Internet, Überwachung, Datenschutz
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Das Sammeln und jahrelange Aufbewahren von Fluggastdaten ist
letztendlich nichts anderes als eine Vorratsdatenspeicherung – halt nicht
der Telefon- und Internet-Nutzung, sondern der Nutzung von Flugzeugen.
Daher ist es sehr bedauerlich, daß das EU-Parlament trotz des deutlichen
EuGH-Urteils die Fluggastdatenspeicherung auf den Weg bringt. Da hilft es
auch wenig, wenn die Daten für innereuropäische Flüge (vorerst) nicht
erfaßt werden sollen. Die EU-Grünen wollen vor dem EuGH klagen, falls das
verabschiedet werden sollte. Außerdem ist dort immer noch eine Klage
gegen die Weitergabe solcher Daten an Drittstaaten anhängig. Berichte bei
Heise, Zeit und Netzpolitik.
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Apropos Vorratsdatenspeicherung:
Noch ein Landesdatenschutzbeauftragter
erklärt die Vorratsdatenspeicherung für nicht machbar.
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Die geplante, zweifelhafte Netzneutralität in der EU scheint auch vom
EU-Parlament nicht aufgehalten zu werden, wie
Heise berichtet.
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Ja, ja, da versucht einer, seinen schändlichen Verrat zu kaschieren:
Justizminister Maas warnt vor der
Überwachung des Autofahrers durch das »vernetzte« Auto. Das ist
absolut heuchlerisch, wenn man gleichzeitig die Vorratsdatenspeicherung
vorantreibt. Von mir aus kann daher Maas seinen »Aus«-Knopf für sich
und seinen dicken Chef und drücken!
Ein »Aus«-Knopf impliziert natürlich, daß der Mist standardmäßig
eingeschaltet ist, was bei der immer noch vorherrschenden
Überwachungsignoranz der Bürger dann im Regelfall auch so bleibt.
Außerdem, wie ich die Autobauer so kenne, wird das System beim Anlassen
ganz magisch wieder aktiv sein.
Wie eher unkritisch die Leute gegenüber der neuen Schnüfeltechnik sind,
sieht man zum Beispiel bei dem Stern-Bericht über den »OnStar«-Fahrerassistenten bei neueren
Opel-Fahrzeugen. Erst ziemlich am Ende, nach einer großen Euphorie über
den Assistenten, wird das Problem des Datenschutzes thematisiert. Aber
immerhin – ich befürchtete beim Lesen schon, daß es überhaupt nicht
erwähnt werden würde.
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Der britische High-Court erklärt die
britische Vorratsdatenspeicherung für ungesetzlich, da gegen EU-Recht
verstoßen werde. Leider kritisiert das Gericht aber lediglich die
unklare Bestimmungen, wer wann und wie auf die Daten zugreifen kann. Mit
der Überwachung an sich scheint das Gericht keine Probleme zu haben.
Orwell wußte schon, warum er 1984 in England spielen läßt.
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Die Amerikaner spionieren zwar massiv, wußten aber trotzdem nicht, wie
tief Merkel schon in ihrem Hintern steckt. Sie waren überrascht über die geringen Reaktionen der deutschen Regierung
nach dem Bekanntwerden des Ausmaßes der amerikanischen Spionage in
Deutschland.
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Das deutsche Leistungsschutzrecht steht auf der Kippe, weil das
Gesetz im Gesetzgebungsverfahren nicht der EU vorgelegt wurde. Das ist
aber nicht aus Versehen passiert, sondern mit Absicht, weil man es
unbedingt noch in der letzten Legislaturperiode verabschieden wollte. Der
Artikel erwähnt übrigens, daß Österreich seine Pläne für ein viel
drastischeres Leistungsschutzrecht wohl auf Eis gelegt haben soll – man
befürchtet wohl, das gar inhaltlich bei eben dieser »Notifizierung der
EU« nicht durchzubekommen.
TTIP
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Bei der FAZ versucht mal wieder jemand, TTIP schönzureden. Mir reichen die Nachteile, um mich für die
angeblichen Vorteile nicht mehr zu interessieren – tatsächlich werden uns
in dem Artikel neben den bekannten Lügen »Einzelschicksale« aufgetischt,
die für die Wirtschaft und die Bevölkerung völlig irrelevant sind.
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Als Gegengewicht zu obigem berichten Netzpolitik und ein Blogeintrag bei der Zeit über Analysen, wieviel Einfluß die
Industrie auf die TTIP-Verhandlungen nimmt. Von paradiesischen Zuständen
wird geschrieben. Und da soll noch jemand glauben, für den Bürger käme
etwas Positives heraus? Wie blauäugig müßte man da sein?
Griechenland
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In einem Interview mit der FAZ schlägt der Ökonom Clemens Fuest vor, den
Soli zur Finanzierung der Griechenland-Misere zu erhöhen. Ich finde das
gut, unter der Voraussetzung, daß das dann eurozonen-weit gemacht wird.
Dann ist nämlich der Grexit ganz schnell da.
Berlin will von diesem Vorschlag natürlich nichts wissen. Das zu
zahlende Geld wird bestimmt in anderen Steuererhöhungen versteckt.
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Endlich fordert mal einer das Aus für den Euro in Europa, den man nicht
gleich in die deutsch-nationale Ecke stellen kann: Oskar Lafontaine.
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Ein Alternativvorschlag von einem Ex-IWF-Direktor, der mir auch
gefällt: Gerxit statt Grexit.
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Dieter Nuhr hat einen Shitstorm erlebt, weil er in Twitter in Hinblick
auf die Griechenlandrettung ironisch schrieb: »Meine Familie hat
demokratisch abgestimmt: Der Hauskredit wird nicht zurückgezahlt. Ein
Sieg des Volkswillens!« In der FAZ beschwert er sich – zu recht – darüber und vergleicht das mit
Lynchjustiz und Hexenverbrennung im Mittelalter.
Politik, Demokratie & Co.
Sonstiges
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Das Feuilleton der FAZ diskutiert die aktuelle Schulpolitik, bei
dem unter dem Bildungsideal »Gleichheit« die Bildung immer weiter
vereinfacht wird, bis die Kinder nichts mehr richtig lernen. Die Autorin
kommt zum Schluß, daß dies letztendlich gar undemokratisch sei.
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Wie steigert man das Wort Korruption?
Erste Steigerungsform: Ronald Pofalla agiert als Kanzleramtschef
für die DB AG und wird dafür mit einem Vorstandsposten belohnt.
Zweite Steigerungsform: Ronald Pofalla soll Vorstand für Datenschutz werden. Damit kennt er sich ja aus –
siehe NSA-Affäre.
Dritte Steigerungsform: Ronald Pofalla wird als Grube-Nachfolger gehandelt.
Ja, tief durchatmen! Das hilft ein bißchen. Ich warte jetzt
darauf, daß Pofalla den Datenschutz für beendet erklärt…
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Martin Sonneborn berichtet mal wieder aus dem europäischen Tollhaus (via
Fefe).
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In der Zeit ist ein Artikel erschienen, der versucht, den ganzen Gender-Wahn zu
verniedlichen und die Schuld bei den Kritikern sucht, warum der Müll bei
den Bürgern nicht ankommt. Das kommt mir vor wie der Versuch, den Islam
als friedliche Religion darzustellen. Für mich hat der dahinterstehende
Feminismus sowieso deutliche Parallelen zum Rassismus, und als Ideologie
zum Islamismus. Den Artikel besser auseinandernehmen als ich können aber
die Kommentatoren unter dem Artikel, die u.a. feststellen, daß die
Autorin aus dem Gender-Dunstkreis kommt, aber wohl die Aktivitäten der
Extremistinnen unter ihnen, speziell an den Lehrstühlen und politischen
Schaltstellen, aus Ignoranz oder Absicht unter den Tisch fallen läßt.
Ein Kommentar enthielt auch einen Link zu dem Blog von Hadmut Danisch,
den ich schon länger kenne, aber leider viel zu selten besuche, denn
Hadmut Danisch schreibt gute Beiträge. Er ist offenbar auch ein großer
»Freund« des Gender-Wahns und hat dementsprechend obigen Artikel ebenfalls – in seiner üblichen Direktheit –
kommentiert.
Beim weiteren Blättern in seinem Blog fiel mir ein Beitrag auf, den ich hier noch erwähnen möchte: Wir haben im
Bundesverfassungsgericht eine Richterin namens Susanne Baer sitzen, die
nicht nur Jura-Professorin ist, sondern zehn Jahre an der
Humboldt-Universität »Gender Studies« gelehrt und Wissenschaftliches
produziert hat – bzw. haben will. Denn gerade was sie dort gemacht hat,
das will mit allen Mitteln – auch juristischen – Hadmut Danisch bei der
Uni und beim Berliner Senat seit vielen Monaten herausbekommen – und
erhält bislang schlichtweg keine vernünftige Antwort. Ein (weiteres)
Stück aus dem Tollhaus Deutschland!
Und noch ein Fundstück aus dem Kommentaren: Wie der Gender-Wahn bei der
UNO dazu führt, daß bei drohenden Massakern Frauen und Mädchen, nicht aber Männer und Jungen
geschützt werden.
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Ars Technica berichtet von »Schlangenöl-Verkäufern«, diesmal von
Leuten, die »audiophile« Ethernet-Kabel verkaufen – für
lächerliche 4.500 bzw. 10.000 US-Taler für ein 8m bzw. 12m langes Kabel.
Möge früher bei analoger Übertragung die Qualität der Stecker und der
Kabel noch eine wesentliche Rolle gespielt haben, ist das bei der
digitalen Übertragung natürlich grober Unfug. Ethernet-Kabel, die die
Spezifikationen einhalten, gibt es für ein paar Euro oder Dollar. Das
Ganze erinnert mich auch wieder an die teuren CD- und DVD-Reinigungskits,
die ein runderen Klang und ein schärferes Bild versprechen…
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»Eine Islamisierung findet nicht statt«. Deutscher Islam-Verband fordert islamische Pflegeheime. Das ist
zudem bestimmt sehr integrativ…
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Passend zur Integrationsfrage gibt es im Ruhrgebiet immer mehr
Ausländer-Ghettos mit No-Go-Status, in denen sich die Polizei nur
noch im Großaufgebot hintraut. Da im politisch korrektem Deutschland
nicht sein kann, was nicht sein darf, dementiert der nordrhein-westfälische Justizminister das
umgehend. So eine Geisteshaltung führt natürlich auch dazu, daß die
personellen Ressourcen der Polizei nicht aufgestockt werden und sich
die Städte schon untereinander aushelfen müssen, um wenigstens
ein bißchen Ordnung zu schaffen.
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Mantra-artig wiederholt aber Merkel, daß der Islam zu Deutschland gehöre. Ex-Muslime sehen das aber komischerweise anders, die übrigens
auch ihre eigene Organisation
haben…
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Nachdem in der Schweiz auf dreispurigen Autobahnen ein Mindesttempo von
100 km/h auf der linken Spur eingeführt wurde, um den Verkehrsfluß zu
verbessern, wird dies nun auch in Deutschland diskutiert. Ich bin aber
prinzipiell dagegen. Nicht die absolute Geschwindigkeit ist entscheidend,
sondern die relative. Wenn jemand links mit 135 km/h jemanden auf der
Mittelspur mit 130 km/h überholt, existiert im Prinzip das gleiche
Problem. Ich sehe auch immer wieder den Effekt, daß sich durch solche
Überholer andere Langsamfahrer animiert fühlen, sich auf die linke Spur
zu zwängen, wodurch es dann zu einer Bremswelle im rückwärtigen Verkehr
kommt.
Und zudem ist eigentlich das in §5 der Straßenverkehrsordnung auch
schon hinreichend geregelt:
(2) Überholen darf nur, wer übersehen kann, daß während des ganzen
Überholvorgangs jede Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist.
Überholen darf ferner nur, wer mit wesentlich höherer Geschwindigkeit
als der zu Überholende fährt.
Man könnte höchstens noch präzisieren, daß dieser Satz auch für
Autobahnen gilt.
Hier nun meine »Aufräumaktion«, was TTIP-Meldungen betrifft – in
halbwegs chronologischer Reihenfolge.
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In »Tempolimit für Turbo-Schweine« berichtet die Süddeutsche Zeitung
über die Zulassung von Fleisch und anderen Lebensmitteln aus den USA, die
mit problematischen Methoden produziert werden (u.a. Gentechnik, Einsatz
von Hormonen und Chemie). Was die Amerikaner noch so Horror-Ideen haben,
kann man in dem Heise-Artikel »Gentechnik für den Kuhstall«
(Teaser im Newsticker, voller Artikel bei Technology Review) nachlesen.
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Im Oktober 2014 hat die EU das
Mandat bzw. die Leitlinien veröffentlicht, unter denen die EU die
TTIP-Verhandlungen (vorgeblich!) betreibt.
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Spiegel berichtet über Verzögerungen bei den TTIP-Verhandlungen, auch wegen der
anhaltenden Proteste.
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Bericht über den weltweiten
Protesttag gegen TTIP & Co. am 20. April 2015 mit mehr als
100.000 Teilnehmern.
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Umfangreicher Artikel aus dem FOCUS Magazin zum Thema TTIP: »Der neue COWBOY-Kapitalismus«. Es kommen hier auch
Mentalitätsunterschiede zwischen USA und Europa, speziell Deutschland,
zur Sprache, und warum dadurch ein Freihandelsabkommen uns massiv schaden
wird.
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Die Zeit berichtet, wie durch TTIPs kanadische Variante CETA bald
»bayrisches« Bier aus Kanada kommen könnte.
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Widerstand auch in Kanada: Das Magazin Cicero interviewt eine kanadische Aktivistin zu CETA und
TTIP. Auch die negativen Auswirkungen von NAFTA, dem
Freihandelsabkommen zwischen USA, Kanada und Mexiko, kommen zur
Sprache.
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Ein Heise-Artikel beschreibt den
potentiellen Einfluß der Industrie auf die Gesetzgebung am Beispiel der
Gentechnik: Das kürzlich in der EU verabschiedete Gesetz zum
Genfood-Opt-Out wäre mit TTIP so nicht durchgekommen (obwohl dieses
auch schon sehr industriefreundlich und konsumentenfeindlich ist, wie ich
anmerken möchte). Die Angst vor zu starker Einflußnahme auf die
Gesetzgebung gibt es aber auch auf der amerikanischen Seite. Ich fürchte
nur, daß die Amis die besseren Verhandlungspartner sind und für sich
bessere Regelungen erkämpfen.
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Während die TTIP-Gegner die Schiedsgerichtsbarkeit komplett ablehnen,
versucht Oberverräter Gabriel, das Thema dadurch zu entschärfen, eigene
Gerichte mit festen, unabhängigen Richtern zu etablieren (Süddeutsche Zeitung mit Kommentar, FAZ Die Zeit). Wieviel besser das sein soll, erschließt sich mir
nicht wirklich. Nach welchem »Recht« sollen die denn urteilen? Einzig und
allein entlang des TTIP-Vertrags, europäische und nationale Gesetze
ausblendend? Nein danke!
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Auch die EU-Kommission nimmt die Idee eines eigenen Gerichtshof auf,
wie die FAZ berichtet (mit ein bißchen Hintergrundinformation, die
allerdings den meisten schon bekannt sein dürfte). Bilateral,
multilateral, weiß der Henker was – und am Ende kommt nur ein zweites
WIPO heraus, welches nach meiner Kenntnis nicht sonderlich beliebt
ist.
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Im Haushaltsausschuß des EU-Parlaments kippt
der dortige Berichterstatter von
seiner ablehnenden Haltung langsam auf diesen Vorschlag um.
Preisfrage: Von welcher Partei stammt dieser Herr Lange?
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Griechenland hat angekündigt, CETA nicht zu unterschreiben, wenn nicht der Feta-Käse geschützt
wird. Nach jüngsten Entwicklungen in Griechenland dürfte allerdings
der Feta das kleinste Problem sein (oder auch nicht? Vielleicht ist es ja
bald die wichtigste Divisenquelle, wenn der Grexit eintritt!?!)
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Auch die Kulturschaffenden sorgen sich um negative Auswirkungen von TTIP in ihrem
Bereich.
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Wegen Druck der Amerikaner bei den TTIP-Verhandlungen knickt die EU ein
und hebt das Verbot bestimmter Pestizide auf, die im Verdacht stehen,
Krebs und Unfruchtbarkeit zu auszulösen, wie der Guardian berichtet (via
Fefe). Daß sich darüber
auch der deutsche Gift-Konzern BASF freut, soll nicht unerwähnt
bleiben.
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Was Netzaktivisten schon immer befürchtet haben: Die Amerikaner wollen
mit TTIP den
europäischen Datenschutz aushebeln. Mit so Pflaumen wie Oettinger
als Kommissare schafft die EU den aber auch schon vorher selber ab.
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Nicht nur bei den Pestiziden werfen die Handelsabkommen ihren Schatten
voraus, auch bei Umwelt- und Nahrungsmittel-Regeln
schwächt
die EU im Vorfeld von CETA und TTIP die bisherigen Standards ab.
Falls noch nicht klar sein sollte, welcher Gedanke hinter dieser
Methodik steckt: Man versucht, schon im Vorfeld die Standards zu
erniedrigen – möglichst ohne großes Aufsehen –, weil nach der Einführung
von CETA & TTIP eine Erhöhung auf für Bevölkerung und Natur »gesunde«
Niveaus praktisch ausgeschlossen ist – das wären ja verbotene
Handelshemmnisse! Man sichert sich also damit diese niedrigen Standards
bis in alle Ewigkeit, egal, was für kritische Regierungen in Europa und
USA auf den Plan treten könnten.
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Daß unsere wirtschafts- und USA-hörige Staatsratsvorsitzende Merkel
TTIP mit voller Begeisterung unterstützt und es möglichst schnell abschließen will, ist eigentlich keine
Neuigkeit, die ich hier erwähnen müßte. Aber vielleicht ist unter den
Lesern doch der eine oder andere CDU/CSU-Wähler, dem man daran erinnern
muß, welche Politik er gewählt hat!
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Die Dienstleistungsvariante von TTIP, das ganz geheim verhandelte TISA,
soll ein weiteres Handelshemmnis beseitigen – Open Source Software: Bei
Ausschreibungen soll dann nicht mehr gefordert werden dürfen, daß die
Software quelloffen sein muß. (Golem, Heise)
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Gabriel versucht weiter, den TTIP-Gegnern Sand in die Augen zu streuen
und erzählt die Märchen von den
gewahrten Standards. ICH KANN DIESE LÜGEN NICHT MEHR
HÖREN!!!
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Wikileaks veröffentlicht
Geheimpapiere zu TISA. Der Heise-Artikel sinniert darüber, ob als
Konsequenz der offengelegten Forderungen ausländische Provider
Vorratsdaten auch außerhalb Deutschlands speichern dürften, was dem
aktuellen Entwurf des neuen Vorratsdatenspeicherungsgesetzes diametral
widerspricht. Das wäre natürlich dann auch für die amerikanischen
Geheimdienste besonders schön, könnten sie doch unsere Daten gleich in
ihrem Heimatland abgreifen!
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Ein sehr interessanter Artikel in der FAZ beleuchtet TTP, TTIP
und andere Abkommen aus den Perspektiven diverser Akteure, inklusive
Obama und Merkel.
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Zwei weitere Artikel in der Frankfurter Allgemeinen befassen sich mit dem Schutz bzw.
Nichtschutz von Regionalbezeichnungen bei TTIP.
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Heise berichtet von neuen
Erkenntnissen, wie stark die Industrie in den Verhandlungen zu TTP
und TTIP eingebunden sind. Sie bestätigen leider alle Befürchtungen.
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Bernd Lucke fordert die freie Entscheidung über eigene Gesetze in der
EU. Mit der Neuorientierung der AfD und dem Ausscheiden Luckes ist
das wohl als Makulatur zu betrachten, auch wenn er vermutlich
EU-Parlamentarier bleibt (was ich auch richtig finde, denn er ist für das
Programm gewählt worden, das die AfD damals vertreten hat).
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24. Juni 2015: Stand der
Verhandlungen bei CETA und TTIP. CETA soll noch dieses Jahr
beschlossen werden, für TTIP ist 2016 erwünscht.
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Die
Zeit macht einen Besuch bei den TTIP-Gegnern.
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Julian Assange über TTP:
Von den 29 Kapiteln beschäftigen sich nur fünf mit dem traditionellen
Handel. Die anderen regeln auf verschiedene Arten das Internet – und das
bestimmt nicht zum Vorteil der Bürger.
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Im EU-Parlament gibt es eine Abstimmung zu einer Stellungnahme zu den
TTIP-Verhandlungen der EU-Kommission. Auch das Schlichtungsverfahren war
wieder ein Thema. Ratet mal, welcher Name da wieder negativ auffällt? Ja,
Bernd Lange. Heise, Spiegel, Zeit und Süddeutsche berichten.
Dieser Beschluß ist natürlich auch wieder mal ein Tiefpunkt
europäischer Demokratie. Daß sich mittlerweile über 2,3 Millionen
Bürger gegen TTIP und CETA unterschrieben haben, scheint der Mehrheit
der Parlamentarier am Allerwertesten vorbeizugehen!
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Auf solche Journalisten haben die TTIP-Freunde gehofft: »Jetzt
haben sich EU-Parlament und Kommission ein bißchen bewegt, jetzt wird
alles gut.« Nein, erstens sind die Schiedsgerichte nicht abgeschafft,
und zweitens sind sind nur ein Teil des Übels. Der vermutlich viel
größere Teil des Übels – die Macht der Industrie über die Gesetzgebung
des »Souveräns«, die Absenkung von Standards auf den kleinsten
gemeinsamen Nenner, das Verbot von »Handelhemmnissen«, wie zum Beispiel
Verbraucher- und Naturschutz – ist noch unverändert drin. Daher:
STOPPT TTIP!
EU: Netzneutralität adé
Man mag es kaum glauben: Das Land Nummer eins in Sachen
Raubtierkapitalismus und lobbygetriebener Politik, die vereinigten Staaten
von Amerika, bekommt die Netzneutralität hin. Und die EU? Natürlich
nicht!
Wie Netzpolitik und Heise
berichten, wurde der erste Entwurf zur Neuregelung des digitalen
Binnenmarktes, der sowieso schon als löchrig hinsichtlich der
Netzneutralität angesehen wurde, im zweiten Entwurf praktisch ad absurdum
zusammengestrichen. Sogar der Begriff Netzneutralität taucht nicht mehr auf
und ist durch ein undefiniertes und damit beliebig dehnbares »offene
Internet« ersetzt worden. Das ist genau der gleiche »Trick« wie bei der
Einschränkung der Privatsphäre und der informationellen Selbstbestimmung,
wo neuerdings euphemistisch von einem »modernen Datenschutz« gesprochen
wird (z.B. bei der Vorratsdatenspeicherung oder auf EU-Ebene das neue
Daten»schutz«abkommen, wie berichtet).
Netzneutralität zu verhindern ist dabei nicht das einzige negative Ziel:
Deep Packet Inspection soll nun erlaubt werden, genauso wie der Einsatz von
bevormundenen Filtern, wie sie z.B. zur Zeit in Großbritannien in Form der
sogenannten »Porno-Filter« zum angeblichen Schutz der Jugend appliziert
werden. Das Tor zu all dem Unfug, der schon zu Zensursulas Zeiten in den
Köpfen der Feinde der Freiheit herumgeisterte, wird nun wieder ein deutlich
weiter aufgestoßen.
Und damit der dumme Bürger das nicht merkt, wedelt man im Vordergrund mit
dem Fähnchen des Verbots inner-eu-licher Roaming-Gebühren, von dem 99% der
Bürger, wenn sie nicht gerade auf Malle im Urlaub sind, eh nichts
haben.
Wenn ich das wieder lese, zusammen mit der Datenschutzneuregelung und dem
ganzen Griechenland-Rettungs-Scheiß, wünsche ich mir sehnlich, daß diese
verdammte Europäische Union endlich in sich zusammenfällt.
Nachtrag: Hierzu paßt gut der Artikel über die Lobby-Empfänglichkeit von Günther Oettinger, der
für den digitalen Binnenmarkt zuständige EU-Kommissar und ausgewiesener
Gegner der Netzneutralität, der sich zudem nicht schämt, Terrorvergleiche
(»talibanartig«) gegen die Verfechter zu nutzen. (Siehe auch
Heise, Lobby-Bericht von Transparency International (PDF)).
Freiheit im Netz
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Das Unvermögen der Gegner der Vorratsdatenspeicherung im SPD-Konvent,
diese SPD-seitig zu stoppen, wurde natürlich von den Führungskadern der
SPD herablassend beklatscht. Die Krone
setze dabei der badenwürttembergische Landesinnenminister Reinhold Gall
auf, der sich mit dem Tweet
»Ich verzichte gerne auf vermeintliche Freiheitsrechte[,] wenn wir
einen Kinderschänder überführen«
entblödete. Er löste bei Twitter eine Welle der Empörung aus, die er
auch nicht durch ein unglaubwürdiges Rückrudern zwei Tage später
beruhigen konnte. Er ist mit obigen Spruch auch Sascha Lobo derart auf
die Füße getreten, daß dieser sich in seinem Blog ausführlich mit Galls Verballmüll beschäftigte. Danke!
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Nicht nur die Vorratsdatenspeicherung soll kommen, sondern auch die
Befugnisse der Geheimdienste sollen neu definiert werden. Nach Meinung
der Experten schießt auch hier die
verfassungsfeindliche Bundesregierung weit über das Ziel hinaus (via
Fefe).
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Nicht nur in Großbritannien treibt der Jugendschutz seine Blüten. Auch
in Deutschland versuchen verbrämte Leute immer wieder, aus dem Internet
ein Kindernet zu machen und deren Nutzer – ob klein oder groß – zu
bevormunden. Das hat in Deutschland nun die Konsequenz,
daß jugendgefährdende E-Books nur noch
zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens verkauft werden dürfen
(siehe auch Golem). Wie verblödet sind eigentlich die Leute, die soetwas
entscheiden?
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War zu vermuten: NSA & GCHQ
spionieren Antivirenhersteller aus um herauszufinden, wie sie ihre
Schnüffelsoftware vor dem Entdecken schützen können. (Siehe auch Engadget)
-
Der Focus nennt fünf Gründe, Smartmetern möglichst fernzubleiben. Einer ist das
Ausspionieren durch die Energieunternehmen.
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Durch die geplante Neurregelung des Urheberrechts in der EU sehen
Aktivisten die Panorama-Freiheit bei Bildern gefährdet.
Maut
Nachdem die EU offiziell ein
Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen der Ausländer-PKW-Maut
eingeleitet hat, verschiebt Doofbrindt die Maut erstmal um ein Jahr. Die Kommentatoren (z.B.
Spiegel, SZ und nochmal SZ) sind sich nicht klar darüber, warum er so darauf reagiert.
Vermutet wird u.a., daß er die Umsetzung der Maut (mit Ausschreibung usw.)
bis 1.1.2016 garnicht geschafft hätte und ihm das gelegen kam. Davon
abgesehen tritt Doofbrindt aber
öffentlich noch ein bißchen nach, wohl um die eigene Klientel zu
befriedigen.
Sonstiges
So also. Wie befürchtet, konnten die Gegner der Vorratsdatenspeicherung
sich auf dem SPD-Konvent nicht durchsetzen. Eine knappe Mehrheit hat dem Antrag der Parteispitze für die VDS
zugestimmt: Spiegel kommentiert ganz richtig: Feigheit geht vor Freiheit.
Und damit es ein bißchen so aussieht, als hätte die Parteispitze auf die
Basis gehört, gibt es jetzt einen »Kompromiß« – der es allerdings
keineswegs wert ist, so genannt zu werden. Dieser »Kompromiß« sieht derart
aus, daß die Vorratsdatenspeicherung nach zwei Jahren »evaluiert« werden
soll. Das heißt aber natürlich nicht, daß das Gesetz befristet sein soll,
wie es vor Wochen SPD-Abgeordnete gefordert hatten – nein, wo kämen wir
denn da hin? Man kann sich natürlich auch jetzt schon ausmalen, wie das
Ergebnis so einer Evaluierung aussehen wird: alles in Butter, hat toll
geholfen (ohne das beweisen zu können oder gar zu wollen), die Menschen
merken ja garnichts von dem Grundrechtseingriff, und die Firmen und der
Bund hätten doch jetzt schon alles aufgebaut und bezahlt usw.
Dabei ist, wie ein Forumsteilnehmer im Heise-Forum richtig bemerkte, eine
Evaluierung gar nicht notwendig. Die Vorratsdatenspeicherung ist bereits
evaluiert – und zwar die Originalform mit sechs Monaten und mehr und
nicht die geplante, nun stärker eingeschränkte Variante mit logischerweise
auch geringerem Nutzen. Einerseits hatte die damalige EU-Kommissarin und
Überwachungsfanatikerin Cecilia Malmström in einer EU-Evaluierung (ich
meine im Vorfeld des EuGH-Verfahrens) europaweit händeringend die
Mitgliedsstaaten nach Beweisen für den Nutzen der Vorratsdatenspeicherung
gefragt – und keine bekommen. Andererseits hat das Attentat auf
Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt klar gezeigt, daß die
französische Vorratsdatenspeicherung absolut nichts genutzt hatte – weder
konnte sie es verhindern, noch hatte sie zur Aufklärung beigetragen, denn
die Attentäter und das soziale Umfeld waren sowieso schon längst unter viel
umfangreicherer Beobachtung, weil die Attentäter schon durch Islamismus und
Straftaten aufgefallen waren! Und ich will nochmal daran erinnern, um die
Perversität der SPD-Führung zu demonstrieren: Gerade dieses
drastische Beispiel der Nutzlosigkeit ist der vorgebliche Grund bei der
SPD, bei der Vorratsdatenspeicherung die 180°-Kurve zu nehmen.
Nebenbei ist es auch deshalb kein echter erkämpfter »Kompromiß«, weil
Gabriel den schon vor zwei Wochen mit de Maizière ausgemacht hat. Für die
restlichen verbliebenen Wahldrohnen der SPD wird das Blendwerk wohl
reichen, auch wenn ich die Hoffnung nicht verliere, daß die SPD mal richtig
für ihre ständiges Lügen, Täuschen, Verraten, Umfallen und ihre Machtgier
um jeden Preis abgestraft wird, so, wie die FDP es erfahren mußte.
Ansonsten: Bundesverfassungsgericht, mach Dich bereit, wir kommen!
Vorratsdatenspeicherung
Am nächsten Samstag, also am 20.6., findet der ominöse Parteikonvent der
SPD statt. Daß der Parteivorstand die VDS durchprügeln will, ist schon klar
und eigentlich nicht erwähnenswert. Aber mit welcher Demagogie dies
geschieht, da verschlägt es mir zumindest die Sprache.
Das fängt damit an, daß laut Meldungen von Netzpolitik und Heise die
SPD-Führung selber einen Antrag für den Konvent einbringt, in dem es heißt:
»Der SPD-Konvent spricht sich gegen eine Wiedereinführung der
Vorratsdatenspeicherung […] aus«. Was ich jetzt absichtlich mit den
Pünktchen weggelassen habe, ist der Zusatz »in der bisherigen Form«. Aber
auch mit dem Zusatz könnte man meinen, daß es ein Gegenantrag zu dem
jüngsten Gesetzentwurf sei. Ist es aber nicht. Dann folgen natürlich –
neben dem üblichen Sicherheitsgedöns – ewiglange Erläuterungen, warum die
neue VDS soviel besser ist und natürlich alle Auflagen des BVerfG, des EuGH
und – ganz wichtig – der SPD – erfüllt. Also das Beste seit der Erfindung
geschnittenen Brots. Ja, und es wird ein Datenschutzniveau erreicht, wie es
die Welt noch nicht gesehen hat (so eins wie gerade im Bundestag? Das hohe
Niveau, mit dem uns die Bundesregierung auch vor der NSA- und GCHQ-Spionage
schützt?). Die neue VDS sei mit Grundwerten der Sozialdemokratie vereinbar.
Ja, und die SPD ist ja sowieso die größte Datenschutzpartei überhaupt und
was sie nicht alles noch vorhat zur Rettung der Bürger gegen die Bösen im
Internet. So zum Beispiel mit dem Engagement bei der
EU-Datenschutzverordnung (siehe auch unten, Maas ist da mit im Boot!). Ich
krieg’s Kotzen!
Aber eigentlich die Katze aus dem Sack gelassen hat die Generalsekretärin
Fahimi, die sich ja auch sonst durch größtmögliche Ignoranz auszeichnet (da
wirkt die Grüne Claudia Roth ja noch philosophisch dagegen!). Sie glaubt,
daß der obige Antrag durchkommt, weil – und das muß man sich jetzt auf der
Zunge zergehen lassen – die SPD zu klug sei, um wegen der Auslegung
mehrerer Grundrechtsartikel ihre Regierungsfähigkeit aufs Spiel zu
setzen.
Also, ich formuliere das anders: Wir scheißen auf das Grundgesetz,
solange wir dadurch an der Macht bleiben.
So ein konzentrierte Müll fordert ja geradezu eine
Bashing/Shitstorm-Welle im Heise-Forum heraus. Nicht einmal die SPD-Trolle
wagen da, noch irgendetwas zu sagen. Lohnt sich, mal hereinzuschauen.
Nicht vergessen will ich den
bald obligatorischen Link zum
SPD-Song.
Nachtrag: Einer »Bild«-Meldung zufolge verknüpft Gabriel sein Amt
mit der Zustimmung des Konvents zur VDS. Dann sollten die Delegierten
gleich noch das Thema TTIP mitdiskutieren, dann finden sich bestimmt
genügend Stimmen, um ihn endlich loszuwerden!
Nachtrag II: Zu dem Konvent ist bei der
TAZ ein Artikel erschienen. Er
beschreibt, wie Gabriel taktiert und auch Maas als »Opfer« ausnutzt, um
seine Vorratsdatenspeicherung durchzubekommen. Der Dicke war mir schon
immer unsympathisch, aber das setzt ja die Krone auf.
Nachtrag III: Auch Sascha Lobo schreibt zu dem Thema.
EU-Datenschutzreform
Am Montag haben die Justiz- und Innenminister der EU-Staaten ihre Vision
des zukünftigen Datenschutzes verabschiedet. Nach diversen Meldungen (auch
hier im Blog zitiert) war eigentlich nichts gutes zu erwarten – die ersten
Meldungen (Heise, Zeit) waren jedoch positiv: »Nutzer müssen auch der
Weiterverarbeitung ihrer Daten ausdrücklich zustimmen«. Haben sich
Maizère und Maas nicht durchsetzen können? Warum sind die
beiden dann so zufrieden?
Tja, wie sich nun herausstellt, alles nur Schönfärberei und
Desinformation seitens der Politik, und die besagten Quellen hatten dies
ein bißchen voreilig übernommen. Heise klärt später selber auf:
Zweckbindung und Datensparsamkeit
ausgehebelt. Auch Netzpolitik schreibt: Verhandlungsabschluß zu EU-Datenschutzreform im Rat sieht für Bürger
nicht gut aus. Es reiche ein »guter Grund« des Unternehmens, dann könne
es die Daten der Kunden auch anderweitig nutzen, selbstverständlich auch
gegen den Willen der Kunden. Und die Schwelle muß wohl sehr niedrig sein –
Werbung soll schon so ein solcher »guter Grund« sein. Sprich, die
Merkel-Gabriel-Bande hat sich mit ihrer höchst wirtschaftsfreundlichen und
bürgerfeindlichen Position im EU-Ministerrat durchgesetzt. Es bleibt uns
nur die Hoffnung, daß das EU-Parlament und auch die Kommission in den
kommenden Verhandlungen mindestens den Schutz herausholt, den wir in
Deutschland bislang genießen. Sicher ist das aber nicht. Auch in Sachen
Datenschutz ist das EU-Parlament schon mehrfach umgefallen – ich denke da
z.B. an die ganzen PNR-Verträge.
EZB-Urteil zur Euro-Rettung
Das EuGH hat mal wieder ein fatales Urteil gesprochen. Sie hat die
Staatsanleihen-Aufkauf-Politik der EZB praktisch durchgewinkt. Da sich – ich zitiere mal Herrn
Schachtschneider – das EuGH als Integrationsinstrument der EU sieht, war
das nicht völlig unerwartet.
Das Bundesverfassungsgericht hatte seinen Fall an das EuGH weitergegeben
und hat jetzt nun den Salat, denn sie hatte vorher erklärt, daß sie die
Kompetenzen der EZB als überschritten ansieht. Wie der Kommentar in der FAZ
schreibt, hat Karlsruhe nun das letzte Wort, aber traut es sich auch, etwas
zu sagen? Ich sehe das so wie die meisten FAZ-Foristen – das BVerfG wird
sich dem EuGH-Urteil nicht ernsthaft entgegenstellen. Vielleicht noch ein
weiterer "Solange"-Spruch der Richter zur Gesichtswahrung derselben – hätte
ja schon Tradition. Aber nichts ernsthaftes, was irgendwelche Konsequenzen
für die Politik hätte.
Werner Sinn vom ifo-Institut und Peter Gauweiler, der auch Kläger in dem
BVerfG-Verfahren ist, sehen das EuGH-Urteil auch sehr kritisch. Auch Heribert Prantl von
der SZ meint, sich zu Wort melden zu müssen. Er sieht in dem Urteil eine positive Message, weil das Gericht
rechtliche Grenzen aufgezeigt hätte. Die werden uns viel helfen, wenn
nicht nur Griechenland, sondern ganz Europa bankrott ist.
Sonstiges
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Doofbrindt schießt in Sachen PKW-Maut weiter um sich. Bedenklich
finde ich, daß er im Focus-Forum soviel Unterstützung bekommt. Leider
finde ich das Zitat nicht mehr wieder, das ich vor langer Zeit mal
gelesen hatte: Irgendeine Persönlichkeit hatte mal die Deutschen
kritisiert, weil sie im Vorfeld einer politischen Entscheidung völlig
dagegen und danach völlig dafür seien – wendehalsmäßig also. Wäre schade,
wenn an dem Vorwurf etwas dran wäre.
-
Habt Ihr die Geschichte um den Nobelpreisträger Tim Hunt mitbekommen?
Wegen der Meinungsdiktatur des Political Correctness und der
Feminismus-/Gender-Bewegung muß der 72jährige seine wissenschaftliche Karriere nun beenden.
Was hat der Mensch so böses gemacht? Er hat bei einem Vortrag gesagt, daß
seine Labor-Kolleginnen zu heulen anfingen, wenn man sie kritisieren
würde. Und wie kann man das nennen, wenn eine Frau das nun unbedingt im
Netz zitieren und sich beschweren muß? Genau, Herumheulerei – was seine
Lebenserfahrung nur bestätigt.
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Meinungsfreiheit, Kritikfähigkeit? Nicht in Köln. (via
Fefe)
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Ich bin ja schon ein längerer Warner vor dem vernetzten Auto, inklusive
e-call. Wenn ich die feuchten Träume dieses Strategieberaters lese über die Zukunft
des Automobils mit dem Fahrer/Halter als Cash Cow, wird mir so richtig
schlecht. Frazenbuch läßt grüßen. (Danke, S.)
PS: Meine Merkliste bezüglich TTIP-Meldungen quillt über. Ich denke,
ich mache demnächst mal wieder ein TTIP & Co.-Special, damit ich sie
mal wieder ein bißchen leeren kann. Ich schreibe das bloß, damit niemand
meint, es täte sich nichts mehr oder das Thema würde mich nicht mehr
interessieren.
Vorratsdatenspeicherung und Überwachung
Eigentlich wollte ich mal wieder einen Betrag schreiben, der das Thema
nicht behandelt, aber es geht momentan anscheinend nicht.
-
Offenbar soll das neue Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung doch nicht mehr vor der Sommerpause durch den Bundestag
gepeitscht werden (wenn das nicht mal ein Täuschungsmanöver ist…).
Dennoch fand wie geplant die erste Lesung des Gesetzes statt.
Dabei hat die Opposition dem
Justizminister Maas seine eigene Kritik vorgehalten, die der
Wendehals vor seine Einnordung durch Gabriel gegen die VDS vorgebracht
hatte.
-
Nachdem ich dieses Interview mit dem Sprecher der SPD-Linken gelesen habe, zweifle
ich sehr, daß die SPD-Basis es schaffen könnte, die VDS zu kippen. Ich
lese da den Begriff »Kompromiß«, und das ist bei der SPD in der Regel ein
fauler, stinkender Kompromiß, dessen einziger Zweck es ist, den Anschein
zu wahren, daß man ja im Prinzip dagegen sei. Und bei der
Vorratsdatenspeicherung kann es nur ein solcher sein, denn es sind sich
alle einig, daß es eine Vorratsdatenspeicherung ohne tiefgreifende
Eingriffe in die Bürgerrechte nicht geben kann.
-
Ein Tag vor der Lesung hat übrigens das
Verfassungsgericht in Belgien die
dortige Vorratsdatenspeicherung gekippt – aber keine Sorgen: die
Scheuklappen der CDU-, CSU- und SPD-Politiker funktionieren
hervorragend!
-
Die Kritik an der VDS reißt nicht ab:
Die Bundesdatenschutzbeauftragte
Voßhoff erklärt nochmal klar den Entwurf als verfassungswidrig. Und
auch die Medienverbände und der
Deutsche Anwaltsverein protestieren scharf (siehe auch Spiegel). In der Reaktion fällt Maas nichts peinlicheres ein, als
mit dem Finger auf die privaten Sammler wie Google und WhatsApp zu
zeigen. Mag sein, daß die die größeren, gefährlicheren Datensammler sind
(was ich aber bezweifle). Als Jurist sollte er jedoch wissen, daß eine
Untat keine andere legitimiert. Das hört sich so an, daß im Angesicht des
millionenfachen Mordes der Nazis ein Diktator ein paar hunderttausend
doch töten dürfe…
Ebenso haben die Verbände der Internet- und
Telekommunikationswirtschaft nochmal
Kritik in Form eines Brandbriefes
geäußert.
Auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags betrachtet den Entwurf als
verfassungswidrig und sieht die Vorgaben des
Bundesverfassungsgerichts als nicht erfüllt an. Unter anderem seien die
Berufsgeheimnisträger unzureichend geschützt. Bereiche, für die das
Gericht normenklare Vorschriften verlangt habe, seien stattdessen unklar
formuliert.
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Die schweizer Politiker sind auch nicht besser:
Sie sind für eine »präventive
Überwachung«. Aber die Schweiz ist ja noch eine echte Demokratie mit
Volksentscheiden: Ein solcher wird von den Gegnern jetzt auch in Angriff
genommen. (Nachtrag: Mehr dazu auch noch im
Heises »Was war. Was wird.«).
-
In Kanada hat das Big-Brother-Überwachungspaket nun das
Gesetzgebungsverfahren durchlaufen. Berichte bei
Engadget und Heise. Ebenso
in Frankreich das dortige, wie der Spiegel berichtet.
Digitales (jenseits der Überwachung)
-
Während man hier weiter an der eGK und dem eHealth-Gesetz herumfrickelt
und Datenschutz-Alibis bauen will,
ist man in Großbritannien mal wieder ein Stückchen weiter. Dort sind –
ganz versehentlich natürlich – Daten von 700.000 Patienten an Dritte
weitergegeben worden, obwohl diese
Patienten sich explizit dagegen entschieden hatten. Wieso
kommt mir gerade die Büchse der Pandora in den Sinn?
-
Gegen die Gesundheitskarte (eGK) wurde nach meinen Informationen eine
Verfassungsklage eingereicht (Aktenzeichen 1 BvR 864/15).
-
Den Österreichern fällt nichts dümmeres ein, als die
Speichermedienabgabe und das grandios
gescheiterte Leistungsschutzrecht der Deutschen nachzuäffen (siehe
auch Golem). Natürlich haben auch in der österreichischen Variante des
LSR die eigentlichen Urheber, also die Journalisten, nichts davon,
weshalb sich von deren Seite auch
großer Unmut regt. Da die diskutierte Variante noch schlimmer ist als
die spanische, die wiederum schlimmer als die deutsche ist, hat Google
den Protagonisten dieses Unternehmens
ziemlich unmißverständlich
klargemacht, daß Google unter diesen Bedingungen nicht nur wie in
Spanien Google News schließen würde, sondern möglicherweise die
Online-Publikationen auch aus der Google Suche entfernen würde. Gut
so!
Maut
-
Das hat man vorhersagen können wie das Ahmen in der Kirche: Gauck hätte
die Möglichkeit gehabt, diese unsägliche Maut zu stoppen, aber das tut er natürlich nicht – halt der Bundespräsident von
Merkels Gnaden.
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Zuvor hatte schon der Bundesrat die Chance gehabt, die Maut zu stoppen
oder zumindest zu verzögern. Dank der Verräterpartei ist aber da nichts
daraus geworden (Focus, Spiegel, Heise)
-
Die EU hatte im Vorfeld der Unterzeichnung der Mautgesetze durch Gauck
angekündigt, gegen die Maut zu klagen (erste Berichte in Welt, FAZ, Stern). Doofbrindt weist erwartungsgemäß alle Vorwürfe zurück und beklagt die angebliche Pauschalierung
seitens der EU zurück. Das ist natürlich ein durchsichtiges und somit
oberpeinliches Manöver für ein paar Leichtgläubige, die bislang auf der
Rückseite des Mondes gelebt haben, denn die EU hat klipp und klar und
nicht nur einmal gesagt, was ihr nicht paßt.
Weitere Berichterstattung und Kommentare gibt es bei der Zeit, der Süddeutschen Zeitung, beim Focus und bei Heise.
Griechenland
Wer noch glaubt, Griechenland sei zu retten, der sollte sich mal den
langen Artikel in der FAZ durchlesen: »Griechenland im Würgegriff«
Bargeld
Nachdem Dänemark keine neuen Banknoten mehr drucken will und die
Annahmeverpflichtung von Bargeld zumindest teilweise zu lockern, um so
langsam das Bargeld abzuschaffen (siehe auch RP Online), ist auch der deutsche »Wirtschaftsweise« Peter Bofinger
auf den Zug aufgesprungen. Bei den deutschen Bürgern hat er sich
allerdings eine blutige Nase geholt und ist wieder ein Stückchen zurückgerudert. Es
hat sich zum Glück schon ziemlich herumgesprochen, was die wahren
Beweggründe für die Forderungen nach einer Abschaffung des Bargeldes sind.
(Leser meines Blogs wissen das natürlich auch.)
Politik
-
Auch das in Diskussion stehende Fracking-Gesetz könnte
verfassungswidrig sein. Es geht dabei um das zu gründende
Expertengremium, das Fracking-Projekte bewerten und darüber entscheiden
soll. Kritiker meinen, dem Bundestag würden damit illegal Kompetenzen
entzogen.
-
Sechs Blinde diskutieren über die Farben (siehe auch FAZ). Die CDU, CSU, SPD, FDP, Grünen und Linke haben sich
zusammengeschlossen um festzustellen, warum die Wahlbeteiligung bei
Wahlen in Deutschland sinkt und sinkt. Auch sind Vorschläge gesucht, um
die Leute zum Wählen zu animieren. Erste Vorschläge sind schon da –
leider die gleichen dummen, die wir schon in der Vergangenheit gehört
haben. Besonders »pfiffig« finde ich den Vorschlag der ehemals
freiheitsliebenden »liberalen« Partei: Elektronische Stimmabgabe. Da
haben wohl die Pappköpfe der FDP geschlafen, als das
Bundesverfassungsgericht Wahlcomputer aus gutem Grund für
verfassungswidrig erklärt haben.
Da Selbstkritik nun mal keine Tugend eines Politikers ist (egal welcher
Couleur), ist nicht zu erwarten, daß sie auf des Rätsels Lösung kommen:
Die Politikverdrossenheit, ausgelöst zum Beispiel durch die ständige
Lügnerei und Desinformation, das Nichteinhalten von Wahlversprechen, das
Desinteresse an echten Problemen (Einkommensschere, Einwanderungspolitik,
Kriminalität mit Migrationshintergrund),
Korruption/Vetterleswirtschaft/Wirtschaftshörigkeit (Bankenrettung, TTIP,
CETA et al.), die Symbolpolitik oder die Verlogenheit (z.B. »westliche
Werte« versus Geschäfte mit Terrorregimes wie Saudi Arabien).
Sonstiges
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Manchem, der die Anfänge des Desktop Publishing noch kennt, sind die
Schriften Palatino, Zapf Chancery Italic oder Zapf Dingbats bekannt, weil
sie zum Standard-Umfang der meisten Postscript-Drucker und -Belichter
gehörten. Der Schöpfer dieser und vieler anderer bekannter und markanter
Schriften, Hermann Zapf, ist jetzt im
gesegneten Alter von 96 Jahren gestorben (Nachruf von Heise).
-
Ich muß feststellen, daß ich doch mit
Dilbert in einigen Punkten
übereinstimme.
Lügenpresse
-
In Telepolis ist ein Interview mit einem Politikwissenschaftler
erschienen, der darin erklärt,
wieso es heute
in der Presse keine große Meinungsvielfalt mehr gibt.
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Zwei weitere Artikel diskutieren die Medienverdrossenheit: »Ärger mit der ›Lügenpresse‹« in der NZZ und eine »Internet-Installation« (ich weiß nicht, wie man das sonst nennen
könnte) des Spiegels.
-
Kennt Ihr Ken Jebsen? Nicht? Er ist ein unabhängiger und unbequemer
Journalist und eckt damit natürlich bei der Main-Stream-Presse gehörig
an, die daraufhin versucht, ihn auf die eine oder andere Art zu
diskreditieren. Fefe hat in seinem Blog schon mehrfach auf ihn verlinkt,
und daher kenne ich ihn auch. Er ist vielleicht nicht der sympatischste
Typ und man kann über ihn geteilter Meinung sein, aber man sollte meines
Erachtens mal gehört haben, was er zu sagen hat. In seinem YouTube-Kanal
habe
ich einen Clip gefunden, wo er als ehemaliger Waldorf-Schüler einen
Vortrag vor ebensolchen hält. Da er sich selber und seine Arbeit dort
auch vorstellt, ist der Clip vielleicht geeignet, ihn und seine Meinung
kennenzulernen. Der Vortrag dauert rund eine Stunde, aber man muß ihn
nicht unbedingt bis zum Ende schauen. Allerdings würde ich mir die
Seitenhiebe auf Gauck nicht entgehen lassen…
Öffentlich-rechtlicher Rundfunk
-
eine weitere Studie fordert die Abschaffung der Rundfunkgebühren und
Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks (Berichte bei
Heise, Golem und Stern).
-
Ein Journalist ist auf eine neue Idee gekommen, um (vorerst) um die
Zahlung der Rundfunkgebühren herumzukommen: Es gibt ein Gesetz (noch,
siehe oben zum Bargeld), das die Möglichkeit zur Barzahlung verlangt.
Der Beitragsservice bietet das aber nicht an.. Aufgrund des
Medienrummels hat sich der Beitragservice nun doch reagiert und zitiert
irgendwelche Regeln aus dem Rundfunkstaatsvertrag. Der Journalist ist aber der Meinung, daß diese Regeln nicht über
deutschem und europäischem Recht stehen kann. Bin mal gespannt, wie das
weitergeht… (Nachtrag: neuer Stand)
Man kann sich fragen, ob die Politiker weltweit sich Mittel in die Hand
geben wollen, um ihre Macht, ihre »freizügige« Interpretation der
Demokratie aufrecht zu erhalten, oder ob es bloß unendliche (dumme)
Technikgläubigkeit und Blauäugigkeit ist, wie Sascha Lobo in seiner Spiegel-Kolumne schreibt. Fakt ist aber, daß
wir alle wegen aberwitziger Versprechen in unserer Freiheit, in unseren
Grundrechten beschnitten werden, daß wir früher oder später bei uns die
Schere im Kopf ansetzen, und uns vieles nicht mehr sagen und tun trauen,
was eigentlich in einem freien Land selbstverständlich möglich sein
sollte.
Vorratsdatenspeicherung reloaded, Teil II
Jegliche Kritik ignorierend, als wäre sie nie ausgesprochen oder
niedergeschrieben worden, hat das Bundeskabinett den Entwurf von
Justizminister Maas durchgewunken, ganz gemäß dem vorher durchgesickerten
Zeitplans für das Durchprügeln der VDS durch’s Parlament.
-
Meldungen zu dem Beschluß bei
Heise, Zeit, Spiegel, Netzpolitik.
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Golem zitiert zusätzlich noch die amtierende Bundesdatenschützerin
und ehemalige CDU-Abgeordnete Andrea Voßhoff, die die VDS inzwischen
für verfassungswidrig und falsch hält. Mittlerweile wird sie von ihrer
Partei geschnitten (s.u.). Voßhoff hat übrigens
gerade mal 30 Stunden Zeit
bekommen, um ihre Stellungnahme zu dem Enwurf abzugeben!
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Wendehals Maas hält seinen Entwurf für
gerichtsfest (Artikel zitiert
Kritik der Grünen-Politikern Renate Künast sowie vom Rechstvorstand
Oliver Süme vom eco-Verband). Wer sich es wirklich antun will, wie Maas
wegen seines »Sinneswandels« in der Pressekonferenz herumeiert, kann das
in dem Transkript lesen, das Netzpolitik erstellt und veröffentlicht hat.
-
Bei soviel Kritik quer durch alle Schichten kommen jetzt die
Überwachungsfanatiker aus ihren Löchern gekrochen. Es fängt mit dem
Richterbund an.
Auch Patrik Sensburg geht die Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug.
Er sieht den jetzigen Entwurf lediglich als Startpunkt, den man dann salamimäßig Schritt für Schritt ausbauen
kann. Mit dieser Aussage disqualifiziert sich natürlich der Herr als
Vorsitzender des NSA-Untersuchungsausschusses. Aber hey! Wir wissen doch
alle, daß von vorneherein seine Aufgabe war und ist, den Skandal zu
vertuschen, die Arbeit des Ausschusses in die Länge zu ziehen und zu
boykottieren. Sonst hätte Snowden schon längst vor dem Ausschuß aussagen
können!
Ähnlich – lediglich als Schritt sieht das die Gewerkschaft der Polizei,
wie Heise berichtet (Artikel
weiter oben auch schon zitiert).
Den Vogel schießt jedoch der Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK),
meiner Überzeugung nach inoffizielle Nachfolgeorganisation der Gestapo
und Stasi, ab. Sie sprechen von einer »Pervertierung des
Grundrechtsschutzes«. »Auch die Beschränkung auf schwere Straftaten und
Terrorgefahr sei falsch: Telekommunikationsdaten würden heute auch bei
Alltagskriminalität wie dem Wohnungseinbruch und bei Betrugstaten
benötigt«, zitiert Golem den BDK. Die Urteile vom BVerfG und EuGH offenbar
nicht einmal im Ansatz verstanden!
-
Es gehen immer noch die Meinungen auseinander, ob es auf dem
bevorstehenden SPD-Parteikonvent noch eine Chance gibt, die VDS zu
kippen. Ein immer größer werdender Teil
der Basis ist freiheitsliebender als der Kopf der Partei und lehnt
sich dagegen auf. Auch der Spiegel berichtet. Langsam bekommt die CDU/CSU weiche Knie. Sie
diskreditiert die Kritik der Basis als »Hysterie« und fordert die
SPD-Führung auf, die Diskussion in der SPD beenden, was die dann auch
versucht. In solchen Momenten kann man mal wieder richtig sehen, was die
CDU/CSU von Demokratie – diesmal der innerparteilichen – hält.
-
Die Scheinheiligkeit der Politiker in Sachen VDS wird übrigens wieder
dadurch offensichtlich, daß nach dem Edathy-Skandal die Speicherfristen
im Bundestag nicht herauf-, sondern herabgesetzt wurden. Ich habe den Link in einem Beitrag
in einem Heise-Forum wiedergefunden.
-
Kommentar von Constanze Kurz (CCC) in einem Gastartikel bei der FAZ: »Vorratsdatenspeicherung: An der Grenze
des geltenden Rechts«
Weiteres in Deutschland
-
Eher im Hintergrund läuft die Reform des Verfassungsschutzes. Bei der
vorgesehenen Anhörung der Bundesdatenschutzbeauftragten und ehemaligen
CDU-Abgeordneten Voßhoff wurde diese kurzerhand von der CDU ausgeladen. Parlamentarische Demokratie
ist doch schon etwas lästiges, oder nicht, liebe CDU?
-
In
einem Gastbeitrag bei der Zeit beleuchtet Malte Spitz von den Grünen
den Datenschutz vom vernetzten Auto, auch bezüglich des demnächst
zwangsweise verbauten eCall-Systems und der Vorratsdatenspeicherung.
-
In Deutschland wird auch immer mehr
videoüberwacht. Die Kameras helfen
vielleicht zur Aufklärung, aber nicht, um irgendwelche Verbrechen zu
verhindern.
-
Telekotz läßt BND gegen Salär
Auslandsverbindungen abgreifen. Grünen-Politiker aus den
Nachbarländern wollen dagegen klagen.
-
Bei der ganzen Diskussion um NSA, BND, Vorratsdatenspeicherung usw.
geht an uns vorbei, daß eine weitere Behörde massiv schnüffeln und Rechte
verletzen darf: der Zoll! Schäuble will das sogar noch deutlich
ausbauen, da wird selbst die Gewerkschaft der Polizei neidisch!
Details & Links bei
Fefe.
-
Die Süddeutsche Zeitung berichtet über den Stand bei der Geschwindigkeits-Abschnitts-Kontrolle auf
Autobahnen in Deutschland, wie er in Österreich schon einige Jahre
existiert. Wie bei der Maut besteht die Gefahr, daß das System mißbraucht
wird und die Daten jenseits des ursprünglichen Zwecks genutzt werden. Vom
potentiellen Mißbrauch abgesehen wehre ich mich auch dagegen, immer und
überall diszipliniert zu werden.
-
Ein mittlerweile etwas älterer Artikel zum BND-Selektoren-Skandal in
der FAZ: »So handelt nur, wer Unangenehmes zu verbergen hat«
USA
-
In den USA geht es zur Zeit hoch her um die Verlängerung des Patriot
Acts, speziell, nachdem ein Gericht die US-Telefonüberwachung für illegal
erklärt hat (Süddeutsche Zeitung,
Heise, Engadget). Die Kontroverse liegt wohl auch daran, daß das Thema
Überwachung mittlerweile auch von den Amerikanern immer kritischer
betrachtet wird, wie
die
Zeit berichtet. Das FBI kann übrigens keinen Terrorfall nennen,
der durch die Befugnisse
gelöst werden konnte.
-
Die US-amerikanischen
Sicherheitsbehörden wollen jetzt auch massiv an die Kfz-Kennzeichen
heran, wollen sich aber selber nicht die Finger schmutzig machen. Sie
suchen private Firmen, die das für sie tun. Die üblichen Scheinargumente
wie »nationale Sicherheit« und »Kinderpornographie« müssen mal wieder
herhalten. Ach ja, die Daten sollen ohne Begrenzung, also bis in alle
Ewigkeit, gespeichert werden.
-
Philip Zimmermann, der Entwickler, der PGP geschrieben hat und somit
die Verschlüsselungstechnik für jedermann verfügbar gemacht hat, hat die
Schnauze voll und kehrt dem Big-Brother-Staat USA den Rücken zu.
Er zieht in die Schweiz. (via
Fefe)
Kanada
-
Ja, auch Kanada will nicht zurückbleiben im Wettbewerb um den
fortschrittlichsten Big Brother-Staat, und
beschließt neue
»Anti-Terror«-Gesetze (siehe auch Engadget). Der Rechtsstaat wird Stück für Stück abgeschafft: Die
freie Meinungsäußerung wird eingschränkt, denn eine falsche Äußerung kann
schon als terroristischer Akt gewertet werden, selbst wenn die Äußerung
nicht vorsätzlich gemacht wurde. Auch wer eine solche Äußerung Dritter
verbreitet, z.B. durch Social Media, oder auch nur im privaten Umfeld,
macht sich strafbar. In Kanada lebende Ausländer werden praktisch zum
Freiwild. Sie und ihre Anwälte bekommen keinen Einblick in die Vorwürfe,
wenn sie als Sicherheitsrisiko eingestuft werden. Generell bekommen die
Geheimdienste mehr Rechte zur Überwachung. Auch lesen einige die
Erlaubnis zur psychischen Folter aus den Gesetzen. Daß es zudem eine
geheime No-Fly-Liste geben wird, wirkt gegenüber den anderen Maßnahmen
noch als absolut harmlos.
Und eins noch: Ob Kanada, Deutschland oder Türkei: Massive Kritik aus
der Zivilgesellschaft wird einfach ignoriert. So funktioniert
»Demokratie« heute.
Großbritannien
Frankreich
-
Das Überwachungspaket, von dem ich früher schon berichtet habe, ist
jetzt durch. Berichte bei Heise,
Golem und Slashdot.
Seitdem die Ir(r)en in einer Volksabstimmung für die Homo-Ehe gestimmt
haben, wittern die Proponenten in Deutschland ihre Chance und haben eine
unvergleichliche Medienkampangne losgetreten. Dabei wird jeder, der nicht
in einer Millisekunde auf dem Homo-Ehen-Zug springt, als homophob,
intolerant und rückständig bezeichnet und ausgegrenzt (ich will ja nicht
Godwin’s Law in Gang setzen, sonst würde ich das mit einer überschäumenden
Begeisterung vor 80-90 Jahren vergleichen…). Das Recht, eine nicht
umfassend zustimmende Meinung zur Homo-Ehe und zur Homosexualität im
allgemeinen zu haben, wird zunehmend verweigert. Eine Minderheit aus wohl
5% versucht auf schamlose und aggressive Weise, der Mehrheit ihren Willen
aufzuzwingen. Und wie die Moslems fordern sie Toleranz, praktizieren sie
aber selber nicht. Das geht mir gewaltig auf die Nerven.
Selbst konservative Blätter reihen sich in den Reigen ein, wie zum
Beispiel die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Dort wird doch allen Ernstes die
Homo-Ehe damit begründet, daß die »Natur es bunt mag«. Es ist wohl so, daß
auch bei Tieren Homosexualität vorkommt. Aber dort schlägt nun mal Darwin
in vollem Umfang zu – sie vererbt sich nicht und wird so von der Natur
nicht gefördert. Zudem wird das übliche Cherry-Picking betrieben – der
Vergleich mit der Natur hinkt gewaltig. Es gibt Spinnenarten, bei denen das
Weibchen nach dem Akt das Männchen tötet und auffrißt. Ein Löwenmännchen
zwingt bisweilen ein Weibchen zur Partnerschaft und tötet zudem den
Nachwuchs des vertriebenen Vorgängers. Auch Prostitution, Vergewaltigungen
und Inzucht werden im Tierreich beobachtet. Folgt man der Logik der
Autorin, müßte man das alles legalisieren.
Und nicht nur im Tierreich gibt es andere soziale Gemeinschaften. Mir ist
aufgefallen, daß ich noch kein Argument für die Homo-Ehe gehört habe, das
nicht gleichzeitig auf Polygamie zutrifft. Wenn es angeblich
unproblematisch sein soll, daß zwei Männer oder zwei Frauen zusammenleben
und Kinder großziehen, warum nicht auch eine Gruppe von Frauen und/oder
Männern? Und es ist ja nicht so, daß Polygamie ein theoretisches Konstrukt
ist, sondern es wurde und wird praktiziert. Mich würde (ernsthaft!) mal die
Position der Proponenten dazu interessieren – das könnte entlarvend
werden!
Nebenbei, unabhängig von der Frage, ob gleichgeschlechtliche
Partnerschaften juristisch völlig der Partnerschaft zwischen einer Frau und
einem Mann gleichgestellt werden soll, sehe ich den Begriff »Ehe« nun
einfach per definitionem als letzeres und seit tausenden von Jahren im
Gebrauch. Und ich sehe keine Notwendigkeit, diese Definition zu ändern.
Inzwischen ist der Referentenentwurf für die neue Vorratsdatenspeicherung
veröffentlicht worden – nicht von der Bundesregierung, sondern von Netzpolitik, zusammen mit einem Aufruf, aktiv gegen die
Gesetzesinitiative zu werden. Die Autoren im Justizministerium haben sich
einen neuen Euphemismus für die VDS ausgedacht:
»Höchstspeicherfrist« !!! Da könnte man denken, das definiere eine
maximale Speicherdauer für die Verkehrsdaten, und dem Gesetz sei Genüge
getan, wenn der Provider überhaupt nichts speichern würde. Dem ist
natürlich nicht so.
Neben dem, was Maas und Maizière vorher schon schemenhaft angekündigt
hatten, manifestieren sich im Entwurf auch die im Vorfeld aufgedeckten
geheimen Absprachen zwischen Justiz- und Innenministerium um den
vereinfachten Zugriff auf die Bestandsdaten ohne richterliche Kontrolle.
Eine schäbige Lügnerei ohne Ende schon im Verfahren selbst – das ist
offenbar die Demokratie und Ehrlichkeit, wie die heutigen Politiker sie
verstehen.
Außerdem enthält der Gesetzenwurf im Huckepack Regelungen zur
(verschärften) Strafbarkeit der sogenannten Datenhehlerei, obwohl das Thema
mit der Vorratsdatenspeicherung absolut rein garnichts zu tun hat – eine in
den USA beliebte, aber dort genauso undemokratische Methode nimmt also
Einzug in das deutsche Gesetzgebungsverfahren. Es darf natürlich in dem
Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, daß das Gesetz den Behörden eine
großzügige Carte blanche mit wachsweichen Regelungen ausstellt, und damit
z.B. der Aufkauf von gestohlenen Bankkontendaten zur Ermittlung von
Steuersündern völlig legal wird.
Ein weiteres Thema ist, daß die Gesetzgebung durch’s Parlament gejagt
werden soll – wegen angeblicher Eilbedürftigkeit. Tatsächlich soll das
Gesetz laut Patrick Breyer (s.u.) aber erst 2017 in Kraft treten. Die
Eilbedürftigkeit ist also (scheinbar) überhaupt nicht gegeben. Tatsächlich
ist das aber ein doppelter Trick: Einerseits will man den Kritikern in den
eigenen Reihen (speziell in der SPD) und in der Zivilgesellschaft während
der Gesetzgebung sowenig Zeit wie möglich geben, den Widerstand zu
organisieren. Andererseits ist der Termin 2017 mit Bedacht gewählt, um das
Gesetz nach der Verabschiedung zu schützen. Der gemeine Bürger hat
nämlich nur ein Jahr lang die Möglichkeit, vor dem Bundesverfassungsgericht
direkt gegen ein Gesetz zu klagen, ohne die Instanzen durchlaufen zu
müssen. Dazu muß er aber gleichzeitig noch von dem Gesetz betroffen sein.
Wenn das Gesetz jedoch noch nicht in Kraft ist, dann ist er per
definitionem aber eben (noch) nicht betroffen. Und bis 2017 sind es –
potzblitz – noch eineinhalb Jahre… Je mehr ich darüber nachdenke, desto
mehr bekomme ich das Kotzen über diese Zwangsdemokraten von der CDU, CSU
und SPD!
Nun zu den Links:
Meldungen
(Juristische) Analysen
Sonstiges
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Aus der Ecke der Netzbetreiber (von der Telekotz mal abgesehen)
kommt Kritik wegen den hohen Kosten möglicher Umsetzungen der VDS, was
vor allem kleine und mittlere Provider treffen würde und sie sogar zum
Konkurs führen könnte.
-
Netzpolitik ruft auf, sich gegen die Vorratsdatenspeicherung zu engagieren.
-
Noch bis zum 27.5. läuft eine Petition gegen die VDS. Offenbar wurde die nicht rechtzeitig
und umfassend unter’s Volk gebracht (habe sie selber auch sehr spät
entdeckt), sonst hätte ich mit einer hundertfachen Zahl Mitzeichnungen
gerechnet bzw. mir erhofft.
-
Bei der re:publica15 gab es einen Vortrag von einem Mitglied des
Netzpolitk-Teams unter dem Titel »Lügen für die Vorratsdatenspeicherung«. Ich selber habe ihn
leider noch nicht angeschaut, könnte mir aber gut vorstellen, daß er
interessant ist.
-
Irgendwo las ich (ich schätze mal in einem Kommentar im Heise-Forum),
daß sich das GCHQ auch über die VDS freuen dürfte. Nach britischer
Gesetzgebung darf er nämlich auf alle gesammelten Daten der britischen
Provider zugreifen, und der in Deutschland viel genutzte
Mobiltelefon-Provider Vodafone ist so einer. Das GCHQ bekommt die Daten
also auf einem Tablett serviert. Allerdings glaube ich, daß er die Daten
jetzt schon abgreift…
-
Ich war am Samstag, den 23.5., in Hamburg auf der
»Freiheit-statt-Angst«-Demo (Beweisfoto hier, gemacht von den Piraten), die jetzt nicht mehr nur einmal im Jahr in Berlin
stattfindet, sondern dieses Jahr als eine
Tour durch
Deutschland organisiert wird. Hamburg war die zweite Station. Natürlich
waren nicht so viele Demonstranten zu erwarten wie bei der zentralen
Veranstaltung, und leider haben die Datenschützer mit dem allgemeinen
Abstumpfen der Bevölkerung zu kämpfen. So kamen nur 700-1.000 Leute
zusammen – zu wenig, um in der Presse und in den Staatsmedien Erwähnung
zu finden (auch dort gibt es ein bedauerliches Desinteresse).
Auf der positiven Seite ist aber zu vermelden, daß der Demozug durch
belebte Straßen ging, sodaß unsere Rufe nicht ungehört in den samstäglich
unbelebten Behörden- und Bürovierteln verhallten wie letztens in Berlin.
Zudem war neben Padeluun auch Patrick Breyer anwesend, der damals für den
AK Vorrat die Verfassungsbeschwerde gegen die erste Vorratsdatenspeicherung
mitverfaßte und sie damit zu Fall brachte. In seiner Rede erzählte er von
dem 2017-Problem (siehe oben). Er war aber zuversichtlich, auch dafür eine
Lösung zu finden. Daneben haben – soweit ich weiß – auch die Grünen und die
Linken angekündigt, vor dem BVerfG gegen die neue VDS zu klagen. Für sie
als Fraktion bzw. Abgeordnete gilt m.W. nicht die Voraussetzung der
persönlichen Betroffenheit, somit sollte für sie die Taktik der Groko
unerheblich sein.
Frei nach Murphy’s Law: Ein System macht immer dann Probleme, wenn
es für die nächste Zeit unerreichbar ist. So diesmal mein DSL-Router in
Zusammenarbeit mit meinem Provider. Nach den üblichen 24 Stunden ist die
Verbindung nicht richtig unterbrochen und neu aufgesetzt worden, sodaß
dieser Blog und andere auf dem gleichen System laufenden Webseiten nicht
mehr erreichbar waren, wobei mir letzteres aus bestimmten Gründen besonders
leid tut.
Aufgrund des Vorfalls konnte ich in den letzten 10 Tagen auch nicht meine
immer länger werdende Link-Liste zur VDS und anderen Themen in
Blog-Einträge umwandeln. Das werde ich aber noch nachholen, auch wenn
manches dann doch schon bißchen veraltet ist.