Überwachung
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Es ist jetzt herausgekommen, daß die US-Amerikaner massenweise
Autokennzeichen scannen und bevorraten. Ursprünglich gedacht, um im
Grenzgebiet zu Mexiko Drogenkuriere zu identifizieren, hat auch hier der
von Überwachungskritikern immer wieder befürchtete Ausweitungseffekt
zugeschlagen – hier räumlich wie auch von der Nutzung: Berichte bei
Engadget, Süddeutscher
Zeitung und Heise.
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Nachdem, wie berichtet, Großbritannien und andere EU-Staaten
vorgeprescht sind, will die EU das Thema Fluggastdatenspeicherung
vorantreiben, wie z.B. Spiegel und Golem berichten. »Lustig« finde ich das ja mit der Anonymisierung
nach sieben Tagen. Das ist natürlich reines 1984er Neusprech, denn
anonymisiert wird da gar nichts. Einzig bekommt da ein Personenkreis nach
der Zeit nicht mehr alles zu sehen. Auch die Innenminister der EU-Staaten
machen bei diesem Müll mit (Süddeutsche
Zeitung, Heise).
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Siri, die Spracherkennungssoftware auf Apples iPhones und iPads (und
vielleicht bald auch auf Apple-PCs)
plaudert die Kontaktdaten des
Gerätebesitzers an jeden, der fragt, aus – auch wenn das Gerät
gesperrt ist!!! Daß Siri cloud-basiert und damit somit sowieso
höchstkritisch ist, sei nur am Rande erwähnt.
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Sascha Lobo in seiner Spiegel-Kolumne über Verschlüsselung: De Maizière erklärt sich selbst den Krypto-Krieg
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Vorratsdatenspeicherung von der EU
nicht mehr weiter verfolgt? Das war dann doch wohl eher eine Finte,
wie Netzpolitik berichtet. Man weiß nur noch nicht genau, wie man das
anpacken will. Auf jeden Fall breiter. Nach deren
Wunschvorstellungen soll auch Social Media als zu bevorratenden Metadaten
deklariert werden.
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Ein Appell, der in Brüssel und in den Hauptstädten ungehört verhallen
wird: Der Ex-Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung schreibt in
der Süddeutschen Zeitung: »Anschläge von
Paris dürfen nicht Europas 9/11 werden«
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Auch der Europarat warnt: »Massenüberwachung ist eine grundlegende Bedrohung der
Menschenrechte«
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Hat man ihr nicht zugetraut: Die aktuelle Bundesdatenschützerin Andrea
Voßhoff, die als nur ein schwacher Ersatz für ihren Vorgänger Peter
Schaar und als Merkel-hörig gilt, hat ihre Position zur Vorratsdatenspeicherung geändert.
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Mega-Peinlichkeit für BMW: Die mittlerweile in fast allen Modellen
zwangsweise verbaute Überwachungswanze »ConnectedDrive« (der Nutzen für
den Kunden gegenüber einem Mobiltelefon ist ziemlich marginal) hatte eine
schwere Sicherheitslücke, die jedem das Öffnen der Türen oder Aktivieren
der Warnblinkanlage ermöglichte (und vielleicht auch noch mehr), wie
Focus und Heise berichten.
Wenn ich den Heise-Artikel lese, lief bislang die Kommunikation
unverschlüsselt ab! Erschreckend in diesem Zusammenhang ist auch die
Erkenntnis, daß BMW die Software von ConnectedDrive über das
Mobilfunknetz aktualisieren kann! Das ist für Polizei- und
Überwachungsstaaten bestimmt sehr wertvoll. Privacy-by-design oder auch
security-by-design ist da was anderes, BMW!
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Immer wieder die gleichen Forderungen merkbefreiter Leute: Der
Präsident des Verkehrsgerichtstags will die Mautdaten für die Verbrechensaufklärung nutzen.
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Peter Sunde, der gerade aus dem Gefängnis entlassene Mitbegründer von
The Pirate Bay, des größten P2P-Verzeichnisses urhebergeschützten
Materials, zieht eine ziemlich negative Bilanz des Kampfes um die Freiheit.
Auf einen Erfolg kämen zehn Niederlagen. Der Mensch werde zur wandelnden
Geldbörse degradiert. Ich muß ihm leider im großen und ganzen
rechtgeben.
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Heise berichtet über die weitere
Diskussion um das Ausforschen verschlüsselter Kommunikation mittels
Quellen-TKÜ.
TTIP, CETA und Co.
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Große Sauerei: EU und die USA wollen sich bei TTIP gegenseitig
das Recht geben, bei Gesetzgebungsverfahren einzugreifen. Alle
Gesetzesvorhaben müßten dem Partner angekündigt und ihm gegenüber auch
gerechtfertigt werden. Insbesonders sollen dadurch Gesetze verhindert
werden, die der Wirtschaft schaden (und vielleicht den Bürgern nutzen).
Das ist natürlich eine weitere Aushöhlung der Souveränität sowohl der
Bürger in der EU als auch in den USA. Unter anderen berichten der
Spiegel, die FAZ und die
Zeit.
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TTIP-Auswirkungen in die andere Richtung: Die EU hat – auch wenn man's
nicht glaubt – offenbar eine viel schwächere Bankenregulierung als die
USA. Die TTIP-Gegner fürchten nun, daß in Folge eines TTIP-Abkommens die USA ihre Regulierung auf
EU-Niveau herunterschrauben müßte.
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Eine Frau aus Lüdenscheid bereitet eine Klage gegen CETA vor dem
Bundesverfassungsgericht vor. Wer sie unterstützen will, ob durch
Unterschrift, Mitkläger oder Geldspender, findet hier weitere Informationen.
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Oh, das riecht nach einem gesponserten Artikel, liebe FAZ! Wenn Obama und Merkel für TTIP sind, dann
müsse es doch richtig sein, schwingt es da mit. Und, oh Drama,
Deutschland sei Schlußlicht! Worin? In der Zustimmungsquote zu TTIP. Das
ist eine Standpunktfrage: Nein, lieber Autor, wir sind die Spitze! Das
sehen auch die meisten der Kommentatoren unter dem Artikel so. Einer von
ihnen hat bei Wikipedia über den Autor Frankenberger nachgelesen.
Dort wird er als so etwas wie ein vernetztes Sprachrohr der Elite
bezeichnet.
Maut
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Die Zeit hat sich vor Gericht
erstritten, daß Dobrindt bzw. sein Ministerium im Detail offenlegen
muß, wie er/es auf die antizipierten dreistelligen Millioneneinnahmen
durch die Maut kommt. Wenn die sich so geweigert haben, wird wohl nicht
viel dran sein an deren Rechnung. Mal schauen, was die Zeit berichten
wird.
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Das große Hindernis bei der Maut ist die EU, die eine
Ungleichbehandlung der Ausländer fürchtet. Die zuständige Kommissarin Violeta Bulc will dann lieber
mittelfristig eine universelle, einheitliche Maut in ganz Europa
(siehe auch Heise). Am besten
entfernungsbasiert, mit tollster Schnüffelhochtechnologie, die der Markt
so bietet. Am Ende kommt natürlich der obligatorische, nie ernst gemeinte
Spruch, daß alles datenschutzkonform passieren müsse.
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Datenschutz steht auch bei der deutschen Lösung nicht wirklich auf der
Agenda. Heise berichtet, daß bis
heute keine technischen Details bekannt sind. Wenn aber schon seitens des
Ministeriums argumentiert wird, daß Mautdaten nicht ähnlich zu
Kommuniktationsverbindungsdaten seien (was aber natürlich so ist) und
Alternativen ohne elektronische Erfassung nicht bekannt seien, dann ist
da nicht mit einer Lösung zu rechnen, die von den Datenschützern
akzeptiert werden könnte.
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Bei der Zeit gibt es auch noch Pappköpfe, die die Maut generell für
richtig halten. Daß die Mineralölsteuer bereits eine
entfernungsabhängige Maut darstellt (und sogar ökologisch differenziert,
weil Spritschleudern mehr zahlen), ist bei dem Schreiber noch nicht
angekommen.
Sonstiges
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Wenigstens die Schweizer dürfen über die Finanzierung ihres öffentlich-rechtlichen Rundfunks
abstimmen.
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Gegen die Finanzierung des deutschen ÖR gibt es eine schon länger laufende Petition mit immerhin schon über 540.000
Unterschriften. Dort findet sich auch ein Link zu einem
FAQ
rund um den Protest und um die Klagen gegen die Rundfunkabgabe. Eine
weitere Aktion ist die sogenannte
»Ständige
Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien«. Sie machen den
Rundfunkanstalten durch formale Beschwerden, die von diesen bearbeitet
werden müssen, das Leben schwer.
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Was für ein Schwachsinn: Der
Verkehrsgerichtstag fordert 80 km/h auf
Landstraßen, sowohl für PKW als auch LKW, damit es keinen Grund mehr
gäbe, die LKW gefährlich zu überholen. Daß es dann schwerere Unfälle mit
LKW (wegen der höheren kinetischen Energie) gibt, ist wohl Nebensache.
Wenn es um Einschränkungen der Freiheit geht, dann ist natürlich
die Polizeigewerkschaft auch gleich dabei. In Nordrhein-Westfalen
bräuchte man übrigens gar nicht viel zu ändern. Hier darf man auf den
meisten Straßen eh nur 70 km/h fahren, selbst auf breiten, frisch
asphaltierten Straßen.
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Der umstrittene Kopp-Verlag berichtet in seinem Blog von dem faulen EU-Kompromiß zur grünen Gentechnik, wo Monsanto & Co.
erfolgreich ein trojanisches Pferd eingebaut haben.
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Lügenpresse: In Berlin ist wieder ein brutaler Ehrenmord durch einen
Türken passiert, und die politisch korrekte Presse unterdrückt die
Motivation und die Herkunft des Täters solange, bis es nicht mehr zu
verheimlichen ist. Ein anderer Beitrag im Blog des Kopp-Verlags
beleuchtet diese ganze Ehrenmord-Geschichten und enthält den Vorwurf, daß die Täter in
Deutschland auch noch einen Kulturbonus vor den Gerichten bekämen.
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Václav Klaus, der ehemalige Präsident Tschechiens, war nie ein großer
Freund der EU. Dem Focus gab er ein Interview mit einem vernichtenden Urteil über
die EU. Vielem kann ich vollumfänglich zustimmen, z.B. diesen beiden
Aussagen:
»Ich lebe in einer Welt, die stark von oben herab bestimmt wird. Ich
habe damals gedacht, dieses Prinzip sei mit dem Fall des Kommunismus
gestorben. Doch jetzt sehen wir etwas sehr ähnliches.«
»… Andererseits gibt es die europäischen Institutionen. Da ist gar
nicht die Frage nach einem Demokratiedefizit, es geht um ein komplettes
Fehlen von Demokratie. Das als ›Defizit‹ zu bezeichnen, ist zu politisch
korrekt.«
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Wolfgang Kubicki, FDP, sagt, wie immer, seine Meinung frei heraus:
Diesmal zu den USA-Absichten im Ukraine-Konflikt: »USA wollen Putin stürzen«. Glaube ich sofort. Die USA-treue
Pfeife Lindner ist natürlich not amused, aber wo wohnt der, den das
interessiert…
Ich mache da gerade meine ersten Erfahrungen. Die sind zum Glück bei
weitem noch nicht so schlimm wie die hier (Kommentare lesen!). Dazu kann man nur sagen: Wir leben in
einem tollen Rechtsstaat: Macht man von seinem Recht Gebrauch (z.B. dem
Klagerecht oder dem Recht auf informationelle Selbstbestimmung), wird man
beschimpft, drangsaliert, genötigt und erpreßt. Und viele machen mit. Mir
soll noch jemand erklären, die Menschen hätten irgendetwas aus unseren zwei
totalitären Staatssystemen gelernt.
TTIP & Co.
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Hmm, lecker: Babynahrung mit Pestiziden. Dank TTIP wird das absolute Verbot
von Pestiziden nicht zu halten sein.
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Wenn in Deutschland ein Thema bei der Bevölkerung unten durch ist, dann
macht es Merkel zur Chefsache. Nun so
bei TTIP. Denn wenn Mutti es macht, dann wird alles gut – so muß sich
wohl Merkel in der Bevölkerung sehen, gestützt durch die hohen
Beliebtheitswerte der Staatsratsvorsitzenden, die ich mir beim besten
Willen nicht erklären kann.
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Die EU will nicht nur die 95% negativen Einwendungen zu TTIP
ignorieren, sie hat auch Angst, daß ihr nationale Parlamente bei TTIP und
CETA querschießen. Die österreichische Sektion von Greenpeace hat nun
aufgedeckt, daß die zuständige Kommissarin Cecilia Malmström versucht, diese auszuhebeln, und
zwar dadurch, daß die EU mit den Amerikanern und Kanadiern die
»vorläufige Anwendung« vereinbart, noch bevor überhaupt TTIP und CETA
ratifiziert wird. Wahnsinn, oder? (via
Fefe)
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Der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht, Siegfried Broß,
sieht in den TTIP-Schiedsgerichten einen
klaren Verstoß gegen das Verfassungs-,
EU- und Völkerrecht.
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Die Zeit hat ein Interview mit der Lobbykritikerin Pia Eberhardt zum
TTIP-Investorenschutz: »Die EU-Kommission verhöhnt die Demokratie«.
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TISA wird geheim verhandelt. Und damit wirklich nichts herauskommt, in
der australischen Botschaft. Die Amerikaner möchten zudem, daß der
Vertragstext frühestens fünf Jahre nach Abschluß im vollen Umfang
bekannt wird. Mehr zu TISA in einem
Artikel der Süddeutschen Zeitung (via
Fefe).
Sonstige Politik
eGK/eHealth
Lügenpresse
Islam
Das Grundrecht, sich unbeobachtet zu bewegen, sei es in der realen Welt
oder im Internet, droht nun final unter die Räder zu kommen. Die Attentate
auf Charlie Hebdo und den jüdischen Supermarkt kommen den Feinden der
Freiheit in den Politikerriegen der EU-Staaten und der EU selber gerade
recht, egal, ob die nun geforderten Maßnahmen diese hätten verhindern
können oder nicht.
Da wäre zum einen die nun wieder aufkommenden Forderungen nach der
Vorratsdatenspeicherung, wie ich auch schon berichtet habe. Merkel hat das
in ihrer Regierungserklärung nochmal betont. Schizophren dabei ist, daß sie
sagt, es verbiete sich der Generalverdacht gegen die Moslems, aber sie
gleichzeitig den Generalverdacht gegen alle durch die
Vorratsdatenspeicherung gutheißt. Und offenbar ist die SPD jetzt auch schon final umgefallen.
Sascha Lobo hat hierzu noch einen passenden Kommentar über die
Nutzlosigkeit der VDS veröffentlicht.
Neu sind aber die Forderungen, die Nutzung von
Verschlüsselungstechnologien zu verbieten oder so einzuschränken, daß der
Staat immer mitlesen kann, wann immer er es gerne möchte. David Cameron,
Regierungschef des Landes, in dem der Roman 1984 spielt und das heute dem
dortigen fiktiven Überwachungsstaat am nahesten kommt, startete die
öffentliche Diskussion. Auch davon hatte ich in einem früheren Beitrag
schon geschrieben.
Daß Großbritanniens bester Schnüffelpartner, die USA,
Camerons Vorschlag sofort aufgreift
(siehe auch Golem.de), ist nicht weiter verwunderlich. Nach Initiative des
EU-Anti-Terror-Koordinators Gilles de Kerchove findet
aber auch der EU-Rat Gefallen an dieser
blöden Idee, und Überwachungsfreund de Maizière ist ebenfalls auf den
Zug aufgesprungen, wie Heise.de und
Golem.de berichten. Erste Überlegungen hat das Innenministerium auch schon bekanntgegeben.
Das ganze stößt natürlich auf harsche Kritik. Verschlüsselung zu
verbieten, abzuschwächen oder auszuhebeln bietet nicht nur den Behörden die
Möglichkeit mitzulesen, sondern auch fremden, nicht »befreundeten«
Geheimdiensten wie China oder Rußland sowie Kriminellen. Geschwächte
Kryptographie beeinträchtigt nicht nur Privatpersonen, sondern auch
Wirtschaftsunternehmen (Stichwort Spionage von Wirtschaftsgeheimnissen) und
Banken und gefährdet die Sicherheit von (Atom-) Kraftwerken, Krankenhäusern
und sonstiger Infrastruktur.
Die Grünen kritisieren diese Idee vehement und konstatieren der Bundesregierung fast schon genüßlich
Schizophrenie, weil die Bundesregierung erst vor kurzem im Zuge der
Snowden-Affäre beschlossen hatte, Deutschland solle das
»Verschlüsselungsland Nummer eins« werden.
Kritik kommt nicht nur von den Grünen, selbst bei den Mitläufern der SPD
regt sich ein bißchen soetwas wie Ablehnung. Große Ablehnung kommt aus der
Wirtschaft, und natürlich von den Organisationen der Informatiker.
Heise.de faßt diese Kritik
zusammen.
Frank Rieger vom Chaos Computer Club
kommentiert bei Heise.de zudem die neue
Überwachungswut.
Mit dem Kryptographie-Verbot reicht es den Briten übrigens nicht. Da
ihnen die Diskussion um Flugpassagierdaten (PNR) in der EU zu langsam geht,
will sie mit den willigen Partnern
Belgien, Frankreich, Polen, Holland und Spanien ein Abkommen zum Austausch
treffen. Hierbei sollen nicht nur Daten von Flügen ausgetauscht werden,
die die Grenzen der EU passieren, sondern auch innereuropäische. Das ist
nämlich auf der EU-Ebene noch heftig umstritten.
Einschränkungen der Grundrechte
Es sind vielleicht noch nicht einmal alle Opfer unter der Erde, da wird
der Terrorakt gnadenlos ausgeschlachtet.
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In Deutschland entbrennt der Ruf nach der Vorratsdatenspeicherung.
Inzwischen auch von Merkel und
Gabriel. Einzig Justizminister Maas,
in dessen Ressort das fällt, scheint noch dagegen zu sein – die Frage
ist, wie lange er sich da noch halten kann. Netzpolitik.org berichtet,
was sonst noch geplant ist – zusätzlich zu den existierenden 239
Anti-Terror-Maßnahmen, mit denen wir seit dem 11. September 2001
beglückt wurden.
Mehrere deutsche Organisationen haben dagegen eine Erklärung
veröffentlicht. Sie mahnen zur Wahrung freiheitlicher Werte.
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Schon länger in der Mache ist das Gesetz zum Ausweisentzug, welches
heute das Kabinett passiert hat. Zwar werden hier nur die
Grundrechte weniger eingeschränkt, aber das wohl ohne richterlichen
Beschluß und Beschwerdeweg. Das erinnert dann doch sehr an die DDR und
dessen Ausreiseverbot (»Republikflucht«). Es ist nur eine Frage der Zeit,
bis das peu à peu auf den Rest der Bevölkerung ausgedehnt und so zum
weiteren Puzzle-Teil von DDR 2.0 wird. Die Staatsratsvorsitzende
haben wir ja schon.
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Die Briten, in persona der Premier David Cameron, spinnt noch viel mehr
herum als der Rest der Europäer: Er fabuliert darüber,
Zugriff auf sämtliche Kommunikation
haben zu wollen, was praktisch einem Verbot von Verschlüsselung
gleichkommt. Unterstützung erhält er von Parteigenossen und Londons
Bürgermeister Boris Johnson: »Ich interessiere mich nicht besonders
für dieses ganze Grundrechtszeug, wenn es um die E-Mails und
Telefonanrufe dieser Leute geht. Wenn sie eine Gefahr für unsere
Gesellschaft sind, möchte ich, daß die ordentlich mitgehört werden.«
Großbritannien ist mittlerweile auf dem Niveau des
Rechtsstaatsverständnisses von Recep Tayyip Erdoğan in der Türkei oder
Viktor Orbán in Ungarn angekommen – oder liegt vielleicht schon darunter.
(Siehe auch Spiegel, Engadget, The Independent und The Guardian)
TTIP
Die Europäische Kommission hat die rund 150.000 Eingaben nun ausgewertet.
Rund 97% haben sich dagegen
ausgesprochen oder Bedenken geäußert. Wirklich beeindrucken läßt sie
sich durch die Bürger natürlich nicht, sie ist ja schließlich ihre
Vertretung, und will an dem Abkommen festhalten. (Siehe auch
Süddeutsche Zeitung). Ich hoffe, das
wird noch etwas mit dem Volksbegehren. Auch die Zeit fordert in einem
Kommentar auf: »Nicht nachlassen!«.
Am Samstag ist übrigens
Demo gegen
TTIP in Berlin. Wer kann, sollte hin!
Gen-Food
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Umweltministerin Hendriks will
gentechnikfreies Deutschland. Die Botschaft hör ich wohl, allein mir
fehlt der Glaube. Selbst wenn sie es ernst meinen würde, fehlt ihr
vermutlich der Rückhalt von den Bestechlichen in der Bundesregierung und
im Bundestag, und außerdem würde sie mit den eher gentechnik-freundlichen
EU-Regelungen, die wir mittlerweile haben, in Konflikt kommen.
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Greenpeace hat einen Einkaufsratgeber »Essen ohne Gentechnik« (PDF) herausgebracht. Er
enthält auch eine Liste von Herstellern, die sich freiwillig zu
gentechnik-freien Produkten (Milchprodukte, Eier, Fleischprodukte)
verpflichtet haben.
Sonstiges
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So werden wir verarscht:
Das
Gruppenfoto der Politprominenz bei der Massenveranstaltung letzten
Sonntag in Paris war gestellt (via
Fefe, auch
hier), abseits des Zuges.
Aus »Sicherheitsgründen«… Das kommt natürlich erst später heraus. Und
unsere Presse wundert sich, als Lügenpresse bezeichnet zu werden?
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Viel schlimmer als das Bild selbst sind die Teilnehmer. Im Internet hat
jemand eine Liste der Heuchler aufgestellt, die selber Meinungs- und
Pressefreiheit mit Füßen treten (via
Fefe). Der Stern hat die
Liste auch mitbekommen (lesen die auch Fefe?) und hat einen Artikel daraus erstellt. Ganz grotesk wirkt die Teilnahme von dem
türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoğlu, nachdem heute die Türkei Internet-Seiten wegen »Charlie Hebdo«-Karikaturen gesperrt
hat.
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Von dem Gutmenschentum hat auch eine überlebender »Charlie
Hebdo«-Zeichner die Schnauze voll: »Wir kotzen auf unsere neuen Freunde«.
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Auch die Berliner Mahnwache war eine Show-Veranstaltung: Der Stern
titelt: »Fast mehr Minister als Moslems«, Unterüberschrift: »Nur
10.000 Menschen nahmen an der Mahnwache in Berlin teil, dafür drängten
sich Politiker auf der Bühne. Aus der Kundgebung der Muslime wurde eine
Luxuskundgebung der gutmeinenden Elite Deutschlands.«
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Apropos Lügenpresse: Der Begriff ist jetzt zum Unwort des Jahres 2014
»gewählt« worden. Irgendeine Zeitung schrieb (Link leider nicht
gespeichert), darüber würden sich jetzt die PEGIDA-Anhänger bestimmt
mächtig ärgern. Das sehe ich ganz im Gegenteil: Sie werden sich bestimmt
bestätigt fühlen, weil sie die Jury als Teil des Systems der
»Lügenpresse« sehen. Und damit lägen sie gar nicht so falsch. Die Jury
hat schon immer politisch (»korrekt«) agiert und sich einen Dreck darum
gekümmmert, welcher Begriff am häufigsten bei den Eingaben genannt wurde
– sonst hätte damals auch der Begriff »Rechtschreibreform« gewählt werden
müssen, was aber politisch nicht opportun war. Die Rechtschreibreform war
übrigens das Thema, wo ich erstmals die Presse als Lügenpresse
wahrgenommen habe. Damals wurden Unwahrheiten über die Gegner verbreitet
und die (falschen – wie wir heute wissen) Aussagen politischer Amtsträger
ungefiltert, unkritisch durchgereicht, abgesehen von einer kleineren Zahl
echter Journalisten, die versuchten, das Thema objektiv darzustellen –
wie heute. Und das geht bestimmt schon Jahrzehnte länger.
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Und weil die Lügenpresse und die Gutmenschen die PEGIDA-Teilnehmer als
Dumpfbacken hinstellen: Eine Studie zeigt jetzt, daß Dreiviertel der Teilnehmer aus der Mittelschicht kommen und gebildet
sind. Auch das Thema Islam spielt nur eine untergeordnete Rolle.
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Es ist schon immer besonders peinlich, wenn ein Gutachten des
Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags der offiziellen
Regierungslinie widerspricht. So diesmal bei der geplanten Ausländer-Maut.
Der deutsche Mainstream hat jetzt offenbar den Propaganda-Krieg gegen
PEGIDA erweitert. Er hat französische Karikaturisten überredet, ein
Flugblatt zu entwerfen gegen die Vereinnahmung des Terroranschlags
durch die Pegida:
»Wir lehnen es ab, daß Pegida das Gedenken an unsere Kollegen
vereinnahmen will«, sagte ein Mitorganisator und Sprecher der Aktion der
Deutschen Presse-Agentur. Wegen des Anschlags auf die französische
Satirezeitschrift »Charlie Hebdo« mit zwölf Toten haben die
Pegida-Organisatoren ihre Anhänger aufgefordert, bei der Kundgebung an
diesem Montag in Dresden Trauerflor zu tragen. Pegida stehe für all das,
was die Kollegen von «Charlie Hebdo« durch ihr Werk bekämpft hätten, hieß
es.
Also, Vereinnahmung des Terroranschlags durch Politik und Medien gegen
die Vereinnahmung des Terroranschlags durch PEGIDA. Klasse! Ich frage mich
auch, ob die beteiligten Leute wirklich wissen, was PEGIDA will (und zum
Beispiel das Positionspapier kennen), oder ob den nur zugeflüstert wurde,
das seien alles ganz böse Nazis.
Hier der Aufruf PEGIDAs vom 7. Januar, kopiert von deren Facebook-Seite,
weil bis auf das letzte Wort nichts von dem Text in der Presse zitiert
wird:
Liebe Freunde,
auch wenn der heutige feige Anschlag in Paris, ein Anschlag auf
Meinungsfreiheit, Demokratie, auf Europa, letztlich auf uns alle, Wasser
auf unsere Mühlen zu sein scheint, nehmen wir dies nicht zum Anlaß, uns
damit zu brüsten, wir hätten es ja schon immer gewußt. Nein, eben weil wir
keine Schreihälse sind, als die wir verunglimpft werden, keine Claqueure
sind wie diejenigen, die uns reflexartig mit „Nie-wieder-Deutschland –
hindern wollen, uns mit unseren Abendspaziergängen meistens schweigend zu
artikulieren, lassen wir diejenigen aufschreien, die es immer tun, wenn
sich aktuell etwas Außergewöhnliches, Furchtbares ereignet. Wir schweigen
in Trauer und Demut und in Solidarität mit den Familien der französischen
Redakteure, die jetzt erste Opfer wurden. Wir schweigen und werden am
Montag wieder spazieren gehen: schweigend und mit einem Trauerflor!
Übrigens, Trauer zu zeigen ist auch eine Form der Meinungsäußerung. Und
auch die Opfer, deren Angehörigen und deren Gesinnungsgenossen müssen das
ertragen, ob es ihnen paßt oder nicht. Sonst ist die Meinungsfreiheit nur
ein Wort auf einem Stück Papier.
Als die ersten PEGIDA-Anhänger dem Sinne nach »da seht Ihr es!« gerufen
haben, war die Entrüstung gleich da. Es sei doch unerhört, daß das Attentat
instrumentalisiert wird.
Nur – die anderen machen es ganz genau so.
Da sind zum einen die rechten und bürgerrechtsfeindlichen Gestalten in
der CSU, CDU, SPD und der Polizei-Gewerkschaft. Wie kaum anders zu
erwarten, kommt – mit dem Hinweis auf das Attentat im Gepäck – wieder der
Ruf nach der Vorratsdatenspeicherung, wie z.B. Golem.de und Heise.de
vermelden. Nicht nur, daß die Urteile des Bundesverfassungsgerichts und des
Europäische Gerichtshofs dagegensprechen (letzteres hat laut Rechtsgutachten des juristischen Dienstes des Bundestags auch
Wirkung auf die nationalen Gesetzgebungen): Frankreich hat seit vielen
Jahren die Vorratsdatenspeicherung, und sie konnte das Attentat, wie wir
nun sehen, auch nicht verhindern. Aber das sind nur störende Fakten… Auch
wird juste au moment die Ausweitung der Video-Überwachung gefordert. Der bekannte
Internet-Anwalt und Blogger Thomas Stadtler nennt beides irrational, unseriös und beängstigend. Auch der
Datenschutzbeauftragte von NRW warnt vor blindem Aktionismus. Doch nicht nur von den ȟblichen
Verdächtigen«, sondern auch von Innenpolitikern kommt
Kritik an den erneuten
Forderungen.
Zum anderen versucht die Presse selbst, das Attentat für sich zu
instrumentalisieren. Sie deutet das Attentat als Angriff gegen die
Pressefreiheit um, es ist jedoch ein Angriff auf die Meinungsfreiheit. Der
Blogger Hadmut Danisch beschreibt das in seiner üblichen Klarheit und
Direktheit. Speziell geht es um diese Aktion des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger.
[…] mit der die Presse versucht, sich […] als Opfer darzustellen und
versucht, bei jeder Gelegenheit, bei der es Opfer gibt, etwas vom – Je
suis Charlie – Opferstatus und Mitleid für sich mitzunehmen. Vorher das
Maul nicht aufkriegen, aber hinterher auch wackerer Kämpfer für die
Pressefreiheit sein wollen, wenn’s gerade mal Heldenstatus hat. Helden des
Augenblicks, die nach dem Glück herbeigerannt kommen, um sich mit auf’s
Foto zu stellen.
[…]
Journalisten glauben, daß Pressefreiheit ein (Grund-/Menschen-)Recht
wäre, das einer bestimmten geschlossenen Personengruppe zusteht, aber
inhaltlich nicht näher bestimmt ist. Als sei Pressefreiheit ein
Sonder-Recht der Journalisten, zu tun, was sie wollen. Quasi eine Elite,
die mit einer Art Sonderrechtsblaulicht auf dem Dach herumfährt, so wie
die Polizei im Straßenverkehr Sonderrechte hat. Deshalb stellen sich
Journalisten auch so gerne in ihren Rechten verletzt dar.
Dabei ist es genau umgekehrt:
Pressefreiheit ist ein Recht, das jedem zusteht, nicht nur einer
Auswahl, geschlossenen Gruppe oder Elite, das jedoch nur zu bestimmten
Handlungen berechtigt.
[…]
Es geht denen auch gar nicht um Pressefreiheit, sondern um eine
Gelegenheit, sich als Personenstand als Opfer zu stilisieren, denn das hat
sich ja (siehe Feminismus) bewährt: Nur niemals eine Gelegenheit
auslassen, Opfer zu sein. Es rentiert sich, Opfer zu sein, vor allem, wenn
man bei der Tat nicht dabei war und erst nachträglich, wenn die Gefahr
vorbei ist, dem Opferkollektiv durch billige und mühelose Symbolik
beitreten kann. 12 Leute wurden ermordet, und die Meute kommt in
betroffenheitsindustriellem Ausmaß daher und ruft »Wir wollen aber auch
Opfer sein!«
Es ist grotesk, aber: Die wenigsten Journalisten machen heute noch das,
was inhaltlich unter Pressefreiheit fällt: Nämlich das Recherchieren.
Ausgerechnet die, die Pressefreiheit schon lange nicht mehr verwenden,
beschweren sich am lautesten über deren Verletzung. Als ob sich der Blinde
beschwert, daß ihm jemand das Licht ausgeschaltet hat.
Ich hoffe, Herr Danisch ist mir nicht böse, daß ich soviel von ihm
zitiere. Ich kann nur empfehlen, den Blog-Eintrag zu lesen.
In die gleiche Kerbe haut der Blogger Stefan Niggemeier. Wie er kritisiert er die Aktion des BDZV, darin speziell den Versuch der
Gleichsetzung der PEGIDA mit den Terroristen in ihrem Verständnis der
freien Presse.
Der Vorwurf, der darin steckt, ist perfide und falsch. Er ist perfide,
weil er Menschen, die friedlich demonstrieren, mit einem Verbrechen in
Verbindung bringt, das sie nicht befürworten, nicht gutheißen und das
nicht in ihrem Namen begangen worden ist. Und er ist falsch, weil die
Zeitschrift »Charlie Hebdo« aus Sicht der Pegida-Leute genau das Gegenteil
dessen ist, was sie als »Lügenpresse« beschimpfen.
[…]
Aber die Parallele, die die Karikatur zwischen den Worten der
Pegida-Anhänger und den Taten des islamistischen Terroristen zieht, ist
falsch. Und ihre Wirkung ist verheerend. Wiederum aus Sicht dieser Leute
formuliert: Die deutsche »Lügenpresse« ist nicht nur zu feige, die
Wahrheit zu sagen. Sie erklärt sich nach den Attentaten sogar für
solidarisch, wenn nicht identisch mit denen, die dafür nicht zu feige
waren. Und erklärt stattdessen ihre Kritiker zu Komplizen der Täter.
Die Presse bestätigt aus Pegida-Sicht so, auf kaum zu übertreffende
Weise, den Vorwurf von der »Lügenpresse«.
Auch hier kann ich nur empfehlen, den ganzen Artikel zu lesen.
Um das Verhalten der Presse geht es auch in einem Artikel von Glenn
Greenwald, der mit der Snowden-Affäre bekannt wurde. Er beschäftigt sich
mit der Thematik, daß Meinungs- und Pressefreiheit immer dann hochgehalten
werde, wenn es gegen den Islam geht. Wenn es gegen das Judentum oder gegen
den Westen ginge, dann sind alle schnell mit der Kritik, mit Beschimpfung
als Antisemitismus, mit Zensur, mit Verhaftungen dabei. Aus diesem Grund
fügt er als Solidarität mit Charlie Hebdo nicht anti-islamische Karikaturen
ein, sondern auch anti-jüdische und anti-israelische: In Solidarity With a Free Press: Some More Blasphemous
Cartoons.
Unser Innenminister in Bezug auf den jüngsten Anschlag auf die Redaktion
von Charlie Hebdo: »Terroristische Anschläge haben nichts mit dem Islam zu tun«. Das
wäre also so, wenn man zum Verbrechen Breiviks und den Verbrechen des
»Nationalsozialistischen Untergrund«-Trios sagen würde, sie hätten nichts
mit Rechtsradikalismus zu tun (welche sehr wohl damit zu tun haben). Ich
bin davon überzeugt, daß unter anderem diese Art der Verlogenheit von de
Maizière und anderen Politikern die Leute zu PEGIDA treibt.
-
Da war wohl der Zensor pinkeln, um mal Fefe zu zitieren:
Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt gibt zu: Nach TTIP können wir nicht mehr jede Wurst schützen. Das heißt
Gouda und Tiroler Schinken frisch auf den Tisch aus der amerikanischen
Chemiefabrik! Und im Gegenzug könnten die Amerikaner sich vorstellen,
ihren Gendreck zu kennzeichnen (was in der EU bislang noch Pflicht ist,
leider mit viel zu großen Ausnahmen). Wie ich im Fernsehen sah, aber
natürlich nicht, wie man sich das naiv vorstellen würde, etwa mit
aufgedrucktem Text, in einer für jedermann lesbaren Form. Aber nein!
Sondern als Barcode, den man dann mit dem Mobiltelefon abscannen
muß und dann (vielleicht?) die Information bekommt! Ist der Schmidt
eigentlich so blöd oder so dreist, uns das zu
servieren???
Das ist natürlich nicht nur Wasser auf die Mühlen der TTIP- und
Gentechnik-Gegner, sondern auch der natürliche Freund TTIPs, die Wirtschaft, kratzt sich
so langsam am Kopf.
Nachtrag: Mehr zu dem Barcode-Vorschlag auf dem Zeit-Blog
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Die FDP hat es immer noch nicht begriffen, zumindest der Chef nicht.
Christian Lindner will seine Partei auf strikt marktwirtschaftlichen
Kurs bringen, mit uneingeschränkter Zustimmung zu TTIP. Nun, mit den
paar Stimmen mittelständischer Unternehmer, die noch ähnlich denken, wird
die FDP wohl kaum den Wiedereinzug in den Bundestag schaffen. Der Rest
der Bevölkerung ist m.E. schlau genug zu erkennen, daß das eine Sackgasse
ist, in die wir seit Jahren hineinfahren. Da wird auch das Locken mit dem
Ende des Solidaritätszuschlags nicht helfen. Siehe auch Spiegel. Nächster »Reality Check« für die FDP ist am 15. Februar
2015 bei der Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft. Aktuelle Prognose:
2%
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Das Thema KFZ-Kennzeichen-Scannen
durch die Behörden, nicht zuletzt durch die geplante Ausländer-Maut an
Brisanz gewonnen, geht in die letzte (deutsche) Instanz, vor das
Bundesverfassungsgericht. Da dieses m.W. schon
bürgerrechtsfreundliche Urteile diesbezüglich gefällt hat, hege ich doch
eine gewisse Hoffnung, daß auch die bayrische Regelung fallen wird.
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Weil ich gerade die Ausländer-Maut erwähnte: Wie es halt schon immer
ist: Ist eine völlig bescheuerte Idee im Raum, finden sich politische
Trittbrettfahrer, die diese Idee aufgreifen und extrapolieren: Die Kommunen fordern jetzt eine Maut für alle Straßen.
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Die spinnen, die Briten: Erzieher sollen im Kindergarten nach
zukünftigen Terroristen Ausschau halten und den Behörden melden! Wie
krank ist das denn? The Telegraph via
Fefe, Focus
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Eigentlich wollte ich zu PEGIDA im Moment nichts schreiben, weil ich
erst so einen langen Beitrag geschrieben habe und das nicht zu meinem
Kernthema werden lassen möchte. Aber wenn ich sehe, wie sich gestern in
Erwartung der nächsten Demo die Gegner, inklusive der Medien, ereiferten,
wie sie den PEGIDA-Leuten das Recht absprachen, ihre legitime Meinung zu
vertreten und dafür auf die Straße zu gehen, wie sie hetzten und sich
aufhetzen ließen, wie sie öffentlich Druck ausübten, wie sie die
Demonstrationen behinderten, muß ich hier nochmal zum Ausdruck bringen,
daß ich das für grob undemokratisch halte und daß für mich die Gegner
keinen Deut besser sind als die PEGIDA-Leute. Ich halte mich mehr an den
Spruch »Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, daß
Sie sie sagen dürfen«, der wohl von Evelyn Beatrice Hall stammt, den
man aber früher Voltaire zuschrieb.
TTIP & Co.
Datenschutz, Überwachung & Co.
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Wenn bei der EU etwas aus dem Fokus rückt, dann werden die Lobbyisten
wieder aktiv und sorgen dafür, daß es im Sinne der Industrie verwässert
wird. So geht es zur Zeit der EU-Datenschutzreform.
Die Weitergabe von persönlichen Daten
soll erleichtert werden und Direktmarketing soll sich nur per Opt-Out
vermeiden lassen.
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Heise.de berichtet: Die EU
meint, es sei jetzt genügend Gras über die Snowden-Hysterie
gewachsen, sodaß man mit den USA nun wieder wie bisher verkehren kann.
Das sind also unsere Volksvertreter.
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Markus Beckedahl, bekannt durch sein Portal Netzpolitik.org, hat eine
Petition für Netzneutralität ins Leben gerufen, nachdem unsere
Regierung diesbezüglich einen Wischi-Waschi-Kurs fährt.
(Heise.de-Artikel dazu).
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Die Autoindustrie hat Regeln zum Datenschutz in und um Automobile
aufgesetzt, was im Prinzip löblich ist. Datenschützer sind aber der
Meinung, daß sie noch weit weg von
einem Datenschutzstandard sind.
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Stern-Kommentar zur Maut: »PKW-Maut: Das Ende der Bewegungsfreiheit«
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Hacker haben sich einen gebrauchten Nacktscanner gekauft und
stellen Versuche an, wie man ihn überlisten kann.
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Smartmeter-Chaos in Deutschland und die Folgen, auch für den
Datenschutz.
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Da in Spanien am 1.1.2015 ein Leistungsschutzrecht in Kraft tritt, das
den Verlegern nicht nur erlaubt, Lizenzgebühren von Nutzern wie Google zu
erheben, sondern sie sogar dazu zwingt, hat Google nun
den Stecker von der spanischen Version
von Google News gezogen (siehe auch Ars Technica und Engadget). Langsam wird einigen europäischen Verlegern klar, was
das für ein Bumerang ist, und
schreiben einen Brandbrief an
Oettinger, er möge doch die Finger von einer europäischen Version
lassen.
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In dem amerikanischen Gesetzgebungsverfahren existiert die schlechte
Tradition, problematische Gesetze in anderen Gesetzesvorhaben zu
verstecken, und sie so, quasi als Trittbrettfahrer, durch Kongreß und
Senat zu bekommen. Das ist jetzt den Überwachungsfanatikern mal wieder
gelungen, sodaß nun auch amerikanische Bürger ohne Richterbeschluß abgehört werden
dürfen.
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NSA-Generalinspektor: Merkel hat kein Recht auf Privatgespräche.
Bei so einer Realitätsverzerrung bleibt mir die Spucke weg…
PEGIDA
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Hans-Werner Sinn vom Ifo-Institut rückt mal die Bertelsmann-Studie
ins richtige Licht, weil sie ja gerne als Argument für die
unbegrenzte Aufnahme von Migranten herangezogen wird.
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Wer auf Verschwörungstheorien steht, sollte sich mal
dieses
Interview anhören, geführt von Ken Jebsen, einer wohl schillernden
Gestalt. Der Plot ist, daß PEGIDA ein Teil des Masterplans der Elite ist,
den Konflikt zwischen dem Islam und der westlich orientierten Welt
aufzuheizen, um ein neues Feindbild nach dem Ende des Kalten Krieges zu
schaffen. Der Initiator der PEGIDA sei durch sein Vorstrafenregister
praktisch prädestiniert, zu soetwas »genötigt« zu werden. Völlig abwegig
ist das ganze nicht, aber das gilt für jede gute
Verschwörungstheorie!
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Ein Kommentar zu dem PEDIGA-Phänomen von Hendrik M. Broder, einem
bekannten polarisierenden und provozierenden Journalisten. Ich bin
nicht gerade ein Freund von ihm, aber Artikel, die nicht mit einem
Vorschlaghammer argumentieren, sind relativ rar.
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Auch wenn der Artikel nichts mit PEGIDA zu tun hat, stelle ich ihn hier
ein, weil das sicherlich auch eine Quelle des Frusts der Demonstranten
ist: »Volksherrschaft ohne Volk: Warum keinen Menschen mehr interessiert,
was in der Politik passiert«.
Sonstiges (international)
Sonstiges (Inland)
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Es gibt eine winzig kleine Hoffnung, diesen Parasiten namens
»Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk« loszuwerden. 32 Professoren, die für das Finanzministerium ein Gutachten erstellt
haben, zerreißen das momentane Finanzierungsmodell in der Luft.
Die technischen Gründe, mit denen einst das öffentlich-rechtliche
System gerechtfertigt wurde, sind heutzutage weitgehend verblaßt.
Man beobachtet den Bieterwettbewerb der öffentlich-rechtlichen
Sendeanstalten um Sendeformate, die inhaltlich und konzeptionell von der
privaten Konkurrenz praktisch kaum zu unterscheiden sind. […] Es könnte
der Eindruck entstehen, daß nicht der grundgesetzliche
Versorgungsauftrag und die Vielfalt im Zentrum der Aufmerksamkeit des
öffentlich-rechtlichen Rundfunks stehen, sondern die
Einschaltquoten.
Eine der Höhe nach maßgeblich vom Anbieter bestimmte,
nutzungsunabhängige Zwangsabgabe kann keine Impulse für eine optimale
Angebotssteuerung setzen.
Wer direkt das Gutachten lesen will, kann es hier finden.
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Nicht nur ein Edathy taucht unter, sondern auch ein Ronald »Ronny«
Pofalla. In wenigen Tagen beginnt sein neuer Job bei der Bahn, den nicht
wenige als Dankeschön für die Unterstützung während seiner Zeit als
Merkels rechte Hand sehen. Ein Zeit-Journalist will ein Interview mit ihm
zu bekommen und beschreibt seinen Versuch samt zugehöriger Recherchen. Was dabei
herauskommt, ist ein Dossier, das ihn als noch schlimmer charakterisiert,
als er allgemein gehalten wird. So ist sein Wutausbruch gegenüber Bosbach
(»ich kann Deine Fresse nicht mehr sehen«) kein Einzelfall und das
Radfahrerprinzip Grundlage seiner Karriere gewesen. Außerdem ist er
Spindoktor Merkels Strategie der »sedierenden Politik«:
…der asymmetrischen Demobilisierung. Das ist ein Wort aus der
amerikanischen Politik, und es bedeutet: Einlullen. Ermüden.
Einschläfern. Dem Gegner die Kraft rauben, indem man ihm die
Angriffspunkte nimmt. Keine Konflikte, deswegen auch keine auffälligen
Inhalte, sondern ein dahinplätscherndes Weiter-so.
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Wenn man langfristig eine Ideologie etablieren will, muß man an die
Kinder heran. Das ist nicht neu – Hitler, die DDR und die SPD (Zitat Olaf
Scholz »Lufthoheit über den Kinderbetten«) wußten und wissen das. Der
Möchtegern-Imperator Erdoğan weiß das auch, wie der Bericht über die gewaltsame Auflösung einer Lehrerdemonstration in
Ankera offenbart.
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Zwei etwas ältere Artikel zum meiner »geliebten« Rechtschreibreform,
die ich jetzt gefunden habe: Was lange schon vermutet wurde, konnte nun
durch Studien belegt werden: doppelt so viele Fehler dank Rechtschreibreform. Der
Rechtschreibrat, der auch als Beruhigungspille für die Gegner gegründet
worden war, sitzt das nach Merkel/Kohl-Manier aus und verbrennt nur Geld.
Das wurde selbst einem der Mitglieder, einem bekannten Linguisten,
zuviel.
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Ein Artikel über Dieter Nuhr und die Islamismus-Debatte: »Dieter Nuhr: ›Über den Islam zu reden, führt zu körperlicher
Gewalt‹«. Apropos Dieter Nuhr: Eigentlich mag ich ihn ganz gerne.
Aber über TTIP hat er entweder massive Wissenslücken oder er wird von
jemanden bezahlt…
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Stern berichtet, wie Fleisch mit Wasser gestreckt wird, um bis zu 30%. Mit
Schinken wird das übrigens auch gemacht, mit dem Argument, das Pökeln
ginge dann schneller.
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Apropos Fleisch: BSE ist aus unserem kollektiven Gedächtnis schon
länger verschwunden. Daher fordert die Agrarlobby, die strengen Regeln wieder zu lockern. Den Prionen würde das
freuen.
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Das Geld ist ausverkauft:
»Die Partei« beendet ihre Aktion mit Erfolg. Es ist doch
erstaunlich, welchen Selbstbedienungsladen sich die Parteien im Laufe der
Jahrzehnte etabliert haben, der dank AfD und »Die Partei« nun der
Öffentlichkeit bekannt wurde.