Mein Kollege raunte mich an, ich hätte doch Doppelstandards. Auf der
einen Seite hätte ich Sympathien für die kanadischen LKW-Fahrer gehabt, die
in ihrem Heimatland Grenzen und die Hauptstadt Ottawa blockiert hätten,
andererseits würde ich die Klimakleber verfluchen. Als ich ihn daraufhin
ironisch gefragt habe, ob er auch einer dieser Klimaterroristen sei, war
die Diskussion für ihn beendet – Tür zu…
Auch wenn der Kollege meinen Blog nicht liest: Nein, ich sehe das nicht
als einen Doppelstandard, denn ich messe die Aktionen an ihren Zielen:
Die kanadischen LKW-Fahrer haben für ihre persönliche Freiheit gekämpft,
für den Erhalt ihrer Grundrechte, dafür, ungeimpft zu bleiben und ihrem
Beruf nachgehen zu können, der in der Regel mit eher weniger
Personenkontakten auskommt, für die Ausbreitung der Pandemie weniger
relevant.
Die Klimaterroristen dagegen kämpfen dafür, den Rest der Bevölkerung
Freiheiten zu nehmen: Sie sollen nur noch mit 100 km/h auf den Straßen
unterwegs sein, nicht mehr in den Urlaub fliegen dürfen, sie sollen sich
nur noch vegan ernähren, sollen auf Wohlstand verzichten. Außerdem wollen
sie die Demokratie abschaffen und eine marxistische Ökodiktatur etablieren,
ein ominöser »Umweltrat« soll möglichst am Parlament vorbeiregieren können.
Sie maßen sich an, als einzige zu wissen, was richtig und falsch ist.
Ich kam gestern nicht mehr dazu. Die Entscheidung ist zwar positiv, hat
aber natürlich einen Pferdefuß. Erstmal zum Positiven: Einerseits dadurch,
daß der Rechtschreibrat von seiner Position von vor drei Jahren im Prinzip
nicht abgewichen ist, verfestigt sich diese Haltung. Kombiniert mit einem
Rückschwung des politischen Pendels vom ultralinken, woken Rand zurück zur
echten Mitte (also nicht die Mitte, wie sie die Linken verstehen)
besteht Hoffnung, daß sich der Genderstern (oder seine Varianten) nicht
etabliert.
Das gilt aber nicht unbedingt für die »abgeschwächte« Formen des
Genderns, wie die ständige Ergänzung mit der weiblichen Form (»Bürgerinnen
und Bürger«) oder die substantivierten Partizipien (»Studierende«,
»Fahrradfahrende«, »Zufußgehende«). Auf diese Varianten ziehen sich solche
Leute und Firmen zurück, die einerseits woke sein, aber nicht im ständigen
Kreuzfeuer der Diskussionen stehen wollen. Die Käsblattproduzenten der
Funke Mediengruppe machen zum Beispiel verstärkt Gebrauch davon, und mir
wird jedesmal schlecht davon.
Dagegen müssen die Gendergegner weiter arbeiten, überhaupt auch daran,
daß es eine »gendergerechte« Form der deutschen Sprache brauche, was einzig
auf der völligen Unfähigkeit der Gendeeristen betrifft, irgend etwas von
Linguistik zu verstehen. Denn gerade die generischen Formen sind
omniinklusiv. So kann beispielsweise ein Pferd, ein Blindenhund oder ein
autonomes Fahrzeug mit KI auch ein Verkehrsteilnehmer sein. Nach
Genderideologie wäre das bloß und ausschließlich ein männlicher Mensch!
Aber in der heutigen Zeit braucht man auch nichts mehr zu verstehen – man
muß sich nur als Opfer identifizieren und lauthals herumheulen und
-maulen.
Nun zum Pferdefuß: Um die Genderisten unter den Mitgliedern des Rates zu
besänftigen, hat der Rat die Empfehlung ausgesprochen, das offizielle
Regelwerk um einen Abschnitt »Sonderzeichen« zu ergänzen, in dem
Genderstern, –doppelpunkt usw. erläutert werden, der aber nach meinem
Verständnis nicht Bestandteil des Regelwerks selber sein soll. Die Nutzung
gilt daher weiterhin als falsch im Sinne des Regelwerks. Prinzipiell könnte
das natürlich ein Einfallstor sein, aber mit der gleichzeitigen Erneuerung
des bisherigen Standpunkts ist schwer, mit dieser Ergänzung zu
argumentieren. Mal abwarten, wie sie formuliert wird und wie sich das
weiterentwickelt.
Der Rechtschreibrat entscheidet heute wohl, ob das Gendersternchen in
die offizielle Rechtschreibung aufgenommen wird. Bislang gab es nur
eine Empfehlung, und die lautete, es besser nicht zu verwenden.
Wird der Rat wenigstens einmal eine richtige Entscheidung treffen? Werden
die berücksichtigen, daß 70-80% der Deutschen diesen Schmarrn ablehnen?
Wobei, die große Ablehnung hat ja bei der Rechtschreibreform auch nicht
gestört.
Aus sprachwissenschaftlicher Sicht kann es eigentlich nur eine
Entscheidung geben, und die heißt Nein. Nun, ich bin ja bekennender
Pessimist und fürchte aber das Schlimmste, mindestens jedoch irgendeinen
faulen Kompromiß.
Nachtrag: Ich glaub's nicht: Rechtschreibrat sagt tatsächlich Nein! Siehe auch FAZ, Focus, Welt, Zeit.
Heide Simonis ist gestorben. Ich trauere der Frau keine Träne nach.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie unter ihrer Regierung der
erfolgreiche Volksentscheid in Schleswig-Holstein gegen die fürchterliche
Rechtschreibreform nach nur einem Jahr rückgängig gemacht wurde. Insofern
ist sie die Vorreiterin von dem, was Merkel in Thüringen angerichtet hat.
Ja, natürlich kann ein Volksentscheid nicht ewige Wirkung haben – aber er
sollte meiner Meinung nach zumindest genauso lange Gültigkeit besitzen, wie
die Wahl der entsprechenden Regierung. Bemerkenswert ist noch, daß bei der
damaligen Abstimmung alle Abgeordneten gegen die Bevölkerung, für
die Rückgängigmachung des Volksentscheids gestimmt haben. Es gab keine
Gegenstimmen, nicht mal Enthaltungen, auch nicht von der Opposition: Ein
kräftiger Tritt in den Hintern der Demokratie. Insofern freut es mich,
daß sie letztlich bei ihrer Wiederwahl als Ministerpräsidentin an der
Demokratie gescheitert ist.
Mit bei der Abstimmung war übrigens auch der Sonnyboy der ach so
liberalen FDP, Wolfgang Kubicki. Auch das werde ich nicht vergessen und ihm
nicht verzeihen.
Gut, daß sich seit meiner Jugend keinen Drang mehr verspüre, in Freibäder
zu gehen. In Berlin eskaliert mittlerweile die Lage in den Freibädern
aufgrund von Migranten, in einem Brandbrief beschreiben die Mitarbeiter die
untragbaren Zustände, beklagen mangelnde Unterstützung. Junge Freiheit und Focus schreiben darüber, der Quelle ist wohl ein Artikel im Tagesspiegel hinter der Paywall.
Leute mundtot zu machen, indem man sie entmonetarisiert, bzw. ihnen
einfach die Konten sperrt, meist mit einer sehr wolkigen, allgemeinen
Begründung wie »Vertragsverletzungen«, ist nicht wirklich neu. Auf dem
europäischen Festland betrifft das hauptsächlich Personen, die der
Allgemeinheit so nicht bekannt sind: YouTuber, Blogger. Auf der Insel
traut man sich auch an Persönlichkeiten heran. So hat es jetzt den Mr. Brexit, Nigel Farage getroffen.
Ach ja, was ist das nur für ein freiheitliches, pluralistisches
Europa!
Tichys Einblick berichtet, wie in Hessen von Behörden falsche
Zahlen zu der Zahl der Messerangriffe im Bundesland herausgeben. Die Zahl
liegt wohl tatsächlich viermal höher als bekanntgegeben!