Wenn ein Online-Medium zur Zeit Klickzahlen erhöhen will, braucht es nur
einen Artikel über den tschechischen Millionär Radim Passer zu schreiben
(wie zum Beispiel diesen hier). Dieser ist neulich mit seinem Sportwagen mit 417 km/h
über deutsche Autobahnen gefahren und hat dazu ein dokumentierendes Video
auf YouTube veröffentlicht.
Schon fangen viele Deutsche an, mit Schaum vorm Mund zu geifern. Selbst
die Staatsanwaltschaft ermittelt. Warum? Bei uns gibt es doch freie Fahrt
auf den Autobahnen – noch. Ja, aber er habe doch ein Rennen durchgeführt.
Mit einem Fahrzeug? Ja, im Oktober 2017 ist das
Strafgesetzbuch ergänzt worden:
§ 315d Verbotene Kraftfahrzeugrennen
(1) Wer im Straßenverkehr
…
-
sich als Kraftfahrzeugführer mit nicht angepaßter Geschwindigkeit und
grob verkehrswidrig und rücksichtslos fortbewegt, um eine höchstmögliche
Geschwindigkeit zu erreichen,
…
wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe
bestraft.
…
Ich habe mir das Video, als es damals in den Online-Medien verlinkt
wurde, angeschaut, und kann aus meiner Perspektive klar sagen, daß es a)
nicht verkehrswidrig war, da offensichtlich auf der Strecke kein Tempolimit
existiert, und b) auch nicht rücksichtslos, da Ort und Zeit so gewählt
wurde, daß kaum Verkehr auf der Autobahn stattfand. Wenn ich das richtig in
Erinnerung habe, hatten sie sogar ein Auto vorgeschickt, um die
Verkehrssituation zu beurteilen.
Generell finde ich die Idee, daß ein einzelner ein »Rennen« durchführen
kann, irgendwo abstrus. Ich kann mich noch an die Zeit erinnern, als Mofas
bei der Jugend sehr beliebt waren. Die hatten allerdings wenig Leistung,
darum gab es praktisch immer nur zwei Betriebsmodi: Leerlauf und Vollgas.
Wenn man jetzt also mit so einem Mofa mit Vollgas versucht, das Letzte aus
dem Ding herauszuholen, fährt man dann schon ein illegales Rennen? Weiter
gedacht wäre dann auch jedes Vollgas, der Kickdown bei Automatik-Wagen,
illegal.
Irgendwo haben wir nur noch Idioten an der Regierung, und das schlägt
sich leider auch in den Gesetzen nieder. Und kleingeistige Neidhammel in
der Gesellschaft, die entsprechende Leserkommentare absondern und
Strafverfahren eröffnen.
Ich lese gerade in der Online-Ausgabe des lokalen Fischblatts über
Morddrohungen, die an Lokalpolitiker gerichtet sind. Diese sollen aus den
Reihen der Impfpflichtgegner kommen, und natürlich wird das sofort auf die
»Spaziergänger« ausgedehnt, die montags hier im Ort seit einigen Wochen
durch die Stadt laufen und die auch nicht mehr sogenannte Spaziergänger
sind, sondern echte Demonstranten, da nach meinem Kenntnisstand regelmäßig
für diese Unternehmung eine Demonstration angemeldet ist. Impliziert wird
in dem Artikel, daß alle Teilnehmer die Denkweise des Bedrohers teilen
würden.
Hintergrund ist, daß die Person, die unter Klarnamen(!) auf Facebook(!)
einem Politiker gedroht haben soll, auch Mitglied einer Telegram-Chatgruppe
sei, in der Informationen über den wöchentlichen Lauf durch die Stadt
ausgetauscht werden. Es ist aber davon auszugehen, daß es sich hier nur um
einen Mitleser handelt und nicht um jemanden, der wesentlich an der
Organisation beteiligt ist – andernfalls hätten wir das mit Sicherheit in
dem Fischblatt schon lesen können.
In einem neulichen Artikel des Fischblatts stand zudem, daß diese Person
genau dem gleichen Politiker schon einmal derart gedroht hat, daß dieser
ihn angezeigt hat. Da das vor einem Jahr stattfand, kann das wohl nicht mit
einer Impfpflicht und somit mit den Montagsdemonstrationen in Verbindung
stehen. Offenbar hat die Person wohl schon länger ein »Problem« mit diesem
Politiker. Um diese Schwachsinnslogik deutlich zu machen, bediene ich mich
gerne eines einfachen Beispiels:
Man stelle sich vor, ein Massenmörder, Schlächter, Hannibal-Lecter-Typ
erklärt öffentlich, er liebe Schokolade wahnsinnig. Macht mich als
Liebhaber eben dieser Schokolade das dann auch zum (potentiellen)
Massenmörder? Müßte ich deshalb mich von der Schokolade distanzieren, wäre
es moralisch unvertretbar, sie weiter zu konsumieren? Wohl kaum.
Das Fischblatt schreibt weiter, der Politiker (von den Piraten übrigens,
die scheint es tatsächlich noch zu geben…) würde pro Tag rund zehn
»Haßnachrichten« bekommen, pro Woche zwei bis drei mit konkreten
Bedrohungen. Das sind also rund 3.500 pro Jahr, mit mehr als 100 konkreten
Bedrohungen. Und davon picken er und die Zeitung sich jetzt eine heraus und
reiten darauf herum? War jetzt endlich mal eine passende dabei?
Da es ja nicht sein kann, daß nur die anderen Opfer sind, springen
weiterer Politiker auf den Zug auf. Ein Politiker der »Partei« (diese
Partei des mißlungenen Spaßes und der gepflegten Hetze gibt es offenbar
auch noch) erklärt, auch er würde Morddrohungen bekommen, und die lokale
SPD-Größe erklärt sich zum Anwalt der anderen beiden, hetzt gegen die
Montagsdemonstranten in der Stadt und instrumentalisiert das auch noch
gegen den relativ frisch und überraschend gewählten CDU-Bürgermeister – er
würde keine Solidarität zeigen, er solle doch auf der Gegendemonstration
auftreten (ob er das aufgrund der Neutralitätspflicht überhaupt darf,
stelle ich mal hier in den Raum).
Bei der Gelegenheit fällt mir ein: Hat denn mal ein SPD-Politiker
Solidarität mit einem AfD-Politiker gezeigt, dessen Auto abgefackelt wurde
oder der von der Antifa krankenhausreif geschlagen wurde? Ich kann mich
nicht erinnern. Und hat das Fischblatt mal bei den lokalen AfD-Politikern
nachgefragt, was die denn so an Nachrichten bekommen? Das sind bestimmt
nicht weniger in dieser Art, halt nur von einer anderen Klientel.
Und noch zu Morddrohungen: Irgendwo empfinde ich die Aufrufe zu einer
Impfpflicht auch als Morddrohung. Die Wahrscheinlichkeit, nach einer
Zwangsimpfung plötzlich zwei Meter unter der Erdoberfläche zu liegen, sehe
ich für mich höher, als daß einer dieser Politiker durch solch einen
Volltrottel mit seiner großen Fresse das Zeitliche segnet.
Herrlich. Die AfD führt die »Altparteien« mal wieder vor. Im Bundestag
hat sie eine Gesetzesinitiative eingebracht, daß der Bundespräsident ab
2027 doch vom Volk gewählt werden solle, statt in der Bundesversammlung –
die in meinen Augen nicht mehr als eine schlechte Zirkusveranstaltung ist.
Auch soll jeder von sich aus kandidieren können, sofern er Unterschriften
von mindestens 0,5% der Wähler nachweisen kann.
Das paßte den anderen Parteien überhaupt nicht. Da sie aber keine
vernünftigen Argumente dagegen hatten, haben sie ihre hinteren Bänke ans
Rednerpult geschickt. Als Bürger mußte man sich diverse Schwurbeleien
anhören. Zum Beispiel, daß »das vom Grundgesetz nicht vorgesehen sei«, was
in Anbetracht der Tatsache, daß der Bundestag schon mal an einem Tag
Änderungen am Grundgesetz durchpaukt, und daß der entsprechende Artikel
sich weit weg von den durch die Unveränderlichkeitsklausel geschützten
Artikel befindet, nicht nur lächerlich, sondern schlicht eine
Unverschämtheit ist. Ein anderer Redner schwafelte davon, daß sich das
»fein austarierte Machtgefüge« aus dem Gleichgewicht geraten würde, denn
wäre der Bundespräsident direkt gewählt, dann hätte sein Amt das gleiche
Gewicht wie der Bundestag. Das ist völlig absurd. Wenn die Deutschen einen
Fußballer des Jahres wählen würden, hätte der dann seiner Meinung auch das
gleiche Gewicht? Die Aufgaben des Bundespräsidenten sind klar umrissen, und
daran soll sich dem Antrag nach auch nichts ändern.
AfD-Abgeordneter Stefan Brandner verglich in seiner Rede süffisant und im
Konjunktiv die beiden Kandidaten Steinmeier und den anwesenden Otte, ohne
deren Namen zu erwähnen – auf der einen Seite ein Parteisoldat, der seinen
linksradikalen Ursprung bis heute nicht verbergen kann, auf der anderen
Seite ein erfolgreicher Wirtschaftsprofessor und Unternehmer. Oberpeinlich
wurde es dann noch bei meinem Spezialfreund Helge Lindth von der SPD, der
anfing, noch wilder als sonst herumzugeifern, nachdem Brandner ihn in einer
Zwischenfrage aufgefordert hatte, zu dem Linksradikalismus von Steinmeier
in seinen jungen Jahren Stellung zu nehmen.
Nachzuschauen bei
Phoenix.
Was für ein Dreckshaufen. Als ich heute in der Mittagspause mal in
YouTube hereingeschaut habe, ist mir der
Livestream des
Bundestags angeboten wurden. Habe ich dann mal angeklickt und traute
meinen Augen nicht. Ich bin mitten in die Debatte um die »Konferenz zur
Zukunft Europas« gestolpert (12:55-14:10). Huch, was ist das denn? Diese
von einem Redner euphemisch genannte »partizipative Demokratie« ist
der gleiche Scheiß, den Merkel schon
betrieben hat, und hat mit Demokratie genauso wenig zu tun wie die
sozialistischen Räterepubliken. Ursula von der Leyen hat sich diese
simulierte Demokratieveranstaltung von ihrer Ziehmutter Merkel abgekupfert:
Eine »zufällige« Auswahl von Bürger wird eingeladen, Vorschläge für »die
Weiterentwicklung der EU« zu machen und sie zu diskutieren. Das ganze läuft
schon seit Mitte letzten Jahres und sei nach
Aussage der
Staatsministerin im Auswärtigen Amt, die Grüne Lührmann, ist dieses
»Experiment zur besseren Beteiligung der Bürger« ein voller Erfolg. Ein
anderer Redner der Regierungskoalition (leider vergessen, wer das war)
sprach von der begeisterten Annahme dieses Prozesses durch die Bürger in
der EU, was ich für einen billigen Schwindel halte. Ich schätze mal, daß
99,99% dieser Bürger genauso wenig Kenntnis von diesem Mist haben wie ich
bis dato hatte.
Wie der
AfD-Politiker
Kleinwächter in seiner Rede darlegt, kann man das Ergebnis jetzt schon
voraussehen, denn zumindest seiner Behauptung nach sind diese »Bürger«
alles anderes als zufällig ausgewählt, sondern stammen von NGOs, die
inhaltlich mit dem Plan der EU zu einem zentralistischen Superstaat
übereinstimmen. Und dann wird noch behauptet werden, das sei das Votum der
Mehrheit der Bürger in der EU. Ein einziges großes Täuschungsmanöver. Ich
könnte kotzen.
Oh, ich habe gerade den Fehler gemacht, einen Spiegel-Artikel und die
Leserkommentare dazu zu lesen. Es geht um die Aufstellung des einfachen CDU-Mitglieds und aktuellen
Vorsitzenden der Werteunion Max Otte als Kandidat für das Amt des
Bundespräsidenten durch die AfD.
Es ist wirklich schlimm, daß es überhaupt nicht um die Eignung von Max
Otte als Bundespräsidenten geht – was ja durchaus diskutabel ist –, sondern
einzig und allein darum, daß er sich von der AfD hat aufstellen lassen. Wo
ist das Problem? Betrachten die Leute den Bundespräsidenten als Marionette
der Partei, die ihn nominiert hat? Was sagt das über Steinmeier und all
seine Vorgänger aus?
Das ist genauso unreflektiert, wie wenn die Presse ohne mit der Wimper zu
zucken davon spricht, die Parteien wollten den (verfassungswidrigen)
»Fraktionszwang« bei einer möglichen Abstimmung über die Impfpflicht
aufheben.
Wir sind so meilenweit von eine demokratischen, freiheitlichen,
unabhängigen Gesellschaft entfernt, wie man nur denken kann.
In kleinen Schritten baut die EU eine Zensur-Infrastruktur auf.
Unter dem Vorwand, etwas gegen die Dominanz amerikanischer Dienstleister
unternehmen zu wollen, schreibt gerade die EU den Betrieb eines eigenen
DNS-Resolvers aus. Der DNS-Resolver ist der Dienst, der für Endgeräte die
Umwandlung von Domainnamen wie z.B. »www.grantler-blog.de« in numerische
IP-Adressen durchführt. Über die IP-Adressen werden dann letztendlich die
Datenpakete rund um den Globus geschickt. Normalerweise betreibt jeder
Zugangsprovider wie 1&1, Telekom, Vodafone usw. selber Resolver. Wenn
man seinen Router nicht speziell konfiguriert, werden die auch verwendet.
Jedem Nutzer steht es aber frei, diesen Dienst nicht zu nutzen, sondern
einen anderen (wie z.B. den von Google oder Cloudflare) oder, so wie ich,
selber einen Resolver zu betreiben. Natürlich könnte man dann auch die
Server der EU benutzen, wenn man tatsächlich wollte.
Klingt doch alles wie in Butter, oder? Die Crux liegt natürlich wieder im
Detail. Die deutschen Provider unterliegen natürlich deutschem Recht, und
Urheberrechtsinhaber bzw. derer Vertreter haben sich nun schon mehrfach
erstritten, daß die großen Provider ihre Resolver so ändern müssen, daß sie
für gewisse Webseiten gefälschte Antworten liefern. Die Besucher werden auf
eine von den Urheberrechtsinhabern betriebene Warnseite umgelenkt. Damit
wird übrigens denen auch die IP-Adresse des Besuchers bekannt. Was sie
damit machen, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber daß man damit etwas
machen kann, liegt auf der Hand. Ich habe das auch mal bei meinem Provider
(1&1) ausprobiert mit einer Adresse, die in den Kommentaren zu dem
Golem-Artikel stand, und tatsächlich wird mir auch eine falsche Adresse
geliefert.
Nun, das ist natürlich aufwendig, so eine Seite zu sperren. Die Provider
machen das ja nicht freiwillig und einfach auf Zuruf. Daher wäre es ja viel
einfacher, wenn die Provider gar nichts mehr damit zu tun hätten. Viel
schöner wäre es, wenn man sich das Erstreiten der gerichtlichen Titel
ersparen könnte und als Urheber dann nur noch gegenüber der EU glaubhaft
machen müßte, daß seine Rechte verletzt wären. Das ist sicherlich ein
Motivationsgrund der EU. Sie möchte die Provider am liebsten dazu bringen,
gar keinen eigenen Resolver mehr anzubieten, sondern einfach die Adresse
des EU-Resolvers an die Kunden weiterzugeben.
Und natürlich sind Urheberrechtsverstöße nur der Anfang. Man muß sich ja
nur daran erinnern, wer an der Spitze der EU steht: Ursula von der Leyen,
auch als Zensursula bekannt. Vor vielen Jahren hatte sie, damals als
Familienministerin, ja schon mal versucht, mit dem Vorwand der Bekämpfung
von Kinderpornographie hier in Deutschland genau so eine Filterstruktur
einzuführen, was aber vereitelt wurde. Das Thema Kinderporographie steht
bei dem EU-Projekt daher auch auf der Agenda. Weiter geht's dann mit dem
Kampf gegen »Haß und Hetze«, sprich, jeder, der Webseiten mit Kritik gegen
die EU oder die Regierungen bereibt, ist da im Fadenkreuz. Zur Zeit wären
da mit Sicherheit auch alle Gegner der Corona-Politik, ganz vorne dran auch
die Querdenker, mit dabei. Das ganze nennt sich dann »Lawful filtering« (Punkt 12). »Lustig«
ist da der Einschub »e.g. based on court orders«. Das läßt Spielraum
offen. Auch bei Punkt 7, »Security«, kann man flexibel sein, was man
darunter versteht.
Auch wenn das durch relativ einfache Mittel umgangen werden kann,
beispielsweise, indem man in seinem Rechner oder Browser einen Browser
außerhalb der EU konfiguriert, dabei gegebenenfalls auf DNS-over-HTTPS
(DOH) oder DNS-over-TLS (DOT) zurückgreift, ist die Frage, ob hier nicht
schon Grundrechte der Bürger verletzt werden. Richtig schlimm wird es dann
aber erst, wenn die Provider dazu verpflichtet werden, Zugänge zu den
Alternativen zu sperren, und wir dann chinesische oder russische
Verhältnisse haben. Noch ist allerdings nicht die Rede davon. Es könnte
auch sein, daß sich die EU damit zufrieden gibt, daß sie so zumindest den
Zugriff der »breiten Masse«, die unerfahren genug ist, auf die
»schädlichen« Inhalte zu verhindern. Aber sind wir doch mal ehrlich:
Niemand von uns möchte doch die Hand dafür ins Feuer legen, daß es nicht
soweit kommt. Oder?
Siehe auch: Hadmut Danisch: DNS4EU: Die EU will DNS filtern, Heise: Digitale Souveränität: EU-Kommission schreibt europäischen
DNS-Resolver aus
Ergänzungsartikel: EU-Pläne für eigene DNS-Resolver: Kritiker befürchten fragmentiertes
Netz