom Jobmotor

Ausnahmsweise mal ein Lob von mir: ARD-Monitor hat einen wunderbaren, sehenswerten Beitrag (hier auf YouTube, via netzpolitik.org) gemacht über die Hauptlügen des Transatlantischen Handelsabkommens (TTIP), nämlich neue Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum, zusammen mit allen bisher bekannten Nebenwirkungen, oder besser gesagt, Angriffen, auf unsere Gesundheit, Wahlfreiheit, Rechte und Souveränität.

Die Sprachlosigkeit von EU-Kommissar de Gucht bei der Konfrontation mit Fakten hat schon fast epischen Charakter! Wobei ich die Überraschung als echt empfand. Ich frage mich nur, wovon er überrascht wurde. Beim Lügen oder dabei, daß er Lügen aufgesessen ist? Letzteres könnte ja noch Denkprozesse auslösen…

Generell frage ich mich, was ihn oder auch die Merkel dazu bringt, soetwas zu unterstützen. Was haben die davon, es ist doch letztendlich auch eine Selbstentmachtung?

Bei all meiner Geringschätzung für diese Leute kann ich mir kaum vorstellen, daß die sich mit Geld bestechen lassen. Wird Druck auf sie ausgeübt, und wenn ja, wie? Oder sind sie tatsächlich so manipuliert, daß sie nicht mehr realisieren, was wirklich passiert? Schaukelt sich eine dumme Idee bei den Protagonisten so hoch, daß am Ende nichts mehr hinterfragt wird? Wenn ja, warum? Aus Eitelkeiten, aus Konkurrenzkampf zwischen den Parteien, aus Aktionismus oder anderer primitiver Emotionen wie Angst vor dem Gesichtsverlust? Sind sie so von ihrer Macht berauscht, daß sie agieren müssen, um diesen Rauschzustand aufrecht zu erhalten – egal, was am Ende herauskommt, Hauptsache, sie reisen von Gipfel zu Gipfel, inklusive der finalen Zeremonie, bei der sie dann irgendetwas ganz großes unterschreiben? Ich glaube, ich werde das nie begreifen.

31. Januar 2014

EU-Innenausschuß will permanente Überwachung der Autos durch eCall

Die EU lernt aus dem NSA-Skandal, nur auf die falsche Art und Weise. Weiterer massiver Angriff auf die Privatsphäre geplant!

Wurde diese Woche das eCall-System auf dem Deutschen Verkehrsgerichtstag ziemlich kritisch hinterfragt und die negativen Auswirkungen für die Autofahrer beleuchtet, wie die Süddeutsche Zeitung berichtet, und es somit zarte Hoffnungen gab, daß alles nicht so schlimm wird wie befürchtet, kam heute der große Hammer:

Der Innenausschuß des Europäischen Parlaments hat heute Änderungswünsche an dem Kommissionsvorschlag mit der Mehrheiten der Überwachungsfanatikern Konservativen und Sozialdemokraten beschlossen. Insbesonders soll der Absatz des Kommissionsvorschlags mit der Regelung, daß »[…] müssen Hersteller gewährleisten, daß mit einem bordeigenen eCall-System ausgerüstete Fahrzeuge im Normalbetrieb aufgrund des eCall-Notrufs nicht verfolgbar sind.« (Artikel 6, Absatz 1) gestrichen werden. Stattdessen soll das eCall-System permanent aktiv sein, und somit die kontinuierliche Aufzeichnung des Standorts erlauben. Die Nutzer sollen weiterhin nicht in der Lage sein, das eCall-System abzuschalten. Dies schreibt heise.de unter Berufung auf eine Pressemitteilung von EP-Mitglied Jan Philipp Albrecht, der für die Grünen in dem Ausschuß sitzt.

Noch ist nicht alles verloren, denn das ist letztlich nur eine Empfehlung an das EU-Parlament, und selbst die Kommission könnte wohl die Änderungen ablehnen (wobei da eher die Hölle zufriert). Nichtsdestotrotz müssen jetzt die Bürgerrechtsorganisationen enormen Druck machen, damit diese Totalüberwachung nicht kommt.

Ich glaube, ich muß entweder mein jetziges Auto gut pflegen oder mir schnell noch ein neues kaufen – möglichst ohne irgendwelche Vorläufertechnik. Die neuen Modelle meiner aktuellen Automarke haben bereits so einen Müll drin, der sich bei der Bestellung auch nicht wegkonfigurieren läßt.

31. Januar 2014

Dies & Das

30. Januar 2014
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Überwachungsesoterik: Vorratsdatenspeicherung ist Datenschutz

Wenn ich daran denke, daß solche Leute regieren, wird mir ganz bang.

Die Zeit veröffentlicht einen Gastbeitrag von Thomas Heilmann, seines Zeichens Berliner Justizsenator (CDU), unter dem Titel »Vorratsdatenspeicherung ist Datenschutz«. WIE BITTE? Allein das schon ist reinster Dummfug und 1984er Big-Brother-Neusprech, ähnlich wie »Krieg ist Frieden« oder »Freiheit ist Sklaverei«.

So geht es natürlich gleich weiter mit dem genauso dummen wie alten Argument, daß die Menschen sowieso überall ihre Daten preisgeben, dann wäre es ja nicht schlimm, daß der Staat auch ein bißchen sammelt. Zwang versus Freiwilligkeit wird hier gleich mal wieder ausgeklammert. Auch die Beispiele sind voll daneben, ich kenne keinen, der Mobile Payment, Car Sharing per Smartphone oder WhatsApp nutzt. Da mußten halt ein paar hippige Begriffe fallen.

Dann versucht der Autor verzweifelt, Schreckensszenarien aufzubauen, warum man die Vorratsdatenspeicherung braucht. Erster Aufhänger ist der Diebstahl »geistigen Eigentums«, an dem unser wirtschaftlicher Wohlstand hinge, natürlich auch mit einem hippigen Begriff garniert (3D-Druck). Das wird auch nicht durch das 1000. Wiederholen richtiger. Der Schaden, der durch das illegale Kopieren urheberrechtlicher Werke von Privatpersonen entsteht, ist ein verschwindend geringer Teil des Bruttosozialprodukts. Der Schaden, der durch Wirtschaftsspionage (USA, GB, China) und kommerzielle Produktpiraterie (Asien) entsteht, dürfte um Größenordnungen größer sein, aber da tut die Politik effektiv nichts, und er spielt das auch noch aktiv herunter.

Dann kommt er mit Internet-Betrügereien daher, Ebay muß mal wieder herhalten. Komisch nur, daß man immer wieder in der Zeitung liest, daß man solche Betrüger festgenommen hat. Wie geht denn das, so ganz ohne Vorratsdatenspeicherung?

Und natürlich läßt der Autor dabei wieder zwei wesentliche Aspekte völlig außer acht, die ich deshalb wieder zum x-ten mal wiederholen muß:

Zum einen hat das Bundesverfassungsgericht ganz klar geurteilt, daß die Vorratsdatenspeicherung höchstens für Gefahrenabwehr (Terrorismus) und bei schweren Verbrechen eingesetzt werden dürfe. Betrug fällt aber weder unter das eine noch das andere.

Zum anderen beschränkt sich der Autor wiedermal im wesentlichen nur auf das Thema IP-Adressen. Vorratsdatenspeicherung ist aber viel mehr, bitte nicht vergessen! Nämlich auch:

Und zuletzt verschweigt er: Die generelle Abkehr von der Unschuldsvermutung!

Im weiteren Verlauf wird an dem Schreckensszenario der Bedrohung der Bürger durch böse, böse Verbrecher, die mittels Internet und Smartphones ihre Verbrechen planen würden, gefeilt, um dann zu behaupten, man stünde zur Zeit völlig hilflos da, nur das Allheilmittel Vorratsdatenspeicherung könne das bekämpfen.

Um das noch zu krönen, fordert er »Straftatbestände für Datenhehlerei, Phishing-Mails und das Ausspähen von Daten aus der Ferne«. Man brauche »Instrumente, um Straftaten im Netz verfolgen und die Täter ermitteln zu können«. Als Innensenator sollte er wissen, daß es all das schon gibt, ohne Vorratsdatenspeicherung. Den vielzitierten »rechtsfreien Raum« im Internet, der hier unerwähnt mitschwingt, gab es tatsächlich nie. Wo es ihn, den rechtsfreien Raum, tatsächlich gibt, ist beim Staat selber, zum Beispiel, wenn man an die Datenhehlerei mit den sog. Steuer-CDs aus der Schweiz denkt.

Ich möchte nochmal kurz auf die Überschrift kommen: Am Ende des Artikels wird dem Leser immer noch nicht klar sein, warum Vorratsdatenspeicherung Datenschutz sei, denn erklärt hat es der Autor nicht, nicht einmal ansatzweise. Es wird nichts geschützt, keine Daten und auch keine Menschen. Sie mag – zu welchem Preis auch immer – zur Aufklärung von Verbrechen dienen können, aber nicht zum Schutz davor, ebensowenig, wie es die Videoüberwachung tut. Und wenn selbst die Todesstrafe nicht zur Abschreckung dient, wird die Vorratsdatenspeicherung die kriminelle Energie auch nicht reduzieren können. Das zeigen auch Kriminalstatistiken aus Ländern, die die VDS haben (inklusive aus Deutschland für den kurzen Zeitraum, wo wir sie schon hatten).

Insgesamt also, um es klar zu sagen, ein ziemlich beschissener Artikel, und die Zeit bietet auch noch eine Plattform für diesen geistigen Müll. Man könnte sich die Haare raufen!

Aber andererseits bin ich froh, daß die Kommentatoren nahezu unisono dem Autor seinen Artikel um die Ohren hauen. Das ist ein Indiz, daß so eine zusammengeklöppelte Schwachsinnspropaganda kaum noch Rezipienten findet.

30. Januar 2014

Dies & Das

28. Januar 2014
28

Dies & Das

Transatlantisches Freihandelsabkommen

Manchmal enttäuscht auch eine doch sonst sehr gute Zeitung wie die Frankfurter Allgemeine. Zum Beispiel bei diesem Kommentar zu den TTIP-Verhandlungen. Es fängt bereits damit an, daß die Autorin schon in der Überschrift den NGOs Lobbyarbeit vorwirft. Ja sicher, sie machen Lobbyarbeit, und zwar im Namen des Bürgers, des Souveräns, der Freiheit, der Demokratie, also das, was eigentlich unsere Regierungen machen sollen. Und dann verbreitet sie noch die Ansicht, daß Schiedsgerichte besser wären als normale Gerichte. Was daran besser ist, wenn diese »Gerichte« im Verborgenen, ohne Kontrolle durch die Gewaltenteilung, im legislativen Niemandsland, agieren, verrät sie uns aber nicht wirklich. Sie weist lediglich darauf hin, daß sie ja schon länger gäbe und man sich bisher auch nicht darüber aufgeregt habe. Ich weiß nicht, wer solche Weichspül-Artikel verfaßt, muß meiner Meinung nach selber auf der Gehaltsliste der Industrie-Lobbyisten stehen.

Als Gegenpol sollte man sich mal diesen Beitrag der Heute-Show anschauen, insbesonders die Statements der beiden Herren.

Noch besser ist der Beitrag von Pelzig (alias Frank-Markus Barwasser) in seiner Sendung, die Anfang Dezember 2013 lief.

Sonstiges

28. Januar 2014

Überwachungs»esoterik«

Sasche Lobo hat mal wieder in seiner Kolumne zugeschlagen. Er vergleicht – und das gelingt ihm meiner bescheidenen Meinung nach ganz gut – den Überwachungswahn mit der Esoterik, wie sie zum Beispiel bei Horoskopen in Erscheinung tritt.

Wer übrigens mehr von Sascha Lobo lesen und hören will, sei der heute beim Stern.de erschienene Artikel »Die Kontrolle geht bis in die Jackentasche« samt Video-Interview der Serie »jung und naiv« empfohlen.

Als hätte er es bestellt, konnte man heute quasi als »Beweis« für diese Theorie Berichte über Überwachungsphantasien und deren Begründungen finden:

Bei den 8. Berliner Sicherheitsgesprächen wird, wie heise.de berichtet, aus allen Rohren geschossen. So sehen Teilnehmer den Rechtsstaat aus den Fugen geraten – nicht aber, weil zu viel, sondern zu wenig überwacht wird. Der sogenannte CDU-»Innenexperte« Wolfgang Bosbach kapiert es noch immer nicht, daß es keinen Unterschied hinsichtlich des Grundrechtseingriffs macht, ob die Vorratsdaten beim Staat oder bei den Providern gespeichert werden. Ich habe ja auch schon ein paar Mal mit ihm per E-Mail kommuniziert und seine völlige Beratungsresistenz feststellen müssen.

Ebenso giftet der BDK-Funktionär Rolf Jäger gegen die Datenschützer: Er will die Vorratsdatenspeicherung auch gegen Enkel-Trick-Betrüger einsetzen – man erinnere sich, daß das Bundesverfassungsgericht eine klare Grenze bei schwersten Verbrechen gezogen hat. Aber was interessiert denn schon Polizisten so eine Entscheidung! Auch wiederholte er die immer noch unbewiesene Behauptung, daß durch die fehlende VDS »viele tausend Fälle ungelöst blieben«.

Überwachungsphantasien entstehen auch in den Köpfen einer Polizei-Arbeitsgruppe auf EU-Ebene. Sowohl heise.de als auch Golem berichten von einem Papier, das die britische Bürgerrechtsorganisation Statewatch ausgegraben hat. Kfz-Kennzeichen-Scanning, Data-Mining, Verwanzen von Autos, sodaß sie per Funk gestoppt werden können, usw. Die Begriffe wie »Bürgerrechte«, »Verhältnismäßigkeit«, »Unschuldsvermutung«, »Kolateralschaden« kommen offenbar in deren Vokabular nicht vor, aus der NSA-Affäre haben sie nichts oder das falsche gelernt.

Auto-Überwachungsphantasien entstehen, nebenbei bemerkt, auch in der Wirtschaft, wie ein FAZ-Artikel darlegt. Daß sich der staatliche Überwachungsapparat da mit daranhängen will, davon kann man mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgehen. So ist das von der EU ab 2015 erzwungene eCall-System für mich letztendlich auch nur ein Vorwand, um genau das zu erreichen.

Nachtrag: Ich habe fälschlicherweise Rolf Jäger mit NRW-Innenminister Ralf Jäger gleichgesetzt. Das tut mir leid, auch wenn nach meinen Erkenntnissen der werte Herr Innenminister sich in seinen Ansichten nicht wesentlich von dem BDK-Funktionär unterscheidet. Danke für den Hinweis.

28. Januar 2014

Nachlese: Snowden-Interview oder das vermasselte Event

Die Kritiker sind sich leider ziemlich einig. Die ARD bzw. der NDR hat es vermasselt. Da haben sie die Chance, Snowden zu interviewen, und was machen sie daraus? Nichts. Hauptkritikpunkt ist, daß sie das Interview erst am Sonntag abend um 23:15 Uhr gezeigt haben. Dann also, wenn die arbeitende Bevölkerung schon im Bett ist oder zumindest auf dem Weg dahin.

Zweiter Kritikpunkt ist die Jauch(e)-Sendung davor. Zum einen kannten die Zuschauer (und womöglich die Gäste auch) das Interview nur bruchstückhaft, zum anderen waren die Gegner der Überwachung nicht wirklich bissig (da wäre mehr gegangen) und zum Schluß war Jauch als Moderator unfähig und unvorbereitet – wie eigentlich immer. Die Abwiegler (Ex-US-Botschafter und ein Bild-Redakteur) konnten so ihren Müll relativ ungehindert verbreiten.

Dritter Kritikpunkt ist, daß das Interview im Internet nur in Deutschland und mit deutscher Übersetzung im Internet verfügbar war. Das wurde dann aber abgestellt. Angeblich habe der NDR selber nicht die internationalen Rechte an dem Interview, das sie selber (über Tochterfirmen) hat produzieren lassen, gehabt (nebenbei wieder ein gelungenes Beispiel für das Tarnfirmen-Netzwerk des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens).

Inhaltlich gab es auch nicht soviel neues, aber das liegt in der Strategie Snowdens begründet, sich an der Aufarbeitung der Dokumente nicht zu beteiligen, und darin, daß er seinen Asylstatus vermutlich nicht gefährden will.

Hier ein paar Kommentare aus dem Netz: